Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 10 (7.3.1840)
- Article
- Keren hemed
- Date
- 1840-03-07
- Page
- 155 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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155 Kerem Chemed. Lirerarische Skizzen und Berichte. 156 Briefe zu verdanken, und zwar Briefe, von deren Inhalt man, ohne sich dem Vorwurf der Uebertreibung auszusetzen, sagen darf, daß jede Zeile eine Bereicherung der Wissenschaft sey. Auch seine Landsleute I. S. Reggio, I. Almanzi und Ghirondi tragen dazu bet, das Verdienst dieser Zeitschrift zu vermehren; aber er selbst bleibt immer die schönste Zierde derselben. Es ist hier nicht der Ort, ausführlich über das Geleistete zu berichten, noch weniger, durch eine tiefer eingehende Beurtheilung uns über das Einzelne zu verbreiten; wir wollen nur mit wenigen Worten von den Griefen 12 und 16 des letzten Heftes sprechen, weil diese einen Hebräischen Dichter des maurischen Spaniens behandeln, der dem größeren Publikum eben jetzt durch eine gelehrte Abhandlung in Deutscher Sprache von Herrn L. Dukes (gleichfalls Mitarbeiter des Kerem Chemed und, wie die meisten anderen, ein Oesterreicher von Geburt) vorgeführt wird. Der zu Ende des Ilten Jahrhunderts blühende Dichter und Philosoph Mose Ben Esra hat Gott durch begeisterte Hymnen, seinen Namen aberdurch noch viele andere Gedichte und prosaische Werke verherrlicht. Dennoch war dieser Name nur noch auf einem sehr kleinen Raum der Ribliotheca I-Iebraea von Wolf und in einigen anderen Arbeiten dieser Art zu finden, im Munde des Volkes war er nicht, und die Literarhistoriker so wie die ausführlichsten Gelehrten - Lexika gedachten seiner noch weniger. So wie sich der Name des berühmten Mannes auf ein paar Zeilen von Mols und De Rosst "zurückgezogen hat, so mußten sich seine besten Schriften mit einem Winkelchen der Bodlejanischen Bibliothek zu Oxfort begnügen, wo sie durch die unantastbaren, ungerechten Gerechtsamen der englischen Universitäten fast unzugänglich geworden sind, und wo durch Widersprüche der Bibliographen Ga gnier und Uri der Leser ihrer Beschreibung verwirrt wird. Wie erfreulich mußte es bei solchen Verhältnissen daher seyn, daß sich jetzt gerade die beiden Oesterreichischen Gelehrten Lü zza tt o und Dukes in der Bekanntmachung und Beleuchtung der Schriften des geistvollen Spaniers begegnen \ Lüzzatto hat die glücklichste Möglichkeit gehabt, über diesen Mann zu sprechen, da er im Besitze zweier kostbarer Handschriften desselben ist. Die eine, das Buch ,, Tarsehr sch" enthaltend, das nur noch auf der Hamburger Stadtbibliothek, in München, in Paris (wahrscheinlich) und in Oxfort ist. Wir sagen in Oxfort, weil wir nicht mehr zweifeln, daß das Xr. 066GXG1V. bei Uri aufgeführte Buch von Moses Ben Esra kein anderes ist, als Tarschisch, obgleich es dort einen anderen, und zwar Arabischen, Namen führt. Die Inhalts-Angabe dieses Buches bei Uri, verglichen mit der Inhalts-Angabe des Buches Tarfchisch bei Dukes, muß Jeden von der Wahrheit unserer Vermuthung überzeugen, obgleich Herrn Dukes selbst diese so sehr in die Augen springende Vermuthung entgangen ist. In dem Hamburger Kodex entspricht der Inhalt des oten Kapitels dem 7ten des Oxsorter und das 7tc dem oteiu Bei L uzzatto aber ist auch diese kleine Verschiedenheit nicht, die übrigens für die Sicherheit unserer Vermuthung nicht gefährlich wäre. Ref. wird den Gegenstand in einer besonderen Abhandlung über Mose Ben Esra bald weiter verfolgen, und wir erklären hier nur noch, daß wir uns der (uns mündlich gewordenen) gewichtvollen Beistimmung des vor allen Anderen zu entscheiden berechtigten Z u n z erfreuen. Die zweite kostbare Handschrift ist der Diwan, eine Sammlung religiöser und profaner Gedichte, 300 an der Zahtt Aus beiden Werken gibt Lüzzatto Proben und Erklärungen in hebräischer Sprache; Dukes dagegen hat das obengenannte Tarschisch vor sich gehabt, und von dem Diwan hat ihm der befreundete Lüzzatto Proben wirgetheilt. Außerdem hat er noch ein aus der Hamburger Bibliothek befindliches Fragment von dem philosophischen Werke des Mose Ben Esra, „Gewürzbeet" genannt, benutzt, während Lüzzatto eine hoch in Ansehen stehende Gebetsammlung (Machasor von Oran) trefflich für seinen Gegenstand ausgebeutet hat. Diele zwei Briefe im Kerem Chemed werden dem Leser, der hier ihren Inhalt kennen gelernt hat, schon hinrei« chen, sich ein Urtheil über das ganze Streben der Zeitschrift zu bilden, und werden manche Gelehrten, denen die neu-hebräische Sprache nicht geläufig ist, zu dem Wunsche veranlassen, sie möchte, wenigstens theilweise, ins Deutsche übersetzt werden. Daß die Verfasser selber Deutsch schreiben sollen, ist billigerweise Nicht zu verlangen, da sie fast alle Jtaliäner oder Polen und die Briefe auch meist für die Juden in den österreichischen Staaten berechnet sind. Jedenfalls beweist diese Zeitschrift von einem grossen wissenschaftlichen Fortschritte bei den Juden der genannten Staaten. Die Juden in England stehen ihnen auf dem Gebiete der hebräischen Literatur sehr nach; eben so die in Frankreich (denn die trefflichen Ausnahmen, wie Munk und noch Einige, sind Deutsche). Nur Deutschland zahlt jüdische Gelehrte dieses Faches, denen die Verfasser des Kerem Chemed huldigen müssen. Lt. Literarische Skizzen und Berichte. Schriften über Philo und den jiid. Hellents» Kreuzer: zur Kritik der Schriften des Juden Philo (Studien und Kritiken 1832 Heft 1.). — Dahne: Bemerkungen über die Schriften Philo's (daselbst 1833 Heft 4.). — Ne and er: genetische Entwickelung des gnostischen Systems. Berlin 1818. Einleitung. — Gross mann: quaestiones philoneae. I. de theolögiae Phiionis foritibus et auctoritate. Leipzig 1829. — Gefrörer: kritische Geschichte des Ürchristenthums. Stuttgart 183!. Der zweite Theil: Philo und die alexandrinische Theosophie. — Dahne: gsschichtliche Darstellung der jüdischen alexandrinischen Religionsphilosophie. Halle 1834. 2 Abtheilungen. — Ueber die äußere Bildungsgeschichte der Juden in Egypten vor und zur Zeit Philo's: Meier: Judaica, s. reter. scriptorum profanorum de rebus judaicis fragmenta. Jena 1832. — Groot: de migrationibus Hebraeorum extra patriam ante Hierosol. a Rom. delelam. Gröningen 1817. — Fareau: unter demselben Titel in demselben Jahre daselbst. — Suringer, de mutati Hebraeorum ingenii post reditum captivitate babyl. ratione et causis. Leipzig 1820. — Sche ffer: quaestiones philonianae. I. de ingeiüo moribusque Judaeorum per Ptolemaeorum saecula. Marburg 1829. — Irr indische Schriften über das jüdische Recht in Oesterreich. Von Dr. Wolfgang Wessely in Prag erwarten wir ein größeres juridisches Werk, das jüdische Recht in Oesterreich betreffend, welches nach dem, was Hr. Wessely bereits auf diesem Gebiete geleistet hat zu urtheilen, sehr belehrend sein dürste. Hr. Wessely schrieb in der Themis (3. Heft) den Aufsatz: „Kann eine schwangere jüdische Frau zum Eide verhalten werden?" und im Archive für Kirchenrechtswissenschast von D. Weiß (4. Bde. 1833): die