Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1840)
- Article
- Paris: neue Organisation des Cultus
- Date
- 1840-03-07
- Page
- 75 (sequence 2)
- Language
- German
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75 und wird vom Präfekt, jedoch nurmittelst Vorzeigung des Unheils, ausgesprochen. 35) Stirbt ein Mitglied des Dep.-C., oder scheidet aus, so hat das resp. Dep.- C. solches an das C. C. zu berichten; dies berichtet an den Minister, welcher den betreffenden Präfekten davon in Kermtniß setzt, und die Stelle wird binnen drei Monaten besetzt. 36) Stirbt ein weltl. Mitglied des C. C., oder scheidet aus, so berichtet dieses unmittelbar an den Minister, welcher durch den Präfekten die Notabeln des Bezirks berufen läßt, dessen Vertreter der Ausgeschiedene war, um einen andern zu wählen. Dies muß binnen 2 Monaten geschehen sein. Zweite Abtheilung. Religiöse Anordnung. I. Diener des israelitischen Culrus. 37) Die Geistliche Gewalt der Cultusdiener wird nach folgender Weise bestimmt: Großrabbiner, Mitglied des Centtal-Consistorium, sieben Consistorialrabbinen, Glieder der Provinzialconsistorien, die Rabbinen, Untercabbinen und dienstthuende Diener. (Forts, folgt.) Deutschland. 3. Marz. Schon oft habe ich in meinen Berichten den Lesern das beschämende Geständniß abgelegt, daß die reale Formentwickelung hier, oder die historisch-politische Seite des Judenthums, an fortschreitenden Momenten viel zu wenig darbietet, als daß ein Correspondent sein Amt mit Gewiffenhaftigkeit auszufüllen im Stande sei. Diese Erscheinung ist aber nicht blos bei den Juden in Oesterreich, sondern auch bei den Juden aller Länder wahrzunehmen, es sei denn, man wolle jene Heldenkämpfe um Misch e-Be rach und Mizwot- Auctionen als Ereignisse ansehen. Die Entwickelung unsers geistigen Lebens.birgt eigentlich in sich den Mittelpunkt unserer Geschichte, die Literatur ist die einzige Trägerin unserer Geschichte, alles übrige ist nur Accidenz. Was sagen uns die Nachrichten über Gemeinden, wo alles geistige Leben und jede Regung der Literatur schlummert? Nichts, als daß dort und dort Ruinen deß jüdischen Volkes vorhanden seien, wie man etwa von den Gräbern in Egypten berichtet, und zwar Ruinen, die vielleicht viel weniger der Beschauung würdig sind, als jene räthselhnften Gräber. Nur die Umsicht und die Hoffnung, daß jene stummen Ruinen wieder Leben gewinnen könnten und werden, da abgerissene todtgeglaubre Glieder des Judenthums schon oft wie abgerissene Glieder der Polypen zu eigenem Leben erstanden sind, nur dieses kann die Erwähnung derselben entschuldigen. Der „Orient" hat die historische Wichtigkeit des geistigen, literarischen Lebens erkannt; dieses Leben sucht er in seiner ganzen Breite und Tieft, wie. kein anderes Blatt, organisch zu gestalten und weiter fortzubilden, und in anschaulichen Gestalten und Charakteristiken den Lesern vorzusührm. In dem Kreise dieser Gestalten möge Oesterreich nicht fthlen, Oesterreich, wo das jüdisch-literarische Lehen nach dem Hinscheiden der Meassim und der Jünger Wessely's und Mendelssohn's allein zur Wahrheit geworden, und ich will es versuchen, hier eine Ueberschau der hebräischen Literatur unseres Vaterlandes als Beisteuer dem Oriente des Occidents zu liefern. — Unter den vielen schönen ausgezeichneten und großen Erscheinungen, die wir im Bereiche der Wissenschaft und Kunst, als Glanzpunkte geistigen Ausstrebens, im österreichischen Kaiserthume austauchen sehen, dürste auch die altehrwürdige hebräische Literatur, ihrer mannigfachen, werthvollen und gehaltreichen Leistungen halber, ihren Schwestern nicht nachstehen und einen ehrenvollen Rang einnehmen und behaupten. Auch sie hat unter der Aegide des österreichischen Doppeladlers hier, wie nirgends, eines gedeihlichen glücklichen Entfaltens, eines geistigen Aufblühens und einer füllereichm Produktivität sich zu erfreuen. Hier war es, wo zuerst, seitdem die Harfe des Sängers der Mostide verstummte, und kalter Jndifferemismus Nacht und Nebel der Apathie, der Vernachlässigung und des , Dergessens herbeiführte, die ersten goldenen Frühlaute j und Morgengrüße geistigen Wiedererwachens und Auftrstehens und regsamer rüstiger Strebekrast uns wieder entgegen tönten. Hier war es, wo in den jüngsten und letzten drei Dezennien zuerst das Eis der Erstarrung brach, die Nebeldecke in thauigem Lichtgewölk sich auflösete, neues Feuer ihr geistiges Sein zu durchzucken begann und Exegese, Bibel- und Sprachstudium, Poesie und Prosa belebten die Zweige ihres wiedergrünenden, sich neubelaubenden Stammbaumes und stritten wetteifernd um den Vorrang. Indem wir hier die bedeutendsten Erscheinungen im Gebiete dieser Literatur, besonders im Kaiserthume Oesterreich, mit kurz gefaßten kritischen Bemerkungen vor den Augen des Lesers des Orients die Revue passiren lassen, erlauben wir uns einen allgemeinen Ueberblick über den Zustand, Standpunkt und Fortgang derselben in der Neuzeit voranzuschicken, bevor wir ihn in das innere Belvedere der Leistungen einführen. Nie hat eine Sprache so mit ihrem Volke sympathisirt, nie und nirgends ist sie so ganz der treue Spiegel seines Aufschwunges oder Niedersinkens, seiner glänzenden oder trüben äußern Verhältnisse gewesen, nirgends war eine wildere, und dennoch herzinnigere Ehe zwischen Volk und Sprache, als zwischen dem Volke und der Sprache der Hebräer. Nie hat eine Sprache bei dem Verfalle und der Zerstückelung ihres Volkes sich durch den Zeitraum von Jahrtausenden in ihrer jugendlichen Kraft erhalten, wie diese. Das Volk blühete, stand auf dem Höhepunkt seiner nationalen Verhältnisse und mit ihm blühete und prangte die Sprache auf dem Mittelpunkt ihrer Glorie; sie hüllte sich in das faltenreiche Purpurgewand ihres orientalischen Wohllautes und süße Töne kündeten den Frühling ihres Sanges. Die Nation verfiel, und Wehmuth und tieft Trauer prägten sich jn 10"