Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-03-21 · 12 (21.3.1840) · p. 185

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
12 (21.3.1840)
Article
Aus Alcharisi's Tachkemoni
Date
1840-03-21
Page
185 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8555529-9891396-9891416-2362026--0225-2362064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

185 Dr. Kr afftProben aus Tachkemoni. Salowon Pleßner. 186 mir gleich: Wie geht es? — und zu Hause, wie steht es? — des Bakers Gesundheit noch dauerhaft? — oder sein Auge btob> und die Kraft erschlafft?"-^) — Da seufzte der Bauer und sprach: Ob meiner Sünden ist er dahingeschieden, — und ruhet in Frieden; -— er hat bezogen die dunkle Kammer, — und mich überlassen dem Jammer!" — Als ich das hörte, streckt ich aus meine Hand, zu zerreißen mein Gewand, — doch der Bauer faßte meine Hand, -- und sprach: „Ach, Herr, thut euch nichts zu Leide, — und lasset ab von eurem Kleide; ■— denn es nützet ja nichts.der Kummer-, — und erwecket ihn nicht vom ew'gen Schlummer!" — Da sprach ich: „Ich sollte freilich zerreißen mein Eingeweide — statt meinem Kleide, — und vergießen das Blut meiner Venen — anstatt der Thränen, — um des Freundes Tod, — der mein Schirm mir war in der Zeit der Noch. — Wie viele Dienste erzeigt' er mir! — und wie viel Gutes reicht' er mir! — Doch annehmen muß der Fromme, — was auch da komme! — Und so sei denn getrost und komm mit mir nach Hause — zu einem kleinen Schmause! — Oder gehn wir sogleich zu dem Wirthe in jener Gasse, — -wo ich einen köstlichen Braten dir kommen lasse!" — Diese Worte füllten den Bauern mit Entzücken,— und er folgte mir nach mit freudigen Blicken. — Er eilte mit mir, damit ec sich letze, — ohne zu wissen, daß ec sich sing in meinem Netze. — Als er nun mit mir in jenes Haus einkehrte, — fanden wir eben einen Braten, wie ihn nur das Herz-begehrte, — zwischen dem Ofen und dem Heerde, — von dem das Fett in Strömen rannte, — köstlich geröstet im Feuerbrande. — Die Flammenzunge hatt' ihn beleckt — und mit Blütchen bedeckt, — mit ihrer Glu.th ihn heiß gemacht, — und ihn in Schweiß gebracht, — bis daß er ward — ganz mürb' und zart, — und rein und fein — wie ein Edelstein, —bis er unten wie Schnee erschien — und oben roch wie ein Rubin, — und darüber goß sich die Brühe hin, — an Farbe unerreichbar, — und nur dem Golde vergleichbar, — jedes Herz bezwingend — und das Innere wie Gluth durchdringend. — Und da wir dem Wirth uns nahten, — sprach ich: Gieb doch ein Stück von diesem Braten — hier dem Abida, meinem Herzenskameraden! —- doch gieb uns den besten Theil davon, — eine fette Portion, — von den Stücken, — die das Auge berücken, — und das Herz entzücken — und den Gaumen erquicken!" — Da ergriff der Mann sein Messer, — ein Stück abzuschneiden für die Esser,— wie die glühende Kohle sprühend, — und wie das Herz des Neiders glühend, — dessen Duft erweckte vom Tod, —1 und dessen Süße den Honig überbot, — und dazu brache' er uns weißes Brod! — So crßen wir uns denn voll, — bis uns der Mund aufquoll, — und der Bauch bis zur Erde schwoll. — Als wir geendet unsere Gastung — und Mästung, — sprach ich zum Wirthe: Gieb meinem Freund doch noch Honigmandeln, — die jedes Leid in Lust verwandeln,— frisch, nicht älter als eine Nacht, — wie der Mond in seiner Pracht, — die da fett und. würzig schmecken, — und den Schlafenden erwecken, — wenn sie in den Mund auf das Elfenbeinlager sich strecken. — Sie müssen sichtlich zerfließen, — und zwischen den Händen sich ergießen, — und ehe die Zähne sie umschließen, — sind sie vom Gaumen schon gefangen — um in des Magens Raume hinabzugelangen." — Der Gaftwirth hörte kaum mein Wort, — so eilt' er fort, — und flugs stand Alles dort. — So saßen wir denn wieder, — und rührten die Glieder — und die Zahne gingen auf und nieder. — Als wir nun unsere Arbeit geendet, — und uns dankend zu Gott gewendet, — sprach ich zum Bauern : Freund, nun haben wir frisches Wasser vonnöthen, — um die Glut des Bratens zu tobten; — bleibe hier, bis ich zu jenem Thor gesprungen, — und gerufen einen Zungen, — der uns Wasser bringe — das den Durst bezwinge, — kühl und frisch wie Schnee — von der Bergeshöh'/— auf daß es die Glut austreibe — aus unferm Leibe!" — Der Bauer sprach: „Gehe nur fort, — und thue nach deinem Wort!" — Als ich mich nun hinweggewandt, — versteckt ich mich hinter die Wand, — damit ich sehe, — wie's ihm gehe, — und was für ihn daraus entstehe. — - ' (Fortsetzung folgt.) Salomon Pleßrrer's Confirmationsreden und historischer Nachweis für die Feier der Consirmation. Würdige Männer haben so oft ihr Schwert, thnls zur Bekämpfung, theils zur Bertheidigung dieses in der Hagada sehr bewanderten Gelehrten geschärft, daß Res., ein Zivo im öffentlichen Streite für das göttliche Wort, nur durch besondere Gründe bewogen in die Arena zu treten wagt. Referent war nämlich selbst Zuhörer einiger gehaltener Predigten, er horchte selbst auf die aus tiefer Brust entquollenen, von lieblichen Meschalim und Hagadot sprudelnden Lehren, und ging erbaut und belehrt davon; erbaut durch den Ernst, durch die milde Strenge und durch die vom Herzen kommenden Ermahnungen, und belehrt durch den Reichthum an trefflichen in das practische Leben eingreifenden Sentenzen, durch das Necitlren der kindlichen, verhüllten Aussprüche der Midraschim und endlich durch die mannigfache Auslegung und passende Beziehung derselben auf die jedesmalige stattflndende Feier. Der Zweck gedruckter Predigten kann ein doppelter sein: zur Erbauung für Laien, oder zur Belehrung für Theologen. *) Zur Erbauung dienen sie im häuslichen Leben sowohl für diejenigen, denen .sich keine Gele- *) Ref. will den Zweck gedruckter Predigten nicht darin suchen, daß sie als Repetition den gewesenen Zuhörern dienen sollten, die durch die RecapiLulaLion das angehörte, lebendige Wort nochmals vor ihre Seele sühren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.