Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 1 (4.1.1840)
- Article
- Salomon Loewisohn
- Date
- 1840-01-04
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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11 Lebensskizzen über Salomon Löwisohn und Juda Jeitteles. 12 hingerafft, führte eigentlich den Familiennamen Moor, nach seinem Geburtsorte, wie bte meisten Juden in Ungarn sich nach ihrem Wohnorte nennen; erst später adoptirte er nach dem beliebten Muster verschiedener jüdischer Literaten des 18. Jahrh. den eigentlich pseudonymen Namen Löwisohn. Sein Vater war ein Talmudist von altem Schrot und Korn, bis ins 15. Jahr beschäftigte sich daher Sal. Löwisohn mit den Talmudstudium; bald aber erwachte sein gesunder Verstand und rettete sich aus dem bodenlosen Abgrunde unfruchtbarer Grübelei in reinere wissenschaftliche Gefilde. Mit schönem Enthusiasmus umfaßte seine rege Phantasie-die Geschichte seines Volkes; mit Eifer studirte er die hebräische Sprache, die er bald inne hatte, wie er sodann mit gleicher Wißbegierde die lateinische, italienische und französische umfaßte. Nach der bei den Israeliten hergebrachten Gewohnheit verließ er 1811 seine Vaterstadt, um, selbst noch Schüler, als Hauslehrer sein Brod zu erwerben. Er kam nach Prag, lehrte und lernte, und nachdem er sich, nebst dem Studium der chaldaischen und griechischen Sprache, auch die englische zu eigen gemacht hatte, begann er mit eigenen Erzeugnissen auszutreten, welche seine Sprachkenntnisse, so wie seinen Fleiß und denkenden Geist auf das erfreulichste beurkundeten. Im Jahre 1815 folgte L. einem Rufe nach Wien als Eorrector in die Schmid'sche Vuchdruckerei. Das Seelenlose, Mechanifche, ja Geiströdtende dieses Geschäftes lastete schwer auf ihm, doch widmete er noch immer seine Musestunden der literarischen Thätigkeit. Diese geistige Schwelgerei bei einem ohnehin schwächlichen Körper entwickelte ein physisches Uebel bald zu einer furchtbaren Höhe, dem er auch, zur bessern Pflege in seine Heimat zurückgekehrt, nur allzuschnell unterlag. Seine Schriften in hebräischer Sprache sind: 1. Hebet: Philologismus. 2. Elegie auf den Tod des Rabbi Baruch Jeitteles. 3. Linguistische Analecten. 4. Biographien aus den Urschriften der Juden. 5. Biblische Geographie. Wim 1821. 6. deutsch -— Vorlesungen über Geschichte der Juden. Wien, 1820. II. JTuda Jeitteles9 geboren: Prag, den 30. Marz, i773. gestorben: Wien, den 6. Juni, 1838. Die Familie Jeitteles blüht urkundlich (laut Wappenbrief von Kaiser Earl I V.) feit dem 13. Jahrhunderte in Böhmen. Einer der berühmtesten dieser, an Literatoren so zahlreichen Familie, war Dr. Jonas Jeitteles, Physicus und Gremial-Präses in Prag. (Siehe Conversationslexicorr der neuesten Zeit, Leipzig 1833, und Oesterreich ische National-Encyciopädie. Wien 1835, Artikel Jeitteles.) Indem Hause dieses seines Vaters.wurde Juda Jeitteles erzogen, und wiewohl sein gelehrter^ater nicht der gewöhnlichen jüdischen Sphäre angehörte, war seine Erziehung doch kümmerlich genug. Der Pentateuch und der Talmud machten die Grundlage der ganzen Erziehung aus, bis sein begabter Bruder, der berühmte Theologe Rabbi Baruch Jeitteles sich des fähigen Knaben erbarmte, ihn auf das methodischere Studium der heiligen Urkunden aufmerksam machte und er durch Aufall von einem durchreisenden hebräischen Grammatiker, Namens Israel Danziger, die ersten Elemente der hebräischen Grammatik erlernte. . Der fortwährende Umgang mit seinem großen Bruder, einem der gehaltvollsten und begabtesten Talmudgelehcten seiner Aeit, der eigentlich seiner Zeit weit vorgeschritten war, und der ihn die Schätze in den Werken Maimonides und Jbn-Esra's kennen lehrte, so wie die Lectüre gediegener deutscher Sprachforscher und Dichter, erweiterten den Kreis seiner Ideen, und gaben seinem wissenschaftlichen Streben eine geregelte Richtung. Hebräische Sprachforschung war es vorzüglich, wohin sich sein Talent und seine Neigung aussprach, der er auch späterhin seine ganze literarische Wirksamkeit mit unermüdlichem Bienenfleiße zugewendet. Bereits in seinem sechszehnten' Jahre producirte er einige gründliche Abhandlungen über talmudische Stellen und übte sich in prosaischen und poetischen Aufsätzen. Die Erscheinung der berliner Zeitschrift Meassef elektrisirte damals die jüdische Jugend, auch Jeitteles opferte da seine Erstlinge, die Jahrgänge 1794 und 1797 enthalten von ihm artige poetische Versuche. Im Jahre 1793 verheicathete er sich und mußte sich dem leidigen Handel widmen; doch weder vielfache häusliche Sorgen noch später mannichfacher Gram und Kämpfe aller Act, konnten den glühend Strebenden der Wissenschaft abwendig machen. Hebräische Philologie blieb immer sein LieblingSstudium, und öfters überraschte die Morgensonne den Studierenden bei der Studierlampe. Die bei den Jsftaeliten so sehr vernachlässigte chaldäische Grammatik zu erlernen und die darin geschriebenen Propheten Daniel, Esra und Nehemia gründlich zu studicen und in den riesen Sinn der Targumen einzudringen, machte in den Jahren 1800 bis 1810 seine Hauptbeschäftigung aus. Mühsam schuf er sich neue Regeln in der Theorie dieses Sprachgegenstandes (worüber kein einziges Werk eines Israeliten in hebr. Sprache exisiirte). Vaters Grammarik war sein einziger Leitfaden, dann einige lateinische Tabellen und Paradigmen der Zeit- und Nennwörter. Im Drucke ist von ihm erschienen: 1. Sicha, Gespräch über die Sette der Sabathianer. Brünn, 1800. 2. Mebö La schon Acamit. Aramäisch-chaldaische Grammatik. Prag, 1813. 3. Minchat Jehuda. Gebete und Gesänge zur