Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 8 (22.2.1840)
- Article
- Replik
- Date
- 1840-02-22
- Page
- 127 (sequence 2)
- Language
- German
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m Replik gegen S. D. Luzzatto von Sal. Rosenthal aus Pesth. 128 schnitt 2. Capitel 22.)'„was Aristoteles von den-Gegenständen, welche in der sublunarischen Welt existiren, behauptet , ist ohne Zweifel der Wahrheit gemäß, was aber seine Urtheile in der intellektuellen Welt betrifft, sind blos vorgefaßte Conjecturen, : welche sich durch Nichts bestätigen, und zu wenig festen Grund haben, um sie als Norm annehmen zu dürfen." In Betreff der Ewigkeit der Welt weicht Maim. ganz ab, er sagt im More Eapitel 13: „es existiren 2 Meinungen über die Ewigkeit und Erschaffung der Welt, die erste ist die der strenggläubigen Israeliten, welche fest am Gesetz Mose hangen und fest überzeugt sind, daß Gott die Welt aus Nichts erschaffen hat. Die zweite Meinung ist die des Aristoteles und seiner Anhänger", die aber Maiw.onides widerlegt und verwirft. In Abschnitt 2, Capilel 25 (More) sagt Maimonides: „Die Darstellung von der Ewigkeit der Welt, wie sie Aristoteles machte — als nothwendige Folge, ohne alle Verwandlung, ohne alle Wunder — ist höchst verwerflich und verabscheuungswürdig, indem selbe gegen das Gesetz ist, und den Menschen seinen süßesten Trost — die Hoffnung aus jenseitiger Belohnung und Straft — raubt. Noch deutlicher spricht er sich im More Eapitel 28 aus, er sagt: „Viele von den Anhängern der heiligen Schrift wollen behaupten, daß König Salomon an die Ewigkeit der Welt glaubte, es ist wunderbar, wie man einem Manne wie Salomon, der treu an dem Gesetze hing, eine solche ruchlose Ketzerei aufbürden kann, behüte der Himmel solche sträfliche Gedanken nur zu hegen." Aus diesen Belegen ist genugsam erwiesen, daß Maimonides kein blinder Nachbeter des Aristoteles war, daß er nur das Gute und Nützliche ans dessen Lehren annahm, bas Schädliche aber mit unserer heiligen Religion nicht vereinbare, gänzlich verwarft Ferner sagt Hr. Luzzatto gegen Maiw.onides: „Durch gewaltsame Interpretation der Schrift und des Talmuds, durch Erhebung der philosophischen Speeulation zur religiösen Wichtigkeit während die Religion nur practische Tugend ist, und erblicher (?) und empirischer Glaube, daher sie sich auch gleich und beständig bleibt, keineswegs eine wandelbare und ungleiche Ueberzeugung kurz durch Eintragung des fremden Geistes sich selbst getäuscht und irre geführt hat; sogar da, wo er das Judenthum erläutern und reinigen und den wahren Geist darstellen will — wie man von solchem ausgezeichneten Genius wohl erwarten dürfte, sobald die arabischen Lehrer ihn nicht stören — hat er häufig ihn entstellt und unkennbar gemacht. Das hat denn aus der einen Seite Unglauben, und aus der andern als nothwendige Reaction — Fanatismus erzeugt, und heute ist er die Aegide aller Freunde des Exotischen. Die heutigen Afterphilosophen machen es wie Maimonides zu seiner Zeit, sie tragen den Geist der Zeit ins Iudenthum hinein, und wie viel dieses dabei gewonnen hat, wissen Sie sehr wohl. Maimonides-ist das Idol und der Schutzgott des Rationalisten, und so wird auch die Religion sich so weit erhoben, als hier Anbeter sich finden." .Es ist sehr schmerzlich zu sehen, wie ein Wann, mit solchen Kenntnissen wie Hr. Luzzatto, dergleichen vage aus der Lust gegriffene Beschuldigungen gegen Maimonides aufbringen kann, ohne nur ein einziges Beispiel anzuführen, wo Maimonides die Schrift oder den Talmud gewaltsam interpretirte, oder seine Meinung aufgedrungen hat; wo findet sich nur eine einzige Stelle, die man auf die kleinste Abweichung von der Religion hmdeuten könnte? Daß er die Religion von Auswüchsen, die zur Irrclkgion führen, reinigen und läutern wollte, war pflichtmäßig gehandelt, und ist die Pflicht eines jeden rechtlichgesinnten Orthodoxen Philosophen. Wo findet sich, daß er die geringste Tendenz der arabischen Herkönunlinge ins Iudenthum einverleiben und übertragen wollte? Alles was,er niederschrieb, hat er früher genau untersucht und geprüft, und mit Argumente belegt. Es ist sehr traurig, wenn man sieht, wie kein Anstand genommen wird, einen Mann wie Maimonides — der keine Mühe sparte, alle anthropomorphistischen Stellen in der heiligen Schrift zu beleuchten und zu erläutern, alle Wunder — wo sie wirklich Wunder sind — glaubt, und Offenbarung, Unsterblichkeit, Belohnung und Straft beherzigt — einen strengen Rationalisten nennen kann (siehe Kritik der Schleiermacherschen Glaubenslehre, von Karl Rosenkranz, und Kampf aus dem Glauben v. L. Pelt). Daß er den philosophischen Speculationsgeist zur religiösen Wichtigkeit erheben wollte, hat nicht nur er allein gcthan, sondern auch der gelehrte Bechaji sagt und beweist dasselbe in seinem Buche von den Pflichten aus der heiligen Schrift; es Heist dort in der Vorrede Seite 7. „Der gelehrte Denker ist verbunden, durch fleißiges Forschen und tiefes Ergründen, argumentircn zu können, die Ewigkeit Gottes, die Welterschaffung, Belohnung und Strafe u. ft w." Eben so hat König David seinem Sohn anbefoblen liiTDjn IM AK JPk In allen Lehrsätzen des Maimonides findet sich nichts nachtheiliges für die praktische Religion, weder in der moralischen vielweniger in der positiven; wer hat noch wie er das Sittliche so musterhaft vorgetragen und gelehrt und zum Ausüben angespornt? Daß er zu seiner Zeit mit gelehrten Arabern Umgang hatte, — um ihre verschiedenen Secten und deren Meinungen zu prüfen, um so manches zu wiederlegen — kann ihm doch wohl nicht zum Vorwurf gemacht werden. Selbst seine auf Gründe gestützten Glaubensdogmen hat er blos darum ausgestellt, weil damals unsere heilige Religion in Verfall und Sinken war, aber Niemandem hat er sie aufgedrungen, nie wollte er als Reformator erscheinen, nur blos das alte gründlich renoviren und läutern, sowohl kn theologischen als talmudischen Gegenständen, und hat er auch vielleicht zuweilen gefehlt, so ist es ihm doch als Mensch dersso Unendliches geleistet verzeihlich. Nicht so verfahren die N e o l o g e n unserer Zeit; Hr. Dr. Creizenach sucht in seinem Buch Chisuk Hatora (in Betreff des *D*| rra ft 127.) dem Rambam — durch eine eigenmächtige Auslegung und falsche Ansicht — einen Sinn unterzuschieben, den auch der wenig gelehrte Talmudist für unstatthaft erklären muß. 2(m schmerzlichsten aber ist, daß Hr. Luzzatto unsere Neologen und Asterphilosophen —- deren Tendenz blos dahin geht, sich der Last der positiven Religion zu entledigen und ihre .Bürde abzuwerscn, — dein frommen Maimonides an die Seite stellt. Geehrter Hr. Luzzatto! Die gütige Vorsehung hat uns Menschen mit Vernunft begabt und ausgestattet, damit wir in den .Wissenschaften forschen-und sie ergründen können; sie ist unser herrlichstes Kleinod und schönste Zierde, wenn wir den gehörigen Gebrauch von ihr machen, aber auch die Vernunft hatihre Grenze, überschreitet man diese hört sie auf Vernunft zu sein; da artet sie aus in Vernünftelei; wir müssen wissen, ihr Schranken zu setzen und zur rechten Zeit den Vorhang fallen zu lassen. Salomon Rosenthal, aus Pesch. Verlag von C. L. Fcitzsche» Druck von I. H. Nagel,