Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 11 (14.3.1840)
- Article
- Pleßners Schriften [Nachricht]
- Date
- 1840-03-14
- Page
- 173 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Literarische Skizzen und Berichte. 174 Literarische Skizzen und Berichte. Pleßners Schriften. Von Salomen Pleßner sind als paffende Geschenke bei Consirmationen und an Hochzeitstagen zwei Hefte Predigten erschienen, und zwar ganz eigentliche Gelegenheitspredigten, aber dennoch mit jener Ekgenthümlichkeit abgefaßt, die wir bei dem Verfasser allenthalben finden. Da Hr.Pleßner in diesem Theile der homiletischen Literatur an der'Spitze einer eigenen Richtung steht, so. werden wir, obgleich es sonst dem Oriente fern liegt, eine ausführliche Rezension darüber geben, mit Berücksichtigung der übrigen Leistungen dieses Gelehrten. Die Familie der Eiferer. Der aus dem Kampfe gegen I on a t a n E u b e s ch ü tz berühmte Jakob Emden, bekannt auch unter der Abbreviatur yZ})'1, d. i. Jakob Ben Mi, war der letzte große Eiferer gegen Häresie und Unglauben, und man begreift kaum, wenn man seine zahlreichen Schriften liest, wie ein Mann ein solches reichliches Maaß von Galle haben konnte. Sein Vater war der berühmte Chacham Zebi, ebenfalls ein Eiferer ohne Gleichen, der bekanntlich gegen den sabbataischen Jünger Nehem ia Chajun einen wahrhaft fanatischen Kampf geführt, einen Kampf, der sich ebenfalls in zahlreichen polemischen Schriften erhalten. Der gelehrte Chacham Zebi war ein Enkel des berühmten Jakob S a s p o r t a s, eines wahren Häuptlings aller Eiferer. Sasportas kämpfte und eiferte gegen Sabbatai Zebi, den Stifter der sabbataischen Sekte, unermüdlich und unaufhörlich, mit einem solchen Aufwande von geistiger Kraft, wie man kaum in der Neuzeit findet. David Kimchi's Commentar zur: Genesis. Cm junger Orientalist, A. Cohn aus Preßburg, der gegewärtig in Paris ist, geht damit um, den Kimchi'fchcn Commentar zur Genesis, der sich unter den Handschriften der Sorbonne, jetzt mit denen der königlichen Bibliothek vereint, gefunden,-herauszugcbcn. De Rossi in seinem Diz. Stör. (I. 188) fetzt in die Existenz eines solchen Kimchi'fchcn Commentars einen Zweifel, aber es ist gewiß, daß Salomo Ben Me lech (Michlal Josi oc!. Amst. f. 218) denselben vor Augen hatte, und die Handschrift (Nr. 49) der Sarbonne setzt die Identität außer Zweifel. Das Nssanuscript ist auf Pergament, an welchem der Anfang und das Ende fehlt. Der Name des Abfassers ist zwar darin nicht genannt, aber ein Blick reicht hin, um die Manier und die.Sprache des berühmten Kimchi zu erkennen. Der Autor citirt häufig seinen Vater, wie es Kimchi zu thun pflegt, und was jeden Zweifel hebt, ist, daß er seinen Michlol, als sein zwcigethekltes Werk (Grammatik und Lexicon) sehr oft anführt. Auch Kimchi's Commentar zu Jjob befindet sich hier auf der Bibliothek, nur fehlen darin ebenfalls einige Blatter. S. Munk. Die Vierstädte * Rabbinen. Noch um das Jahr 1700 bestand unter Len slavischen Juden eine Rabbinen- Synode der Letrapole Krakau, Posen, Lemberg und Lublin, die ihre Autorität über Polen, Rußland, Böhmen, Mähren und zmn Lheil auch über Deutschland und Italien ausdehnte. - Die Entstehung dieser eigenthümlichen, auf die jüdische Cultur, in jenen Ländern höchst einflußreichen Synode, umhüllt noch ein tiefes Dunkel, welches wohl nur die Archive dieser vier Gemeinden wird aufhellen können. In den rabbinischen Schriften jener Zeit und auch in Haskamot wird sie unter dem Namen erwähnt, da dieOberrabbinen der genannten vier Städte bei dieser Synode den Vorsitz führten. Die Thätigkeit der Vierstädte - Rabbinen war theils weltlicher Natur, wie die Entrichtung von Steuern und Abgaben aller Art an die Negierung (lPD£)), die Organtfinnig der Gemeinde-Ausgaben (n^upM NWIWN), die Einsetzung der Vorsteher und Gemeinde-Repräsentanten — denn dieses alles hatten sie unter ihren Händen, oder führten darüber eine Oberaufsicht — oder geistiger Natur, wie die Einführung der wandernden Prediger (DipOID), als Gegensatz zu den damals übergrcifenden Talmud'disputationen welche Prediger aus der Synoden-Kasse besoldet wurden, und die Beaufsichtigung der Presse durch eine Art Censur. Noch nie hatte eine Rabbmensynode so viele Elemente des Guten besessen, noch nie hatte irgend eine so Vieles in sich vereinigt, als diese, und sie hatte , wäre nicht auch bei ihr der Fanatismus eingedrungen, wahrhaft Denkwürdiges und Unvergängliches leisten können. Unter Vielen möge hier Folgendes als Beispiel dienen. Bekanntlich haben die Karaer es nie versucht, sich mit den Rabbinitm zu vereinigen, aber als die geistige Obermacht der Vierstädte-Rabbinen den höchsten Gipfel erreichte, trat ein solcher Fall ein, welcher der denkwürdigste hätte werden können. Die Karäer schickten nämlich ein ausgezeichnet schöngeschriebenes Sendschreiben an die Synode, gerade als sie in voller Thatigkeit war, mit der Anfrage, ob man es ihren Abgeordneten gestatten wolle, in dem Pallaste der Synode (HJMH rp2) 5U erscheinen, um über den Werth des mündlichen Gesetzes öffentlich zu verhandeln, da sie geneigt seien, wenn sie von den Rabbinen überzeugt würden, sich mit den Rabbiniten zu vereinigen. Es wurde in der Synode damals sehr viel über die Antwort verhandelt, die man den Karäern ertheilen solle, da stand der damalige Präsident der Synode, Rabbi Samuel, Oberrabbi'ne zu Krzemimec, auf und schrieb ihnen folgende lakonische und bittere Antwort: pnKITO D^fcOpr!/ eine Stelle der Mischna in Moed Katan, wodurch die Verhandlung abgebrochen wurde. Wegen der ungemeinen Verbreitung der Sabbatäersekte und ihre, häretischen Schriften, auch wegen des beispiellosen Umsichgreifens dev nutzlosen Lalmudschristen, faßte die Synode einmal den Beschluß, daß zehn Jahre lang kein hebräisches Buch in Polen und Rußland gedruckt werden solle (s. Vorr. und Haskama zu Seser B e e r M a j i m C h aj i m, ed. Dyrhenfurt, ferner die Haskama zu Lek ach Lh o.b, Franks, a. d. O., 1701/ ferner Toldot Jizchak, daselbst, 1691). Diejenigen, .welche etwas.Näheres über diese Synode noch wissen, ersuche, ich, es hier gefälligst mittheilen zu wollen.