Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1840)
- Article
- Wien : Isaak Luzzatto [Nachricht]
- Date
- 1840-01-25
- Page
- 30 (sequence 2)
- Language
- German
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30 aus San Daniele übersiedelten nach Triest, eine Minderzahl nach den kaiserlichen Erblanden. Luzzatto genoß die Liebe sammtlicher Einwohner seiner Vaterstadt, und bei der Auswanderung der Juden bot die christliche Wohnerschaft San Daniele's alles auf, um den humanen und geschickten jüdischen Arzt zurückzubehalten. Die Liebe zu seiner Vaterstadt siegte; mit Familie und Dienerschaft blieb er in San Daniele. Sein Bruder, der Arzt Efraimo Luzzatto, besang ihn indem dreißigsten Sonnelt seines Liederbuches Ele Bene ha- Neurim, welches er in London 1769 herausgegeben, das beginnt: 37W W nZHft O Jjrai 'Tp'i TM pn^ und welches die rührendste Bruderliebe athmet. Isaak Luzzatto übertrafaberseinen Bruder an Eleganz, Klarheit und ächthebräischer Färbung seiner Dichtungen, und schon die Probe, die wir in dem dritten Sendschreiben Naftali Wessely's (En Mischpat) haben, namentlich der Schluß jenes Sonnett's, macht uns ihn lieb. - Er starb 1803 in San Daniele. Unter seiner zahlreichen Nachkommenschaft zeichnet sich jetzt seine Enkelin Rachel Morporgo durch Gelehrsamkeit und durch gründliche Kenntniß der hebräischen Sprache aus. Sie war es, die bei Samuel David Luzzatto die ersten Funken zur jüdischen Gelehrsamkeit geweckt. Eine Elegie, die Isaak Luzzatto über die Zerstörung der großen Synagoge in Triest, im Jahre 1769, schrieb, wurde in den dortigen Bethäusern bis zum Jahre 1821 an jeder Jahresnacht der Feuersbrust feierlich abgesungen. Außer der genannten Gedichtsammlung bei Lettens schrieb er noch ein größeres Gedicht über die Schöpfungsgeschichte, betitelt n>&WQ b]3, das aber verloren gegangen zu sein scheint Berlin, 6. Jan. Einem Gerüchte zufolge sollen bereits in der ganz nächsten Zeit in den bürgerlichen Verhältnissen der Juden in Preußen mancherlei Änderungen eintreten. Ob diese aber auch für ihre künftige bürgerliche Stellung von wesentlichem Einflüsse sein werden, ob ihnen Conzessionen gemacht werden, ist für jetzt noch unbekannt. Am wahrscheinlichsten dürfte die Version sein, nach welcher die jüdischen Einwohner der neupreußischen Provinzen in ihren Rechten denen der altpreußischen völlig gleichgestellt werden sollen. So vielen Widerspruch diese Gleichstellung, namentlich im Großherzogthume Posen, noch vor einigen Jahren unter den Juden selbst gefunden haben würde, da hiermit die allgemeine Militarpflichtigkeit verbunden ist, so sind wir überzeugt, daß sie gegenwärtig mit Dank ausgenommen würde, da so manche frühere Vorurtheile bereits geschwunden sind, und die steigende Volksaufklärung, die auch dort durch zweckmäßigen Schulunterricht immer mehr Raum gewinnt, den Rest jener schroffen Absonderung, wenigstens von einer Seite, bald gänzlich aufheben wird. Betrachten wir die. Verhältnisse der Juden in Preußen naher, so müssen wir emgestehen, daß ihnen jene Vorwürfe, die man den Juden in manchen andern Staaten noch macht, schon seit längerer Zeit nicht mehr zur Last fallen. Der größere Theil derselben gehört zwar dem Handelsstande an, indessen ergeben die statistischen Tabellen ebenfalls eine immer mehr und mehr zunehmende Zahl Künstler und Handwerker unter demselben, die aber noch zunehmen würde, wenn der jüdische Handwerker nicht mit so manchen gegen ihn herrschenden Vorurtheiten zu kämpfenhätte, die aber hoffentlich die Zeit beseitigen wird. Jenes Uebergewicht des Handelsstandes hat aber seinen Grund in der großem Wohlhabenheit der Juden und den in Preußen bestehenden Gesetzen, wonach kein Jude irgend eine Anstellung im Staate zu erhalten fähig ist; er wird daher durch die Nothwendigkeit daraufhingefühct, sich einem Stande zu widmen, der seiner Erziehung und seinen äußern Verhältnissen entsprechend ist, wie dieses ja auch bei der wohlhabenden Klasse der christlichen Einwohner der Fall ist, aus welcher man selten Handwerker hervorgehen sieht, wenn daß Handwerk sich nicht gleichsam in der Familie vererbe, oder weniger befähigte Söhne, nur wegen ihrer geringer» Befähigung zu einem andern Stande, sich dem Handwerkerstande widmen. (L. A. Z.^ Schlesien (Zahl der Juden in Polen). Auf dem Landgebiete des ganzen ehemaligen Königreichs Polen, in dem Umfange, welchen dasselbe vor der Theilung von 1772 hatte (12880 Quadratmeilen,) leben gegenwärtig 2,119,000 Juden. Davon kommen 411,300 auf das jetzige Königreich Polen; die übrigen wohnen theils in den zu dem russischen Reiche gezogene^ Provinzen, theils in den an Oesterreich und Preußen gefallenen Landgebieten. Nach ziemlich zuverlässigen Schätzungen befinden sich also auf polnischem Grunde zwei Drittheile aller europäischen Juden, so wie ein Drittheil der jüdischen Bevölkerung des ganzen Erdballs. Das Verhälttüß zu den Christen in Polen ist etwa wie 1 zu 8£, in den Städten aber oft ein ganz anderes. In Wilna ist der zweite, in Krakau der dritte, in Warschau und Lemberg der vierte, in Posen der fünfte Mensch ein Jude; in den kleinen polnischen Städten verschwinden die Christen unter den Juden fast ganz. (Schl.Z.) Seesen (im Braunschweigischen). Die hiesige israelitische Schule, eine Stiftung des verstorbenen Präsidenten Jakobson, zum Nutzen armer Judenknaben in dem Alter von neun bis vierzehn Jahren, hat sich seit der am 8. Juli dieses Jahres geschehenen Einführung eines, neuen Directors, des Dc. Wohlwill, einer neuen Organisation zu erfreuen. Der Fond dieser Privatanstalt beträgt nicht weniger als 63,000 Thlr. und einer von einem andern Israeliten vermachten jährlichen Rente von 12 Thlr. Gold. Eine nicht geringe Anzahl armer Judenknaben findet in diesem Institute nicht blos freien Unterricht, sondern kostenfreie Befriedigung sammtlicher Bedürfnisse, einschließlich der Bekleidung. Auch Kostgängern steht der Eintritt im das Institut für einen