Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1840)
- Article
- Wien : Stiftungen [Nachricht]
- Date
- 1840-01-18
- Page
- 19 (sequence 2)
- Language
- German
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19 Dramen für das Hofburgtheater bekannt. -- Eine andere höchst wohlthatige Stiftung hier, die schon in manchen Blattern besprochen wurde, ist die vom hiesigen ersten Vertreter der Gemeinde, von Herrn M. L. Biedermann begründete, zur Versorgung hiesiger jüdischer Waisen des unbemittelten Standes, zur deren Fondirung der edle greise Stifter selbst, bei Gelegenheit der Feier seines siebzigsten Geburtstages, die Summe von 7,000 Fft C.-M. beisteuerte. Auch dieses Institut hat die ungetheilteste regste Theilnahme gefunden, vorzüglich bei den Reichen, und das Fundationsvermögen ist bereits so bedeutend angewachsen, daß nun zur Entwerfung von Statuten geschritten wird. Freilich haben alle diese Institutionen nur den Zweck, die materiellen Uebel unserer Brüder zu lindern, und schwerlich würden unsere Reichen für eine geistige Wiedergeburt diese Thatigkeit bekunden, aber man muß bedenken, daß die moderne Richtung überhaupt eine materielle ist. Herr Dr. M annheim er hat in seiner jüngsten Predigt seine dritte im kommenden April vorzunehmende Consirmation angekündigt und die Gemeinde öffentlich ausgesordert, ihm ihre Jugend zur Vorbereitung senden zu wollen. Sinnig wählte er zu seinem Texte die Stelle der Genesis, „bringe sie mir her, ich will sie segnen," da es gerade der Sabbat Vajchi war. Ueber die Aufnahme des berühmten' Napaport in Prag ist bereits die Bewilligung der höchsten Behörden eingetroffen, und da er die ungetheilteste Achtung aller Gelehrten und Gebildeten unter den Juden genießt, so steht seiner Aufnahme nun nichts mehr im Wege. Die Feigheit und die Unwissenheit, die sich auch gegen diesen unfern Gelehrten fanatisirt, wird gewiß mit dem steigenden Sinn für Wissenschaft endlich unkraftig werden. Berlin, .12. Jan. Der Dr. Steinheim in; Altona hat in dem medicinischen Almanach für das Jahr 1840, den der bekannte medicinische Schriftsteller I. I. Sachs hier herausgiebt, einen Aussatz abdrucken lassen, welcher Erläuterungen über die Diätetik nach den Anordnungen des alten Testaments enthält, und auch für jüdische Alterthumskunde von Interesse ist. Herr Steinheim ist, wie Salvador in Paris, von den Studien der Heilkunde und von der Wissenschaft der Physiologie zur Rechtgläubigst der Synagoge heimgekehrt und mit glühendem und frommen Eifer arbeiten beide für diese ihre gefundene Mutter. Bon einem andern jüdischen Arzte hier, von Dr. K. haben wir ein ähnliches für jüdisches Alterthum wichtiges Werk, die biblische Heilkunde betreffend, zu erwarten. Die Wissenschaftlichkeit jüdischer Aerzte wird mit der Zeit in der Losgerissenheit von der Religion zu leben aufhören, und die Verschmelzung der Wissenschaft mit der Religion wird mit dem Erstarken des jüdischen Bewußtseins wachsen. — Die hebräische Ueberfetzung des Iun^'schen Werkes : „die gottesdienstlichen Vorträge der Juden", welche der Oberlehrer! David Caro in Posen unter dem NamenKeneset Jisrael schon seit sieben Jahren fertig hat, und die Dr. Zunz auch sorgfältig durchgesehen hat, ist noch immer nicht gedruckt; es wäre aber zu wünschen, daß es bald geschehe, da das Bedürfniß darnach für die slavischen Juden sich täglich mehr herausstellt. Das Rabbinenseminar hier, welchem Herr Iunz vorsteht, und von welchem wir eine Anregung für jüdische Wissenschaft in Berlin erwarten, ist noch nicht eröffnet, da Herr Dr. Zunz noch mit den Vorarbeiten zu demselben beschäftigt ist. Man hofft, daß mit nächstem Frühjahre die eigentliche Thätigkeit des Seminars beginnen wird. — Die Ausgabe der bekannten Massaot des Binjamin von Tudela, welche der Buchhändler: Asher veranstaltet und eine englische Ueberfetzung dazu fertigt, wird eine vorzügliche werden; denn Rapaport und Zunz versuchen ihren Scharfsinn, um die schwierigen Stellen zu entziffern, namentlich die Ortsnamen, und ber berühmte Geograph Ritter wird eine Karte zu diesem alten Jtinerar unfertigen. — Biestern, 5. Jan. Die Berufung Gelger's zum Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde hatte im ganzen Verlaufe der darüber gepflogenen Verhandlungen das allgemeinste Interesse des Publicums auf sich gezo- - gen; der hohe Gcad desselben wurde erst jetzt recht deutlich, wo der königliche Wille die erbitterten Feindseligkeiten der ihm entgegenstehenden Partei beendigt und dem verdienten Lehrer den Kreis einer bedeutsamen Wirksamkeit eröffnet hat. Jene Partei hatte auch nach Veröffentlichung des königlichen Entschlusses und vor der Installation Geiger's aufs neue bei dem hiesigen Oberpräsi'dium versucht, ihren Fanatismus gegen ihn geltend zu machen: ein Versuch, welcher sich durch die energisch; erfolgte Abweisung in eine matte Protestation sich umwandeln mußte. Gestern, wo Geiger die Kanzel mit der Antrittsrede besteigen sollte, drängte sich eine große Menge in den schönen Räumen der neuen Synagoge zusammen. Neben den mit unruhiger Beweglichkeit harrenden Mitgliedern der Gemeinde standen königliche Beamte, Offiziere, christliche Lehrer und Priester :c., welche gewiß weniger die Neugierde hierher geführt hatte, als das Gefühl einer hohen Genugthuung, gegeben der freien geistigen Entfaltung innerhalb der Kirche gegenüber der Unduldsamkeit, der Verknöcherung im Formalismus und dem Despotismus der schroffen Abschließung in morschen und bis jetzt mühselig aufrecht erhaltenen Institutionen.; Diese Theilnahme machte es klar, daß man von allen : Seiten das vorliegende Ereigniß nicht als abgetrenntund isolirt, sondern als zusammenhängend mit der großen ■ Strömung, welche gegenwärtig durch die Angelegenheiten; aller Kirchen geht, betrachtete. Geiger's Erscheinung besticht durch eine milde, sinnige Gemächlichkeit, welche . über sein blasses, denkendes Gesicht ausgebreitet ist. Es! war von seinem geprüften Muthe zu erwarten, daß er