Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 9 (29.2.1840)
- Article
- Leipzig : Luzzattos Mittheilung in dem Serapeum [Nachricht]
- Date
- 1840-02-29
- Page
- 72 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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72 31Usorae. Es wird noch ein Heft folgen. — Eine Monographie über die Juden in Sachsen, von ihrer frühesten Niederlassungen an wird in Kurzem ausgegeben werden. Auch wird hier nächstens eine Liederfammlung D'Oj'I von M. Stern erscheinen. Leipzig. Unter die erfreulichsten hier auftauchenden Erscheinungen der Literatur gehört das rapeum. Zeitschrift bei B ib lio th e ken wi sse n sch aft, Handschristenkunde und altere Literatur. Im Vereine mit Bibliothekaren und Literaturfreunden herausgegeben von Dr. Robert Naumann." (Leipzig, bei T. O. Weigel. Dem Redacteur verdanken wir bereits das bald zu Ende geführte Unternehmen des Calaiogus hihrorum Manuscriplonm der Rathsbibliothek. So wie in diesem Catalog den Schätzen der alt- und neuhebräischen Literatur ein gleiches Interesse, als denen der occidentalischen und übrigen orientalischen gewidmet ist, so soll auch das Serapeum die orientalische Literatur, namentlich die hebräische, ins Auge fassen und ihre auf Bibliotheken des In- und Auslandes verborgenen Denkmale ans Licht ziehen. Demgemäß sind bereits die befähigtsten Kenner der jüdischen Literatur zur Mitarbeit eingeladen, und schon die zweite Nummer des Serapeum (31. Jan. 1840) bietet uns den Anfang einer Beschreibung der „Privatbibliothek des Herrn Samuel David Luzzatto, Prof, am Collegium rabb. zu Padua," von ihm selbst in französischer Sprache abgefaßt. Das erste hier beschriebene Manuscript enthält die Poesien Jakob Francese's (^DjfcOD), zum Th eil ein Autograph. . Dieser hebräische Dichter, von Familie, vielleicht auch von Geburt ein Afrikaner, lebre gegen 1650 zu Mantua. Er veröffentlichte nur einige Epith al ami e n und Epikedien in fliegenden Blättern, die sämmtlich in dem handschriftlichen Diwün der Bibliothek Luzzatro's erhalten sind. Nur eine einzige Piece gegen die Kabbalisten, welche die Rabbinen von Mantua (s. HjIDK f. 31.) verfolgt und nach dem Drucke fast vernichtet haben, wurde am Ende von 'D^iy fÜTO Vened. 1704. mit dem Comw. Sanson Morpucgo's, der sich jedoch nicht genannt, wiederabgedruckt. Unter seinen Hochzeitgedichten ist eins für seinen Schwager Isaak Lombroso, dem zu gleicher Zeit RabbiIakob Levi, Mose Zacuto und der als hebräischer und italienischer Dichter bekannte Jom Tob V a 1 v a son Epithalamien widmeten. Seine drei gedruckten Ktaggesange sind auf den Tod Juda Arje. da Modena (1648), Schemata da Medina (1650) und Menachem Cafes, Rabbinen von Ferrara. Außer der Pwce gegen die Kabbalisten, den 3 Epithalamien und 3 Klaggesängen, die sämmtlich gedruckt sind, enthält der beschriebene Diwän ungefähr 170 noch ungedruckte Poesien, 130 in Reinschrift, die übrigen im Autograph des Verfassers, zum Theil in flüchtiger italienisch - afrikanischer Cursivschrift, mit portugiesischer Inhaltsangabe am Ende, oft bloße Skizzen (abozzo). Unter den Autographen finden sich mehrere gegen den Pseudomesstas S a b a t a i I e b i (1666) gerichtete Gedichte; die Argumente sind in einer eigenen Geheimschrift dazugeschrieben, die Luzzatto entziffert hat. Eins hat die Beischrift: „An Sabatai Zebi, als er gefangen genommen war und von da auf mich schimpfte;" ein anderes: „Auf einen Tumult der sich gegen mich erhob, wegen der vermeinten Ankunft des Messias (rnrp'^ft) , die ich ableugnete. " Diese auf den Pftudomessias bezüglichen Stücke hat Emmanuel France se, der Bruder unseres Dichters, in sei:-, neu PHD ’QSS {Cod. Ross. 1331) ausgenommen. Jakob Francese zeigt das glücklichste Talent in der Satire, für die er einen äußerst beißenden Witz hat. Uebrigens gehört er, obgleich aus Africa stammend, doch in Italien lebend, sowohl in dem Geschmacke seines Styls, als in den Metren, die er anwendet, der alten spanischen und modernen italienischen Schule an; und wenn er auch, verglichen mit den altspanischen Dichtern, weit zurücksteht, so würde er doch bei der Fruchtbarkeit und Spontaneität der Gedanken, bei der Leichtigkeit und Zwanglosigkeit seiner Versisication, der Durchsichtigkeit seines Styls, der frei von Wortspielen und Ungenauigkeiten des Ausdruckes ist, der erste Dichter unter den Italienern sein, wenn seine Dittion nicht oft zu nachlässig und der Inhalt seiner Gedichte gemein, scurril imb* unanständig wäre. Unter den von Luzzatto hecvorgehobenen Gedichten des Diwan ist Nr. 77 ein Nachruf dem Mose Zakuto, den er seinen großen Freund nennt (obgleich dieser in srinec Geistesrichtung total von ihm verschieden war), und Nr. 122 ein Epigramm an Sanson Morpurgo (geb. 1681), indem er ihn ermuthigt, sich durch die Verfolgung böswilliger Menschen nicht Niederschlagen zu lassen. Dieses Epigramm ist nothwendigerweise nach 17OO geschrieben. Derselbe Morpurgo in dem 1704 erschienenen DSHD yV ertheilt unserem Dichter große Lobsprüche, ohne sich solcher Ausdrücke zu bedienen, dje auf einen bereits Verstorbenen deuteten. Jacob Francese muß also ein hohes Alter erreicht haben, da er schon 1648 Gedichte drucken ließ. — Dieser Auszug aus dem weit reichhaltigeren Aufsatze Luzzatto's mag hinreichen, um Freunde jüdischer Literatur auf das unter den besten Auspicien eröffnete Ssrapeum hinzuweisen. Wir werden das auf jüdische Literatur bezügliche hier immer erwähnen. Druck von I. H. Nagel. Verlag von C. L. Fritz,fche