Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-03-07 · 10 (7.3.1840) · p. 157

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
10 (7.3.1840)
Article
Inridische Schriften über das jüdische Recht in Oesterreich [Nachricht]
Date
1840-03-07
Page
157 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8555529-9891396-9891412--0184-2361934
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Literarische Skizzen und Berichte. 158 157 Lehre vom Eide nach Grundsätzen des jüdischen Kirchenrechts und in den kritischen Jahrbüchern für deutsche Rechtswissenschaft eine Recensi'on über Grassl's Eherecht (5 Jg. 7. u. 9. H.) Vor einem Jahre gab Herr Wessely die Monographie heraus: Wer ist nach den Grundsätzen des österreichischen Rechts zur Vornahme einer indischen Trauung berechtigt. Mit Rücksicht auf das mosaisch -talmudische Eherecht" (Prag, IM). Wir sehen dem Erscheinen der Weffely'schen Arbeit um so freudiger entgegen, als über jüdisches Recht in Oesterreich nur drei Monographien vorhanden sind: a) Praktischer Nathgeber kn Militärangelegenheiten und Judenwesen, von Klingn er (Brünn 1826); b) Systematische Darstellung der in Betreff der Juden in Mähren und österr. Schlesien erlassenen Gesetze und Verordnungen, von Prof. Scari (Brünn 1835); c) das besondere Eherecht der Juden in Oesterreich von Prof. Grassl (Wien 1838). Jbn-Esra's Jesod Mora zum sechsten Male. Das in zwölf Pforten getheilte theologische Schristchcn Jesod Mora von Jbn-Esra wurde seines mystischkabbalistischen Inhalts wegen häufiger als andere Schriften dieses Schriftstellers gedruckt. Im Jahre 1530 wurde es in der berühmten Druckerei des Estrok de Toulon auf Veranlassung des gelehrten Salomo Almoli in Konstrntinopel (in 8) gedruckt, wo es den Titel führt: Jesed Mora ve- Sod Tora; km Jahre 1566 erschien es in Venedig in Duodezform, 1770 in Hamburg, 1763 in Prag dem Jgeret Orchot» Olam von Farissol beigedruckt und endlich 1833 daselbst mit einem hebräischen Commentar von H. S. Stern. An gedruckten Ausgaben des Buches hat es also nicht gefehlt. Dennoch hat Dr. M. Creizenach in Franks, a. M. eine neue Ausgabe (Franks, a. M. 1840. 12) veranstaltet, die zwar mmöthig, aber durch die beigedruckte deutsche Uebersetzung allenfalls zu entschuldigen ist. Für diejenigen, die den hebräischen Text ohne paraphrastische Verdeutschung lesen können, ist diese Ausgabe zwar theuer, aber ohne den geringsten Werth, da der Herausgeber weder die gedruckten Ausgaben, noch einige Handschriften zu benutzen sich Mühe gab. Die Oxforter Bibliothek, die königliche Bibliothek in Paris, der Vatikan und viele deutsche Bibliotheken haben zahlreiche Handschriften dieses Merkchens, um deren Erlangung Hr. C. sich nicht bemühen wollte. Eben so wenig hat es Hr. C. der Mühe werth gehalten, auch nur eine einzige Bemerkung diesem Merkchen beizusügen, um deren Willen der Gebildete das unnöthige Merkchen kaufen könnte, so daß diese Arbeit wider den Willen des Verdeutschers nur eine Bereicherung der Literatur geworden ist. Für diejenigen Leser, welche das Original in der Ursprache nicht kennen, möge hier der Inhalt der 12 Pforten stehen: 1) Ueber das Studium der heiligen Schrift. 2) Ueber die Zahlung der mosaischen Vorschriften. 3) Unterscheidung zwischen Grund- und Nebengebotcn. 4) Charakter der Grundgebote. 5) Gebote, die zur Erinnerung dienen. 6) Gebote, die einer Erläuterung bedürfen. 7) Gebote für das Herz, den Mund und die That. 8) Gebote, deren Ursachen im Pentateuch angegeben sind. 9) Erhebung zu Gott, als Endzweck der Religion. n> Erklärung des Tetragramma. 12) Höhere Stufe der Erkenntniß Gottes. Die 48 Middot des Rabbi Natan. Dr. Zunz sagt (Gottesd. Wort.. S. 91) von diesen Middot: „Einen wichtigen Platz in der alten halachischen Literatur nahm das Werk ein, welches den Namen führt: Die 49 Middot, auch Mischna, von Spätern Barajta oder Midrasch genannt, und dessen Raschi, Ben Esra, Tosefot, Jalkut, R. Ascher gedenken, und zwar nennt Ben Esra ausdrücklich Rabbi Natan als Verfasser. Daß dieser Rabbi Mischna's verfaßte, ist bereits gemeldet worden; aus den angeführten Fragmenten geht aber hervor, daß unter andern in diesem Werke viel von geometrischen und Zahlen-Verhaltniffen vorkam. Nun bestätigt es sich aber aus den talmudischen Schriften, daß R. Natan es liebte, in der Halacha sowohl als in der Hagada, das Zahlenverhältniß der Dinge anzugeben; Hegada's, die sich nach der Ordnung der natürlichen Zahlen über in gewisser Anzahl vorhandene Dinge verbreiten, werden ausdrücklich als von R. Natan herstammend mitgetheilt. Man darf demnach annehnehmen, daß dieses — jetzt verlorene — Werk des N. Natan zürn großen Theile seine Mischna's enthielt und nach der Zahlenfolge von 1 bis 49 rubrizirt war, so daß in jeder Rubrik unter der Ekngangssormel NNO **** D halachische, hagadische oder sonst wissenschaftliche Gegenstände, die in Bezug auf die Zahl dahin gehörten, aufgeführt wurden." So weit Dr. Zunz über die 49 Middot, begleitet von einer Fülle von Belegstellen. Daß die Vorliebe R. Natan's, in der Halacha und in der Hagada das Zahlenverhältniß der Dinge anzugeben, unbegründet sei, hat Milsahagi in Rabia (Kritik 41) aus, führlich und evident erwiesen; aber auch die Vermuthung, daß in diesem Werke Mischna's nach der Zahlenfolge rubrizirt, daß darin Hatachisches und Hagadisches nach einem Zahlen-Verhältnisse aufgeführt waren, wird durch folgende wörtliche Mittheilung des Dr. Carmoly in seinen Analekten erschüttert. Er sagt nämlich; der gelehrte Comtino besaß die Barajta, welche 49 Middot des R. Natan betitelt ist. Sie ist ganz mathematischen Inhalts, besteht aus fünf Abschnitten, die zusammen 49 Paragraphen haben , und beginnt mit folgenden Worten: r6ay namao njano nn law nynpi man rpyoim rummn M man fen m : nrwp : iw ii mabiaa nman -usao ma^an tainm y^a d'od vhvh myanan nix bib nais yim ' a bw nusn pnnan n? y^* inrx : am napn p miib piinm m coinm * romn mm : nma'an xin ivaya am a bw imxa xmi napn Möge Herr Dr. Carmoly, da er nun einmal im Besitze der seltensten Handschriften ist, in diesem Blatte über die 49 Middot etwas Näheres berichten, namentlich darüber, ob sich noch Fragmente davon erhalten haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.