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Der Orient · 1840-02-01 · 5 (1.2.1840) · p. 79

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
5 (1.2.1840)
Article
Die gemischten Ehen
Date
1840-02-01
Page
79 (sequence 2)
Language
German
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79 Die gemischten Ehen. Literarische Ankündigungen. 80 Im civilisirten Europa giebt es fast keine anderen Nichtchristen als Juden. Daher sind bei der Frage, wie weit nach heutiger Gesetzgebung Religions-Verschiedenheit Ehehinderniß ist, die Ehen zwischen Christen und Juden zunächst ins Auge zu fasten. Faßte man die Frage ausgedehnter, so würde ihre Beantwortung aus Mangel an Anwendbarkeit müßig. In Frankreich sind Ehen zwischen Juden und Christen erlaubt. In Belgien traute im Jahr 1834 ein Abbe Helson einen Christen mit einer Jüdin in der katholisch - resormirten Kirche und die Staats-Regierung ließ es geschehen; sie that nichts, diese Ehe wieder aufzulöscn. In Weimar gestattet sie ein Gesetz von 1823. In Mecklenburg war sie nach einem Gesetz von 1812 erlaubt, das aber wieder ausgehoben ist. (Fortsetzung folgt.) Literarische Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art, so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen Einen Groschen für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. £12.3 Bei C. L. Fritz sch e ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: IDO d n 1 i Streitschrift die Echtheit des Sohar u n d - öen Werth der Kabbala t> o n Leon Modenese. Nach einer Handschrift zum ersten Mal hecausgegeben von Julius lstürst. In 8. Preis 1 Thlr. Inhalt der 31 Kapitel: 1) Die Berketzerungssucht der Kabbalisten, namentlich gegen Maimuni und Abravaneli. — 2) Grundangabe des Verfassers über seine Ad wehrung des Kabbalastudimus bei dem Erlaubtsein anderer erotischen Wissenschaften. Beweise, daß das Erfassen der Kabbala weder vom Talmudftudium noch vom Judenthume abbängt. — 3) Der kabbalistische Bet - Iosef har weder den berühmten A r i noch den M. Co r d ov exo verstanden, obgleich er sich rühmt, einen himmlischen Vertrauten (Magiv) besepen zu haben, der ihm die Geheimnisse des Gesetzes verkündet hatte. — 4) Nachweis, daß die eigentlicke Kabbala (Überlieferung) nicht vorhanden sei, und daß sie weder Wissenschaft noch Chochmat ha-Emct genannt werden kann. — 5) Weder die Gegenstände der Kabbala noch der Zweck derselben ist ein wissenschaftlicher; ihre Beweisführung, indem sie dieselbe nur aus sich selbst herholt, ist unwissenschaftlich, am Wenigsten ist ihre allegorische Deutung des Gesetzes annehmbar. — 6) Die Bestimmungen : Azilot, Sefirot, Orot beruhen auf falsche Voraussetzungen, die metaphysischen Principien bringen in die Religionsphilosophie kein Licht, die vermeintliche höhere Erkenntniß der Kabbalisten ist blos die Frucht des mystischen Eigendünkels. — 1) Das Geheimm'ß der Gotteseinheit, der Weltleitung kann nur durch die Philosophie erforscht werden. Die Lehren von den mysteriösen Gottesnamen, von den Sefirot, sind heidnisch. — 8) Die Kabbalisten verdammen jede-Gesetzesübung, sobald sie' ohne Erforschung des Grundes geübt wird, aber mit Unrecht. Wir sollen zwar die Gründe der Gesetze erforschen,- aber das Nichtwissen der Gründe gibt noch keinen Dispens. — "9) Die Polemik des Nibasch gegen die vorgeblichen Mysterien der Jesilla. Das Anrufen der Sefirot bei den Kabbalisten ist ein Götzendienst. — 10) Die Sefirot sind den zehn Ausdrucksweisen in den Psalmen nachgebildet. Die kabbalistischen Zahlen- und Alfabetensysteme sind so unzuverlässig', daß man eben so gut das Entgegengesetzte daraus herleiten kann. — 11) Der Sohar gehört nicht zn den überlieferten Büchern, hat weder biblische, noch talmudische, noch geonaische Geltung, da man in der Praxis (Halacha) nie dem Sohar folgt. — 12) Die G e o n i m wußten nichts vom Sohar als Buch, sie verwarfen die Elemente der Kabbala und auch Maimuni sammt seinem Lehrer Alfa si wußten nichts vom Sohar. — 13) Der Glaube an Gilgul, ein wesentlicher Theil der Kabbala, wurde von den Geonim, von Josef Aldo, Biterasi, Salomo Aderet u. A. verworfen. — 14) Das System der Kabbala hat an sich keine Einheit; Cordov ero. Ricana (i, Josef Caro streiten unter einander über das System, und verketzern einander. — 13) Als überlieferte Wissenschaft sollte die Kabbala wie Tora Sehe b aal Pe nicht ausgeschrieben werden. Die Bücher Jezira, Wahir, Sohar, Tikunim sind aber nur wie andere Bücher. Die Kabbala ist blos ein mißverstandener Platonismus. — 16) Bei den Büchern Jezira, Sohar, Bahir hat man von Anfang an die Verfasser bezweifelt, bei allen hat man schon früh ihre spätere Entstehung behauptet. — 17) Die Entstehung des Sohar war plötzlich'! Rabbi Simeon Bcn Jochai kann den Sohar nicht verfaßt haben, wenn man Inhalt und Form, Bezüge und Grundsätze, namentlich wenn man die eigenen Aussprüche Ben-Joch ai's in den Talmuden vergleicht. — 18) Der Abfasser des Sohar hat den Talmud und die Halacha nicht verstanden. — 19) Ben - Iochai hat Am heil gehabt an derMischna, der Sohar aber widerspricht der Mischna. Die beiden Talmude, Sifra, Pesikta, Scheeltot, alle wissen nichts vom Sohar. — 20) Der Sohar tragt auch in Bezug auf exotische Wissenschaften Spuren der mittelalterlichen Mangelhaftigkeit. — 21) Die Lobeserhebungen und die im Sohar erzählten Wundergeschichten von Ben-Jochai beweisen, daß er nicht der Verfasser sei. — 22) Der Sohar wurde zu einer Zeit geschrieben, als die aramäische Sprache nur Sprache der Gelehrten und nicht der Idioten war, und das war gegen das Ende des Mittelalters. — 23) Die wahre Entstehungsgeschichte des Sohar, entnommen aus I uchasin der Konftantinopelsschen Ausgabe. Mose di Leon ist Verfasser. — 24) Die Beschwörungslehre ist nur ein Theil der Schwarzkünstlern. — 25) Die Wundermährchen von den Kabbalisten sind erlogen, bewiesen durch die Kabbalisten selbst. — 26) Die Kabbalisten waren oft moralisch schleckt und in der Wissenschaft bornirt. — 27) Die Kabbalisten trieben ein sündhaftes Spiel mit dem Heiligsten. — 28) Die Kabbalisten halten das Abirren vom Glauben durch die Kabbala für kein Vergehen. — 29) Oer Sohar hat durch seine Verbreitung, namentlich durch den Druck, Verführung und Unglauben verbreitet und oft namenlose Geistesversinsterung berbeigeführt. — 30) Die Kabbalisten haben den jüdischen Glauben' in Bezua auf die Gotteseinheit verlassen. — 31) Durch den Sohar stn'd viele Israeliten zur Mystik des Christenthums hingebracht worden, durch ihn ist die Sabbataer-Sekte entstanden, und Tausende dem Glauben Israels abwendig gemacht worden. Diese ausführliche Jnhaltsanzeige wird hinreichen, das Buch dem Publicum zu empfehlen; der treffliche Index und die Anmerkungen , die im Buche durch P e l o n i A l m o n i bezeichnet find, hat mit großem Fleiße Herr Salomon Rosenthal aus Pesth dazu angeftrtigt. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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