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Der Orient · 1840-02-29 · 9 (29.2.1840) · p. 137

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
9 (29.2.1840)
Article
Aus Alcharisis Tachkemoni
Date
1840-02-29
Page
137 (sequence 1)
Language
German
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138 Dr. Kr afft's Proben aus Tachkemoni. Die gemifchten Ehen. 137 Aus Alcharrsis Tachkemoni. Vierzehnte Makäme, so ein Gebet enthält, — köstlicher denn alles Geld der Welt. — ' He m an, ha - Esrachi sprach: Ich bin zur See nach Gaza gefahren, — wo ich an kam nach schweren Gefahren. — Als ich nun den Häusern der Stadt mich mähte, — und durchwandelte ihre Pfade, — sah ich ein Gebäude von Ferne, — voller Leute, wie die Grannate voller Kerne, — in deren Mitte ein Greis saß, — der seines Mundes Weisheit uns zumaß, — und Gedanken wie Eier aus dem Neste auflas; — seine Zuhörerschaft ihm zur Seite, — die verschiedenen Wissenschaften sich reihte. — Da hört' ich Einen aus der Schüler Mitte, — der zu ihm sich wandte mit dieser Bitte: — „Möchtt es doch unsecm Herrn gefallen, — daß er uns schaffe aus seinen Gedankenkorallen, -— und seiner Dichtung Krystallen ■— ein Gebet, — das als Schild und Wehr mit uns geht, —- das die Stieget des Himmels aufdreht, — und dringt bis zum Throne der Majestät!"— Er antwortete: „Eure Bitte soll Erhörung erlangen, —und Gewährung Euer Verlangen! — Und als er' nur wenig, um seine Gedanken zu erwecken, geruht, — rief er zum Felsen seiner Zunge, und es schäumte die Fluch: *) — „Hört denn, ihr Freunde meiner Rede! — hier ist die Krone meiner Gebete! —'Noch Keiner hachmit chm sich zu Gott gekehrt, — den der Höchste nicht sogleich erhört!" — „Ach Herr der Welt, — der Alles schuf und erhält > —du Quell der Geister, — und Weltbaumeistec! Ich nahe zu dir, der du der Einige, — und in deiner Einheit der Alleinige, — du wahres Gut, du ewige Wonne, — du Geistersonne, — Glanz für das Auge der Gedanken, — Herrlichkeit ohne Schranken, — Born jedes Bornes, -— Horn jedes Hornes, — Quell alles Lebens, —■ Ziel alles Strebens, — Urgrund der Wahrheit, —* und Brunn der Klarheit, — der alle Kreaturen aus sich gebiert, — und zu sich führt, — und alle Naturen ihren Ort erkürt. — Du Naher in deiner Höhe, — du Hoher, in deiner Nähe, — der sich selber nur sieht, — und jedem andern sich entzieht; — du Weiser, dessen Weisheit nicht von außen kam, — du Starker, der seine Macht nicht überkam, — du Lebendiger, dessen Leben, keinen Ursprung nahm! — Du Führer auf rechten Wegen, — du Leiter auf geraden Stegen, — der sich vor den -höchsten Geistern verhüllt, — doch dem Herzen erscheint, das Demüth füllt! ■— Du Gütiger, dessen Gabe keine Schuld, Barmherziger, der nur giebt aus Huld! —Allmächtiger, der schon vergiebt voll Liebesmacht, :— sobald sein Zorn erwacht! — .Die gemischten Ehen Die Ehe zwischen Juden und Christen ist nach dem Preuß. Allg. Landrecht erlaubt. (Fortsetzung) Uebrigens glaube man nicht, daß die Redaktoren des Landrechts die dem §. 36. von mir gegebene Auslegung nicht gekannt hatten. Aus Bornemanns systematischer Darstellung des Preuß. Civil-Rechts Bd. 5. S. 53 ergiebt sich, daß der ungedruckte Entwurf zum Landrecht allerdings die Ehe zwischen Christen und Juden strictissiruis verbis verbot. Demungeachtet wurde, gegen Suarez Ansicht, die heutige Fassung schon in den gedruckten Entwurf ausgenommen. Nachher entstanden neue Debatten darüber, die endlich beseitigt wurden, als Suarez selbst, seine Ansicht ändernd, sich für diese Fassung erklärt hatte. „Alles wohl erwogen, sagte er, halte ich es fürs 'Beste, den Paragraphen so zu lassen, wie er ist. Warum will man die Ehen zwischen Juden und Christen so schlechterdings verbieten? In den christlichen Ehe-Gesetzen ist nichts, dem sich eine Jüdin nicht unterwerfen könnte. Findet sie also in der Trauungs-Liturgie keinen Anstoß, so mag sie ein Christ immer heirathen. Erlaubte doch Paulus, daß Christen sich mit Heiden verheirathen durften." Mach diesem Votum blieb es bei der jetzigen Fassung der.Gesetzstelle. Bor ne mann meint zwar, ein Jude könne sich dem Trauungs-Akt mit gutem Gewissen nicht unterwerfen, weil Aeußerungen darin vorkämen, die dm Grundsätzen seiner .Religion zuwider wärm. Ich bestreite, daß solche Aeußerungen nöthig sind. Luthers Katechismus empfiehlt die Kürze: Hans willt du Greten han? und Grete willt du Hänfen han? Die Bejahung dieser Fragen und die Wechselung der Ringe in Gegenwart von Zeugen sind rituelldas Wesentliche dabei, und das Ritual der Juden stimmt damit überein, wenn auch die Erklärung der Verlobten seitens des Bräutigams mit anderen Worten, Seitens der Braut blos symbolisch, durch Annahme des Ringes geschieht. Für die Jüdin insbesondere ist also im christlichen Trauungs-Akt gar nichts Abweichendes, oder gar Gewissenbeschwerendes und Anstößiges. Andererseits beweisen die Jüdinnen in Frankreich, indem sie sich mit dem Civil-Akt begnügen, daß sie zu ihrer Ehe des Trauhimmels und besonderer Ceremonim nicht bedürfen. Uebrigens wissen auch die Juden ihre Ritual-Gesetze von den eigentlichen Religions-Vorschriften wohl zu unterscheiden, und ihre Meinung über den Werth der ersteren ist sehr ungleich. Um so wehr kann es, besonders in einem Staate, in welchem kern Gewissenszwang geduldet wird, dem Juden anheim gestellt bleiben, ob er in dem christlichen Trau-Ak( Anstoß findet. Wird aber ein christlicher Geistlicher Aufgebot und *) 4 Mos. 20, 8. (Fortsetzung folgt.)

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