Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1840)
- Article
- Uman (in Kleinrußland) [Nachricht]
- Date
- 1840-01-11
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
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16 den Polen ein Lithograph dargestellt zu haben, wenn auch sein Wille nicht der beste gewesen sein mag. Er laßt uns in einer Zeichnung einen schönen Platz der Stad: Warschau sehen, und unter den vielen Figuren zeigt er uns auch das Zerrbild eines Juden, den er mit aller Lächerlichkeit ausstafsi'rt. Dabei aber hat er (satirisch genug!) einen Hund hingemalt, der den armen Hebräer wüthend anpackt. Das ist der Sieg der Wahrheit, die überall zum Vorschein kommt, auch da, wo an sie gar nicht gedacht wird. Indem ich über eine solche Lithographie, die hier zufällig circulirte, berichte, wird es dem Leser vielleicht nicht unlieb sein, einige Bemerkungen über die hier nach dem Muster Odessa's gegründete Realschule mitzutheilen, die trotz der traurigen fanatischen Umgebung in der Ausbildung eines Theiles der Jugend eine bessere Zukunft vorbereitet. Um an ist nächst Kischenew die einzige Stadt, wo eine regelmäßige Erziehung erzielt wird, nachdem Odessa Jahre lang wie eine Oase in der Wüste da stand. Auf Veranlassung und Antrieb des Generalgouverneurs von Südrußtand, des Grafen Woronzoff, wurde unsere Schule schon vor zwei' Jahrzehnden gegründet und sie verdankte damals ihre Consolidirung den Gelehrten Hirsch Bar Hurwitz, und Moses Landau, so wie der ausgezeichneten Verwaltung eines Meir Horn, die sammtlich in ihrem glühenden Eifer die unzähligen Hindernisse bei deren Erhaltung besiegten. Diese Schule zeichnet sich auch noch dadurch aus, daß in ihr namentlich ein geregelter und ^fleißiger Unterricht in der hebräischen Sprache geboten wird. Bis jetzt stand aber die Schule zu sehr isolirt und gesondert von den Bestrebungen der Gemeinde; kaum ein Fünftel der schulfähigen Jugend besuchte dieselbe und diese Minderzahl der Besuchenden wurde von der durch den Chasidismus verblendeten Gemeinde als gar nicht zur Judengemeinde gehörig betrachtet. Ganz anders hingegen hat sich dies jetzt gestaltet. Die Regierung hat den fanatischen Bund der Chasidim gesprengt, das-Haupt der Verführung, der selbst verführte Jiscolka, in eine Festung nach Cherson geschickt, und die Strenge, mit welcher die Behörden diese Partei bewacht, hat ihren fanatischen Widerstand gebrochen, und eine Verschmelzung der Parteien, so wie das häufigere Senden der Knaben in die Realschule verheißen eine bessere Zukunft. Kischenew folgte schon seit Jahren unserer Stadt in der Anlegung einer Schule, und wie wir jetzt vernehmen, auch die Hauptstadt Littauens, die große Judenstadt Wilna. Böhmen. Pvctg, 1. Jan. (aus einem Brüse). Wenn den Lesern an der Schilderung fremder Gemeinden gelegen ist, so dürfte vielleicht eine Betrachtung nicht unwillkommen sein, welche ein Ausländer, der in Prag eine kurze Zeit verweilte, hier mittheilt. ' Ich erwache und mein erster Blick fällt auf die Rabbinmgasse, auf die Judenstadt; wie auch das Wogen und Treiben auf den engen Straßen im ersten Augenblick mich entzückte, wie die schwarzen Häuser ehrwürdig auf mich herabsahen, mich anregten, das wird der begreifen, der für Volksthumlichkeit Sinn hat; auch das Idiom, welches aus allen Straßen erklingt, konnte mich nicht abschrecken. Denn eine -Sprache kann uns darum nicht zurückstoßen, weil sie die der Masse ist! — Aber wie hat sich mir das Bild seitdem verdüstert! Ja, dies Idiom ist nicht die Volkssprache, wie ich meinte; es ist, mit wenigen Ausnahmen, die Mundart aller Prager Gebildeten. Man sieht zierliche Palläste, bewunder die wahrhaft fürstlichen Zimmer, in denen die geschmackvollsten Möbel prangen, man wird von dem Glanze geblendet, der im Innern herrscht, und man lauscht nicht lange, um zu erfahren, wer der Besitzer ist. Nicht die Sprache allein ist's, welche unangenehme Gefühle weckt, sondern die mit ihr Hand in Hand gehende Umnachtung des Geistes. Die Muster ihrer Fabrikprodukte machen ihr ganzes Studium aus; an eine Verbesserung der Lage ihrer Milbrüder denken die Wohlhabenden darum nicht, weil sie von hohem Regionen aus gebessert werden. Derselbe Jude, welcher durch Josephs Güte eine ziemliche Gewerbefreiheit hat, muß seinen Gewinn mit einer Versteuerung bezahlen. Gleichwohl sollten diese Juden intellektuell fortfchreiten, wie das Gesetz will, sie mußten Normalschulen errichten, ehe sie ihren Zweck kennen lernten. Hierunter verstehe man nicht etwa ein israelitisches Institut, wie in andern Gemeinden Deutschlands, aus der Prager Normalschule erlernen die Besuchenden alle Elementargegenstande, selbst Vorkenntnisse der Baukunst, Alles, nur nicht ihre eigne Sprache, Alles nur nicht die heilige Schrift im Urtexte. Denn man wollte ja bei Errichtung derselben nicht Juden, sondern Staatsbürger heranbilden. Sie sollen ihr Leben hintandeln, mitunter auch glänzen können; sie sollen ans dem Dunkel der völligen Rohheit gezogen, doch dem geisiigon Uebel nicht plötzlich entrissen werden. Das zeigt die Vorschrift, in der Judenstadt zu wohnen. Sie ist gesetzmäßig ihr angestammtes Quartier, aus dem ein Privilegium die Entfernung gestattet. Der Jude geht meistens mit seinen Glaubensgenossen um; nicht aus Nationalgefühl, sondern weil der Christ den Umgang mit ihm verschmäht. In allen Straßen Prags wird der Jude, auch der reichste und vornehmste nur als solcher angesehen. Daher ist der aufgeklärte, für seine Mirbrüder begeisterte Jude eine Seltenheit. (Schluß folgt.) Verlag von E. L. Frstzsche. Druck H« Nagels