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Der Orient · 1840-02-01 · Heft 5 (1.2.1840) · p. 37

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 5 (1.2.1840)
Article
Altona [Nachricht]
Date
1840-02-01
Page
37 (sequence 1)
Language
German
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37 glaube ist, weil die weltliche Macht sie schützt und halt. Wir haben seit einem Jahrhundert gerungen und gekämpft, um das rabbinische Joch des Aberglaubens abzuschütteln, und wir haben jene düstere talmudische Weltanschauung in das Reich der Geschichte gebannt; aber wir haben in dem Falle nur etwas Härteres eingetauscht. Anstatt der Rabbinen, die uns belehren sollen, hatten wir jüdische Pfaffen, und aus den talmudischen Drohungen des Fanatismus waren nackte weltliche Drohungen geworden, die um so drückender und lästiger sind, als selbst der Aufgeklärteste deren materiellen Stachel fühlen muß. Da alle Paragraphe von dem Grundsätze einer Synagogendisciplin ausgehen, so reicht es hin, diesen einen Punkt ins Auge zu fassen, damit wir nicht urplötzlich in ein Netz gelockt werden, das schlimmer als das Netz des Mittelalters ist, weil es von gemeinerer Art ist. Israel ist in dieser Beziehung jetzt verwaister als je. Zersprengt in tausend und aber tausend Theile, gezerrt von der industriellen Macht nach allen Richtungen, blieb uns für unser geistiges Leben noch immer die Freiheit der Entwickelung, die aber leider jetzt schnellen Schrittes zu Grabe zu gehen scheint. Hier werden von den Behörden ganz allein nach ihrem Witten Rabbinen eingesetzt, wenn auch die Gemeinden nicht wollen und von deren Unbrauchbarkeit überzeugt sind, dort werden von den Behörden nur altgläubige bestätigt, während die Gemeinde nur Neugläubige wünscht, allenthalben macht sich der äußere Einfluß schmerzlich bemerkbar. Vielleicht findet die Redaktion eine gewandte Feder, welche dieses Thema zur Freude der Freunde achter religiöser Freiheit bespricht. Dänemark. MltyKK, 16. Jan: Die im ganzen Lande für den Tag der Beisetzung Sr. Majestät des höchHseligen Königs anbefohlene Trauerfeier wurde heute auch in der Synagoge der Hochdeutsch-Israelitischen Gemeinde auf eine gleich sinnige und würdige Weise, nach Anleitung des Herrn Ober-Rabbiners Ettlinger begangen, dessen Trauerrede in einer ausführlichen Entwickelung des vorgeschriebenen Textes von den Verdiensten des hohen Verblichenen, wie von dessen Liebe und Frömmigkeit handelte , mit der er für seines Landes Wohl gewirkt hatte. — Die gleichfalls von dem Herrn Ober-Rabbine eigends für diesen Tag verfaßte, und von 20 Dilettanten ausgeführte Psalmodie, war von dem Herrn Cobelli in Hamburg in Musik gesetzt, und konnte bei der richtitigen Auffassung des Textes und bei dem einfach erhabnen Styl der Composttion nicht verfehlen einen tiefen Eindruck auf das Auditorium hervorzubringen, wie denn auch dem Herrn C. für die Leitung des ohne alle Instrumentalbegleitung höchst sicher durchgeführten Gesanges, volle Anerkennung und gerechtes Lob nicht versagt werden dürfen. Das Programm sowohl, als die schöne Haltung der überaus zahlreichen Versammlung während des Gottesdienstes lieferten den erfreulichen Beweis, daß der Herr Ober-Rabbine Ettlinger nicht abgeneigt ist, den Cultus der hiesigen Hochdeutsch-Israelitischen Gemeinde einer zeitgemäßen Reform zu unterwerfen, und daß eine solche Reform' bei der gedachten Gemeinde vollen Anklang finden würde. (Alt. Merk.) AltVNH, 18. Jan. Vorgestern an dem Begräbnißtage des für Dänemark theuern König Friedrich wurde in allen Synagogen ein ergreifender Trauergottesdienst abgehalten, welche Trauerfeier auch die ftfardischen Gemeinden nach ihrer Weise begingen. Schmerzlich wurden wir bei diesem Thronwechsel aufgeregt, die schmachvolle Jsolirtheit erst recht, empfindend und fühlend, in der wir bis jetzt verlebt. Unsere Trauer um den Hingeschiedenen war wahrhaft und ungeheuchelt, denn wir wissen, was der Verblichene für unsere eigentlichen dänischen Brüder väterlich gethan, wenn schon die Petition der Roskilder Ständeversammlung, betreffend die Wählbarkeit der Juden verworfen wurde, und die Verhandlungen der Holsteinischen Stände an dem ererbten Judenhasse gescheitert sind. Bei den vielfachen Bedrückungen und Beschränkungen, die wir zu erfahren gewohnt sind; bei dem Abstande, der zwischen den dänischen' und holsteinischen Juden in Bezug auf Gewissensfreiheit obwaltet, sind wir auch dann für jedes erlangte Recht zur Dankbarkeit gestimmt worden, selbst wenn wir ein Recht haben, es mit männlichem Muthe zu fordern. Aber auch unsere Freude und mnftre Gebete für den neuen Landesvater waren wahrhaft und ungeheuchelt, denn die Zukunft der jüdischen Holsteiner, die Endschaft der zweispältigen Behandlung der dänischen Juden, die Aussicht auf völlige Gleichstellung sämmtlicher Juden Dänemarks mit den Bekennern des Christenthums, haben unsere Freude angeregt und die Gebete uns dictirt. Unvergeßlich bleiben uns die tröstenden Worte unseres neuen Königs, die er, der Holsteinischen Juden , gedenkend, zu dem Rabbinen Dr. Abraham Wotff gesprochen „Ich hoffe, die Stellung Ihrer Glaubensv erwandern in den Herzogthümern zu verbessern". Wir haben zu einer völligen Gleichheit mit den Völkern längst den Anfang gemacht, wir trauern bei ihrem Schmerze und freuen uns bei ihrem Wohl; darum dürfen wir wohl auf Erfüllung des königlichen Wortes hoffen. Daß die hiesige Gemeinde sehnlichst den Tag herbeiwünscht, um mit dem Empfange der religiösen Freiheit den alten Bettel von jüdischer Gerichtsbarkeit und andern schmachvollen Rechten wegzugeben, daß sie Recht und keine Rechte, Freiheit und keine Freiheiten wünscht, wird gewiß Jeder glauben, der den Geist der Gemeinde in ihrer Gesammtheit und nicht in ihren Vorstehern sucht. Diese freilich suchen nur ihr Interesse, wie es sich schon oft gezeigt.

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