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Der Orient · 1840-02-29 · Heft 9 (29.2.1840) · p. 68

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 9 (29.2.1840)
Article
Wien : die erste Cursprüfung dieses Jahres [Nachricht]
Date
1840-02-29
Page
68 (sequence 2)
Language
German
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68 unerschöpfliche/ mächtige und begeisternde Rednergabe/ wodurch er das Wort Gottes/ der Religion, Sitte, Moral und Bürgerpflicht auf dem goldenen Präsentirteller seltener und ergreifender Rethonk seinem zahlreichen Auditorium bietet, seine Gemeinde sich geschaffen, geformt und gebildet, ihre Herzen veredelt und ihre Gottesfurcht geläutert, .und eine kommende Generation, die bald an die Reihe treten wird, wird nur in ihm ihren Former, Bildner und.Water dankbar anerkennen und verehren.— Wir sprachennur von Wien. — Uebrigens müssen auch die dem Handwerke.obliegenden israelitischen Knaben, am Sonntage und sonstigen Feiertagen die Religionsschule besuchen, wo der wackere Herr-ftMreuer sie aber auch im Deutschlesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Auch diesen-werden ihre Lehr- und Freibriefe gesetzlich von den Meistern, vorenthalten, so sie sich mit Zeugnissen aus. der Religionsschule nicht ausweisen können. Die Zahl der Schüler verschiedener Klassen belauft sich gegenwärtig auf 150. Ein anderes Mal mehr. Berlin, 20. Febr. Es ist hier wieder ein Streit ausgebrochen, den man schon zu den ausgekampften zahlte, und zwar über, die Tracht des Borbeters! Wie man nämlichhört, soll von oben herab, veranlaßt durch die Geistlichkeitder herrschenden Kirche (?),. der Befehl unterwegs sein, daß der Vorbeter seine Amtstracht ablege und eine-andere oder, gar keine anziehe. „Mit Gerechtigkeit mögen sich bekleiden deine Priester, und deine Frommen jubeln (Ps. 132, 9)." Da ich aber weder Priester bin, noch mich, vielleicht, zu den Frommen zahlen barf, so will ich mir erlauben, einige Betrachtungen bei! dieser Gelegenheit anzustellen. Soll der Befehl, wie es verlautet, wirklich von der Behörde ausgehen, so ist-dagegen nichts zu sagen. Einer jeden Regierung steht das Recht zu, das Ornat ihrer Beamten nach Gutdünken zu bestimmen. Nur wäre dann zu wünschen, daß eine hochpreiöliche Regierung eine solche anerkennenswerthe Aufmerksamkeit auch allen Theilen, nicht nur der Spnagogalsondern auch der übrigen geistlichen 2lngelegenheiten schenkte; es würde dann fast nicht mehr sein, was der/Mische Preuße noch von seiner Regierung verlangen könnte; .und dankbarer würde dies anerkannt werden, als eine.-völlige Emancipation, worunter man doch gewöhnlich nur eine Zulassung zu allen Aemtern versteht. — Sollte aber jener Befehl dm Umtrieben jener sogenannten konservativem/ Parthei zuzuschreiben sein, so möchte man doch an diese die Frage zu richten sich versucht. fühlen, ob sie denn mit den andern Bestrebungen der Reformer so ganz fertig, ist, daß sie Zeit hat, über einen so geringfügigen - Gegenstand ein solches Geschrei zu erheben. .Kaum würde eine aufrichtige Antwort bejahend Ausfallen. -Stehen .doch diese l-etztern, wie es heißt, schon an den Marksteinen des Judenthums und des Deismus; wächst doch ihre Zahl mit jedem Tage; sehen doch die „frommen" Juden mit Bangen dem Auswachsen einer neuen Generation entgegen, die sich immer weiter von der Bahn des Rechten entfernt, wenn nicht unterdessen der Messias erscheint, wozu freilich einige.Anzeigen da sind, wie wir aus einem neuen Religionsbuche lernen. Und ist ein Ankampftn gegen eine solche unbedeutende, dem Kern der Religion ganz gleichgültige Anordnung, wirklich darauf, berechnet,. die Gemüther der Entfremdeten zu dem verkannten Guten zurückzusühren? Ich glaube nicht..— Aber etwas anderes glaube ttf);. daß sich nämlich eine Kleidung, wie sie der hiesige Borsänger tragt, mit den strengsten Satzungen des Ritualcodex verträgt; dieser verbietet W)2^12 , Gewänder von Fremden, Ausländern. Wer ist nun hier in Berlin der Fremde./ Die (christlichen) Preußen wohl nicht; also wir? Aber sind wir nicht Preußen? Oder würde sich wohl einer jener Orthodoxen in einer andern Angelegenheit (in einem p"l z. B.) das mindeste von seinen Rechten als preußischer Staatsbürger nehmen lassen? Gott sei Dank, daß jene Zeit vorüber ist, wo die Staaten uns als (Fremde) betrachteten, und wir/also nach logischen Grundsätzen sie im Gegensatz zu uns auch Fremde nannten. Eine solche. Zeit war es, die dem Talmud sowohl als dem Schulchan Aruch so bittere Worte in den Murrd legte. Und daß diese. Zeit nicht mehr ist, erkennt jeder der Conservativen eben so gut an. Sind doch im Jore Dea, so gut wie in Zef. 1, 8 (der, wohlgemerkt, von keinem besondecn Stande spricht, vgl. Jes. % 6.) nicht bloß den Vorsängern, sondern 'Allen „Kleider von Fremden" verboten? Und doch gehen die frommsten Berliner Juden im äußeren Anzuge nicht im mindesten von den Christen unterschieden. Warum also hierüber ein solcher Zank? Warum entfremdet man die schon zurückgewichenen noch mehr? Warum verdirbt man sich selbst durch solche Klatschereienj) die gute Meinung, die eine wohlwollende Regierung fast wider unfern Willen von uns hegt? — Bevirrr, 16. Febr. (Forts.) Hiernach nahm in den ersten sechs Jahren, dieses Zeitraums diese außerordentliche Vermehrung der Anzahl der Juden stufenweise ab, wie die Aufmerksamkeit der-Behörden auf die Richtigkeit der Zählungen, und auf Einwanderungen ohns Erlaubniß wuchs. In die folgenden sechs Jahre fallen die Unruhen in dem russischen Polen mit ihren nächsten Folgen; und es scheint' nicht zweifelhaft, daß diese in mehrfachen -Beziehungen Anlaß zur Vermehrung unbei) Man sagt, ein Frommer habe sich - bei der Behörde beklagt, .kerne Andacht haben za können, wenn er den Vorsänger im Ornat sähe. O der feurigen Andacht, deren Faden zerreißt, wenn statt des tuchenen ein sammtner Rock gesehen wird! „Wenn ihr kommet, vor meinem "Angesicht zu erscheinen', wer verlangt dies von euch? meine Vorhöfe zu betreten" (Jes. 1, 12).

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