Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 10 (7.3.1840)
- Article
- Sendschreiben ... an Chajim Selig Slonimski
- Date
- 1840-03-07
- Page
- 153 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8555529-9891396-9891412-2361892--0176-2361932- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
158 Sendschreiben S. I. Rapaport's an CH. S. Sloniwski. Kerem Chemed. 154 nur die Königin dabei erwähnt ist, zeigt, daß es Pt. Phil, sein muß, der bekanntlick) eine der Lagiden, seine eigene Schwester zur Gemahlin hatte (s. de Rosst, Meor Enajim 87). Aus diesen drei Ptolemaus hat der Supercommentator eine Person gemacht, und doch ist keine andere Einheit zwischen allen dreien, als die Gleichheit des Vaterlands Egypten. — Ich ergreift hier die Gelegenheit, um mich über die talmudische Benennung des Ptolemaus durch das biblische aus zu sprechen, die meiner Meinung nach nicht aus dem Streben nach Kürze entstanden ist, da Bet am Anfänge der Wörter nicht zu den sich leicht verlierenden Buchstaben gehört. Die arabische Schreibung ist ganz die griechische, das Bet vertritt nur die Stelle des Pe, weil die Araber kein Pe haben, aus welchem Grunde sie auch aus Hippokrates gemacht. Der jerusalemische Talmud schreibt auch statt 0^220, Tripolis, mit Bet 0^2210, und daß im Talmud Ip^D statt vorkommt, ist bekannt. Das Arabische kann uns also den Namen nicht erläutern, aber auch die griechische Sprache nicht; seine Entstehung weist auf Egypten hin, obgleich die Endung os der griechischen Sprache angehört. In der altegyptischen oder koptischen Sprache hat bekanntlich Fi nur die Geltung des arabischen al, es ist nämlich der Artikel, wie Jablonski langst nachgewiesen und wodurch allein er die biblisch - egyptischen Eigennamen nnriM Dir©/ erklären konnte (s. Rosenmüller, bibl. Altt III. Th. 1. S. 259* * 270. 278). Wenn man also das Gesagte auf den Eigennamen anwendet, und daher dieses Nomen analystrt, so wird man sicherlich die talmudische Benennung verstehen. Denn, da D seinem koptischen Ursprünge nach unwesentlich, wie die Endung Dl in der griechischen Schreibung, so bleibt als das wesentliche Nomen übrig. Das Nomen Proprium kommt schon in der Bibel vor; denn so hieß ein Nachkomme der Enakiten und ein König von Geschur; es scheint, daß die Wurzel darin „kühn sein" bedeutet habe, wie das griechische rolpav, und ist vielleicht aus dem Phönizischen erst in das Hebräische gekommen.*) (Fortsetzung folgt.) *) Ausführlich hat der Uebersitzer die Radix DpH sammt dem Eigennamen 'lftpn schon seit Jahren in seiner Co n cord an z erläutert, und der Leser würde es vielleicht nicht ungern sehen, wenn er hier auszüglich einiges daraus üb ersehend mittheilt. „Die hebräische Verbalwurzel G^py, die nur in dem Eigennamen vorkommt (denn das' Nomen ist nur secundare Form 'aus bft, uue 022 aus 22, Dpy aU '%^b)y «. f. w.), bedeutet: kühn, herzhaft sein. In dieser Bedeutung erscheint ob?) zwar schon im Ara maischen (jerus. Largum Gn. 49, 5), aber das eigentliche adäquate Verbum im Aramäischen ist mit Lhct, welches bekanntlich im Largum für die Hebräischen pW)), üün, 2'2, gebraucht wird, von welchem auch viele Derivate , tufc D'PuD 202 D22 Das Studium der Hebräischen Sprache und -er Hebräischen Denkmäler aus dem Mittelalter bei den italienischen und galizischen Juden. *) Wir haben eine periodische Schrift vor uns, die zu den merkwürdigsten Erscheinungen der Literatur gehört und die ihrem wissenschaftlichen Geiste, ihren Mitteln und ihrer Form nach keine ihres gleichen hat. Wir meinen die Sammlungen hebräischer Briefe, die seit 1833 unter dem Namen „Sefer K e r e m C h e m e d " in Wien bei S ch m i d herauszukommen angefangen haben, und jetzt bei Landau in Prag fortgesetzt werden. Diese Briefe, meist von italienischen und galizischen Gelehrten herrührend und von einem der Letzteren, Herrn S. L. Gold enberg, herausgegeben, beschäftigen sich hauptsächlich mit der Beschreibung und Beleuchtung, zum Theil auch Bekanntmachung, handschriftlicher Werke berühmter Juden* Daneben finden sich auch freimüthige Betrachtungen über schwierige Stellen in den Büchern der heiligen Schrift, überden Geist und die Gestaltung des Talmud z dann und wann Berichte über den heutigen Zustand des Studienweftns in Italien und Vorschläge zur Verbesserung desselben, höchst selten aber ein Rückblick auf die heutige bürgerliche Stellung der Juden. Das erste Heft erschien 1833, nur 143 S. 8. stark; das zweite 1836, schon 20] S. stark; beide bei Schmid ür Wien. Das dritte, 236 S., erschien bei Landau in Prag 1838; das vierte ebend. 1839, 294 S. Aus der Vermehrung der Seitenzahl ergiedt sich der Schluß auf eine Vermehrung der Theilnahme von Seiten der Briefsteller, wind an der fortschreitenden Abkürzung des Zeitraums zwischen der Erscheinung der einzelnen Hefte laßt sich eine größere Theilnahme der Leser erkennen. Daß letztere gerecht ist, mag die obige kurze Inhalts-Angabe schon beweisen. Von den gewöhnlichen Mystisicationen und Plagiaten der neueren Journalistik ist hier kein Schatten. Der Ton der Briefe ist liebenswürdig, tolerant, die Sprache kunstvoll, oft elegant, leicht für jeden Hebräischkundigen verständlich, und, was die Hauptsache ist, der Inhalt gibt der neu - hebräischen Literatur auf vielen Seiten eine neue Gestalt und kann gewiß nicht lange mehr der Aufmerksamkeit der biblischen Philologen und Theologen fern bleiben. Vor allen Briefstellern glanzt durch gründliche Forschung, gediegene Gelehrsamkeit, einnehmende Sprache uwb Bescheidenheit der Professor am Collegium Habbinicum zu Padua, Herr S, D. Luzzatto, hervor. Dieser gelehrte Rabbine ist auch in Deutschland bei den Orientalisten wegen seiner in italienischer Sprache geschriebenen philologischen und exegetischen Werke berühmt; in der vorliegenden Sammlung aber, besonders im letzten Hefte, hat man seiner Thatigkett die meisten Xü)b'£, 02Y0 ToXprj, ToZpijQla, toX^cc, dessen Gebrauch hinlänglich beweisen. Auch im Arabischen erscheint dieses Verbum und zwar m der Doppelgestalt D^und ob'O, daher t üli m, ungerecht, t u!m, Tyrannei, und"ta lfm" ift bis arabische Übertragung des Hebräischen DErtfi/ Daß diese Wurzel semitisch ist, wird wohl Niemand bezweifeln, der sie durch das Hebräische, Aramäische und Arabische verfolgt, m\b die Ähnlichkeit der griechischen Wurzel in xoXfiäv beruht auf die tiefere Verwandtschaft der semitischen und indogermanischen Sprachen." *) Dieser Aufsatz wurde schon den 9. Septbr. 1839 in dem Magazin für die Literatur des Auslandes mitgetheilt, woraus er. da fein Inhalt der Tendenz des Orients entspracht, der groft fern Verbreitung wegen entnommen Ist.