Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1840)
- Article
- Berlin: die Herausgabe des Kusari
- Date
- 1840-02-15
- Page
- 55 (sequence 2)
- Language
- German
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— 55 die weiteste und größte Breite der Religion und des Lebens Israels- und stellt in einem großen Rahmen das Bild einer wissenschaftlichen Theologie des Judenthums hin, so daß bevweise Mendelssohn mit Recht sagen konnte „der Kusari sei der-beste und wahrste Katechismus der mosaischen Religion.". In dem, auf geschichtlichem Boden beruhendem Eingänge des Buches, wird uns ein heidnischer König vorgesührt, der sich berufen und ausgefordert fühlt, eine Prüfung der drei monotheistischen Religionenvorzunehmen,, um sich zu der besten derselben zu bekennen. Bald auf das Judenthum hingelenkt, vertieft er sich mit einem israelitischen Meister in ein Gespräch, das in musterhaftem, sich oft bis zum dichterischem Schwünge erhebenden Style alle Interessen der Religion bespricht, jede Lichtseite hervorzuheben und vom gehörigen Gesichtspunkte aus zu zeigen weiß, aber auch keine Schattenseite bedeckt, sondern sie zerlegt, und ihre Gründe und ihre Notwendigkeit angiebt. Nachdem nun im erste?. Theile in Tradition und Geschichte das Fundament gezeigt worden ist, welches allem das uralte Gebäude des Judenthums zu tragen und zu erhalten vermochte, werden im zweiten Theile die Hohen des praktisch-religiösen Lebens auf astronomischer, geographischer und grammatischer Wissenschaftlichkeit errichtet; es wird gezeigt, was Erwählung, was „heiliges Land" sei, und in wttcher Beziehung wir zu demselben stehen. Es folgt hierauf im dritten Theile die Darlegung der innern, religiösen Pflichten; das Berhältniß zu den andern Religionen wird richtig aufgefaßt vor das Auge gebracht, die Sekte der Karaiten auf eine edle, rein wissenschaftliche Weise bekämpft, die Richtigkeit der Tradition historisch nachgewiesen. Der vierte Theil beschäftigt sich mit den Benennungen Gottes, die in der heiligen Schrift Vorkommen; er erhebt sich zu einer tief eindringenden Betrachtung des göttlichen Wesens, giebt uns über die Kabbala und ihre Anwendung und Gebrauch Belehrung, und zieht aus dem Vorhergehenden den Schluß, daß eine einfache, vom Herzen kommende Verehrung Gottes, die wahre, ihm willkommenste sei. -Der fünfte Theil bespricht den Einfluß der Philosophie im Allgemeinen und der damaligen philosophischen Lehre besonders auf die Religion, und stellt in kurzen, scharfen, sichern Strichen ein Gebäude der Religionsphilofophie auf, dessen sich auch ein aufgeklärteres als das 12. Jahrhundert nicht zu schämen hätte. Um dieses schätzbare Werk, das bekanntlich noch keine deutsche Bearbeitung erfahren hat, auf eine seines Inhalts würdige Weise auszustatten, wird die zu veranstaltende Ausgabe enthalten: a) einen durchaus korrekten Text mit den Varianten aller, bis jetzt erschienenen Ausgaben; b) eine getreue deutsche Übersetzung; c) einen philosophisch-theologischen Kommentar, an den sich philologische Bemerkungen überdas Neuhebräische, Vergleichungen mit andern jüdischen Autoren, Sacherklärungen u.s.w. anschließen; eine ausführliche historisch-kritische Einleitung über Verfasser, Zeitalter, Tendenz, Ueberfetzer, Kommentare:c." Es wäre den Herausgebern zu rachen, sich an dir Subskribenttnzahl nicht zu kehren; dergleichen Bücher, da sie einmal nicht für die Masse sind und sein sollen, müssen dem Verkehre des Buchhandels überlassen bleiben. Männchen, 23. Jan. (Schluß.) Die Gemeinden in Baiern, wie anderswo, tragen eine große fast gar nicht gutzumachende Schuld, wenn ihre Verhältnisse und Zustande sich immer mehr trüben. Der anarchische Zustand des Rabbin'enwesens in Würzburg seit anderthalb Jahren, nachdem der Rabbine sein Amt niedergelegt, die Lauheit und sündhafte Nachlässigkeit der Gemeinde, diese, so wie ähnliche Stellen, zu besetzen, dis erst die Regierung mächtig eingreifen mußte, haben endlich den hohem Behörden die Ueberzeugung gegeben, daß die jüdlschbaierischen Gemeinden noch bevormundet werden müssen. Aber nicht blos in dm äußern Verhältnissen, in der Besetzung der Stetten, war eine Anarchie, sondern auch auf . dem Gebiete des synagogalen Waltens zeigte sich diese Entartung oder Unmündigkeit. /Jeder Rabbine, oft ohne Kenntniß des Judenthums und ohne Liebe zu demselben, entwarf für seine Gemeinde eine eigene Synagogenordnung, Jeder schasste ab nach Belieben und Willkür, wie z. B. das Rabbinat Burgpreppach, und die Candldaten der Rabbinate dachten oft eher an Reformen, als an ihre eigene wissenschaftliche Ausbildung. Was Wunder also, wenn die Regierung die ganze Organisation der Synagoge in sein Bereich gezogen und diesem Unwesen durch Verordnungen zu steuern strebte, wenn sie auch mit der angeordneten echt mosaischen Rechtgläubigkeit der Rabbinatskandidaten manchen Mißgriff wachte. Es wäre zu wünschen, daß nun die Gemeinden mit Einsicht und wahrer Religiosität über die jüdischreligiösen Interessen wachen, damit diese neue Verordnungen ihnen nicht zum Unsegen würde, und den Rabbinen ist tieferes Eingehen in die Wissenschaft des Judenthums zu wünschen, bevor sie Veränderungen und Reformen vorzunehmen gedenken. Dresden, 12. Febr. Ueber den abzuändemden mittelalterlichen Judeneid ist schon in öffentlichen Blättern so viel reserirt worden, daß es gewiß für den Orient nicht uninteressant sein durfte, das Erkenntniß des Apy.- Ger. zu Dresden vor ungefähr zwei Jahren, das so eben in der Zeitschrift für Rechtspflege und Verwaltung (3. Bd. 3. Heft) mitgerheitt ist, hier wieder zu finden. Dieses Erkenntniß lautet: „Bei allen summarischen, eine Ausnahme von der Regel des ordentlichen Processes bildenden. Proceßarten gilt als oberster Grundsatz, daß nicht nur dabei alle wesentlichen Bestandtheile des gerichtlichen Verfahrens sorgfältig vom Richter zu beobachten sind, sondern auch außerdem in Ansehung bloßer Förmlichkeiten in zweifel-