Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 5 (1.2.1840)
- Article
- Turcica
- Date
- 1840-02-01
- Page
- 77 (sequence 1)
- Language
- German
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77 Jüdisch - türkische Dichtungen und Bibelübersetzungen. Chaki. Pir Schami. 78 Tircica, Die Juden in der europäischen Türkei sprechen noch zum größten Theil die 1492 aus Spanien mitgebrachte spanische Sprache, und es ist eine merkwürdige Erscheinung, daß dieselbe, als Sprache der jüdischen Auswanderer, in dieser Losgerissenheit von ihrem Heimatslande fast ganz auf der Stufe, die sie im 15. Jahrhundert erreicht hatte, stehen geblieben ist, während sie in Spanien kmehrere Ausbildungsphasen durchlaufen hat. Die bei den Juden in Constantinopel gewöhnliche spanische Uebersetzung des alten Testaments reflektirt dieses alterrhümliche Spanisch, welches noch dazu von dem überwiegenden Einflüsse des Hebraismus beherrscht ist; es erscheint daher als ein löbliches und höchst dankeriswerthes Unternehmen, welches die Boston Society durch ihren Bevollmächtigen, den sieben Jahre in Constantinopel wohnhaften Hr. Schaufler auszuführen gedenkt, das alte Testament im Urtext mit gegenüberstehmder reinspanischer Uebersetzung zum Besten der Israeliten in Constcmtinopel drucken zu lassen. Daß die Juden in der Türkei sich auch die türkische Sprache zum Lebensbedarf ungeeignet haben, versteht sich von selbst. Bei der Unwissenheit in der hebräischen Sprache, die, mit Ausnahme der Vornehmeren, von den geistig verwahrloseten jüdischen Bewohnern der Türkei wenig cultivirt wird, mußte das Türkische, neben dem Spanischen, bald als Vehikel zum Verstandniß des heiligen Textes dienen, und sie ist dessen um ihrer von allen Kundigen belobten unbeschreiblichen Formenfülle und Schönheit besonders würdig. Bereits Anton Leger (st. 1719) berichtet, daß die Juden in Feodosia (14/5 von den Osmanen erobert, seit 1771 unter russischer Botmäßigkeit), dem sogenannten krim'- schen Stambul, das damals noch Besitzthum der Pforte war, eine türkische Uebersetzung des Alten Testaments in Gebrauch hätten. Andreas Müller, der berühmte Philolog, bezeugt, daß die in der Ärimm wohnhaften, Juden das Türkische verstünden. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß eine aus dem hebräischen Urtext gefertigte türkische Uebersetzung der Nebiim Rischonim, die sich handschriftlich in der Leydner Bibliothek befindet, einen Juden zum Verfasser hat (lFolf\ Bibi. Hehr. 11. S. 448 s.). Aus mündlicher Relation eines Reisenden kann ich hinzufügen, daß erst jüngst ein Karäer zu Constantinopel eine türkische Übersetzung des Pentateuch verfaßt hat; ein Theil desselben ist auch erschienen, die Vollendung des Druckes wurde aber durch den frühzeitigen Tod des Uebersetzers unterbrochen. Interessanter ist es vielleicht, daß die türkische Sprache auch ein Organ jüdischer Poesie geworden ist. Hammer -Purgstall nennt in seiner Geschichte der osmanischen Dichtkunst (Bd. 3. S. 305) auch einen gelehrten Juden aus Constantinopel Chaki (d. i. der sich bis zum Staube Erniedrigende), mit seinem jüdischen Nomen Iah ja (&PVP) genannt, der wegen seiner Erfahrenheit in allen Wissenschaften gerühmt wird und der sich nie bewegen ließ, zum Islam überzutreten. Als Probe seiner türkischen Dichtungen führt er aus Rifa folgende zwei Distichen an: Der Becher nimmt den Glanz von Angesicht, Der Thränen Perle nimmt von Sonnen Licht; O Schach, die Stadt, die der Genuß erbaut, Wird durch die Trennung bald zerstört geschaut. Die Mittheilung einer andern Probe jüdisch-türkischer Dichtkunst erwarten wir von Prof. Fleischer in seinem Cataloge der arabischen, persischen und türkischen Handschriften der Leipz. Rathsbibliothek. Die türkische Handschrift 352. enthält nämlich eine Sammlung ascetischer Geschichten, die ein König seinem entarteten Sohne erzählt und mit Moralien (Jbret) begleitet. Unter diesen Erzählungen befindet sich auch eine superstitwse Legende von der Bekehrung eines Juden zum Islam, die unmittelbar in der Zeit nach Muhammeds Tode in Medina spielt. Diesem Juden, Pir Schumi (d. h. der Greis, der Syrer) genannt, wird eine Kasside in den Mund gelegt, die zu den formell schönsten und glühendsten Lobgedichten auf den Pseudoprophetm gehört. Freilich ist die jüdische Autorschaft dieser Kasside nicht gewiß; doch ist die ganze Erzählung 'in ihrem Detail und das Gedicht mit seinem falschen Feuer so beachtenswerth,. daß wir mit Verlangen der Mittheilung beider durch den genannten ausgezeichneten Orientalisten entgegensehm. Delitzschs Die gemischten Ehen?) Die Ehe zwischen Juden und Christen ist nach dem Preuß. Allg. Landrecht erlaubt. (Vom Hrn. Justizkommiffarius Rode m Hirschberg.) . Nach gemeinem deutschen Rechte ist Religions-Verschiedenheit ein Ehehinderniß. Wenigstens nimmt man es an, nach Corpus juiis Just, c, 6. C. de Judaeis (I. 9.). Aber in Karl V. peinlicher Gerichts-Ordnung ist dieses römische Verbot nicht wiederholt und auf die Ehe zwischen Juden und Christen keine Strafe gesetzt. Daher könnte man eben so gut sagen, sie sei erlaubt, eben weil sie nicht verboten ist. Bloße Verschiedenheit der christlichen Bekenntnisse ist von Religions-Verschiedenheit zu sondern; erstere ist kein Ehehinderniß. Wenigstens Katholiken und augsburgische Konfessions-Verwandte sind durch Artikel V. des Osnabrücker Friedens-Instruments (§.35.) einander völlig gleich gestellt. Religions-Verschiedenheit besteht nur zwischen Christen und Nichtchristen. '0 Ich gebe hier den Aufsatz des Herrn Robe, wie er im Central-Blatt für preußische Juristen Nr. 49 abgedruckc steht, vollständig, um meine jüdisch-theologischen und juristischen Anmerkungen dann vollständig und anschaulich daran knüpfen zu können.