Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1840)
- Article
- Konstantinopel : die Abschaffung des Haradsch [Nachricht]
- Date
- 1840-02-15
- Page
- 51 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360101--0168-2361727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
51 richtet wurde. Verlor er den Zettel, und konnte also denselben auf Begehren nicht Nachweisen, so wußte er ein zweitesmal bezahlen. Die Art der Perception machte die an sich wenig drückende Abgabe zu einer lastenden. Sie wurde von dem Dzezziü Emini aus dem Finanzministerium jährlich provinzenweise verpachtet, und dem Pachter die Einbringung überlassen. Durch einen Ferman vom Jahre 1834 war die türkische Regierung schon bestrebt gewesen, der Habgier dieser Steuereinnehmer einen Zaum anzulegen, aber gegen die gänzliche Aufhebung stritt der Koran. Reschid Pascha erklärt nun heute, die Auslegung, die man seit dreizehn Jahrhunderten dem Koran gegeben, für eine falsche, und in einem Conseil, gehalten beim Scheik-el-Islam am 9., wurde die Aufhebung des Heradsch entschieden. Kein Raja wird fortan genöthigt sein, wie bis jetzt, den Zettel stets mit sich herumzutragen, und inmitten seiner Geschäfte jedem Türken über seine Nationalität Rechenschaft zu stehen. Da aber über dem Raja der Staat nicht vergessen werden darf, so bleibt die Abgabe vor der Hand noch, doch wird ihre Perception ausschließend den Gemeinden überlassen, und diese mögen sie unter sich vertheilen und hereinbringen, wie sie eben wollen. Es ergiebt sich aus dieser Maaßregei daher eine Erweiterung der Rechte der Municipalitaten der Rajas. (Augsb. A. Z.) Frankreich. Pttvis, 8. Febr. Herr Crühange hat vorigen Jahres, als Antwort auf die zarfatischen Briefe, unter dem Titel „La SentineUe juive” zwei Nummern herausgegeben, deren Ertrag dem jüdischen projectirten Hospital zufällt; Herr S. Cahen hat über den letzten zarfatischen Brief ein „Coup d'oeil“ crfd;einen lassen, dessen Ertrag der israelitischen Gesellschaft zur Unterstützung und zur Aufmunterung zufällt, aber immer noch ist Herr Zerfati rüstig und kräftig, und fahrt fort mit seiner Brandfackel die jüdisch-religiösen Zustände Frankreichs zu beleuchten. Der zwanzigste zarsatische Brief ist so eben den 23. Januar in den Cour vier de la Modelle erschienenz hören wir den Herrn Cachett (in seinem so eben erschienenen 'Archives), den dieser Brief auch mitberührt, wie er sich über dieses letzte Erzeugnis Iarfati's äußert: „Der Abfasser stellt VermuLhungen auf über die wahrscheinlichen Anfänge der Synagoge und der ersten Kirche. Er schreibt die Bildung dieser beiden Institute dem Geiste des Widerstandes gegen t>ie: priesterliche Kaste zu. Der Abfasser verspricht überdies weitläufige Entwickelungen, was wir abwarten, um besser seine Ideen zu würdigen. Am Schlüsse weist Hr. Zarfati zwei Jrrthümer nach, die mir in. meinem Coup d'oeil entwischt sind; dieselben, hier emgestanden, ändern nichtim mindesten den Hauptgegenstand der Unrerfuchüng. Ich bestehe darauf zu glauben, daß einen Beweis mit Ruhe ausgesprochen eine bessere Wirkung hervorbringt, als zehn Beweise mir Bitterkeit und Verdruß vorgetragen. Dieser Brief selbst kann mir als rechtfertigende Urkunde dienen; die vorhergehenden gehören der Vergangenheit. Es wäre zu wünschen, daß der Abfasser sich in den folgenden, mit der nämlichen Mäßigung ankündige." Dieser Ausspruch des Herrn Cahen darüber reicht hin, um auch dieses Produkt des Herrn Zarfati beurtheilen zu können. ■— Der Verfasser der Ciiants Sucres (2. Aug. Paris 1832), Herr Mollevaut, hat so eben in der Akademie der Inschriften und der schönen Wissenschaften einen Aufsatz über die dramatische Poesie der Hebräer vorgelesen, und indem er bei dieser Gelegenheit das Buch Job analysirte versuchte er die neue aber geistreiche Vermuthung aufzustellen, daß dieses Volk theatralische Vorstellungen hatte. — Der gelehrte Herr Franck, Professor der Philosophie an dem königlichen Collegium zu Versailles, hatin der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften mehrere Aufsätze über Kabbala/vorzüglich über Sohar und über das Buch Jezira, vorgelesen-. Alle diese Nachrichten hat auch Herr Cahen in dem ersten Hefte des besprochenen Archives mitgetheilt. Deutschland. Oesterreich, 12. Febr. Einige der vorzüglichsten ungedruckten Reden des Dr. Mannheimer, der Religionslehrer in Wien ist, übersetzt gegenwärtig Möir Letteris ins Hebräische, ganz nach Art und Weise, wie er früher die Reden David Friedländers im ersten Theit seiner Iefrra übersetzt hat.— Herr Mordechai Strelisker, durch einige literarische Arbeiten im Jahrbuche Bi kure Jttim bekannt, hat ein Sendschreiben an die Bewohner seiner Vaterstadt Brody erlassen, worin er zu einer Reform des dortigen Schulwesens ermahnt. Dieses Sendschreiben wird nächstens in Wien gedruckt werden, und wird den Titel Dibre Mescharim führen. — Joachim Günzburg, Zögling der Akademie der bildenden Künste in Wien, Sohn des vielbesprochenen jüdischen Literaten Beer Günzburg aus Brody, ist unlängst in Wim gestorben. Er hat sich früher durch seine hebräischen Dichtungen in der Zefira und in den Vikuce Jct'inv, später durch seine deutschen Erzählungen, Novellen und Poesien einen Namen erworben. Der Dichter des Colombo, der Dr. Ludwig Frankl, hat seinen ausführlichen Nekrolog in der Wiener Zeitschrift für Kunst und Literatur geschrieben. — Der Vater des bekannten MLir Lettens, der Greis G. Letteris, hat einen Com- : mentar über die rrpfi und die sogenannten Sodot des Jbn-Esra geschrieben, der sich der günstigsten Urtheile der Gelehrten erfreut. — Die philosophische Schule, zu der ' sich G. Letteris bekennt, ist eine Mischung der Maimu- 7*