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Der Orient · 1840-01-04 · 1 (4.1.1840) · p. 7

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
1 (4.1.1840)
Article
Ueber die hebräische Verskunst
Date
1840-01-04
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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8 1 LuzzaLto: über die hebr. Verskunst. D. 7L de Sola: über Efraimo Luzzatto. 3) Es iss, eine inunserer Zeit unter den Gelehrten: fast allgemein überemgekommene Annahme, daß die biblische Poesie weder an die Gesetze der Prosodie der Alten noch an die der Versification der Neuen, noch an irgend etwas jener oder dieser Analoges gebunden ist. Dies war schon die Meinung des Jehuda Halcwy (Kuzari II, 70—78.), des Mose Chabibi (Darke Noam) und des Rasfaelle Rabbeni, Arzt und 9labbinen zu Padua, in seiner pseudonymen Schrift: Sqaurcio di litt er a del JDotlor Bemal) o Scacchi S. 28. ff., von denen die zwei letztgenannten annahmen, daß ungeachtet der Ungleichheit der Verse doch die Gleichheit des Aeitmaaßes oder Rhythmus vermittelst des entweder längeren oder kürzeren Gesanges hergestellt worden sei. Jehuda Halewy, obgleich er dieß nicht geradezu behauptet, gesteht doch die Möglichkeit desselben ein. Ich denke, daß man sich bei den alten Hebräern weder um die Gleichmäßigkeit des Rhythmus im Gesänge, noch weniger um die der Verse in den Sylben kümmerte, sondern daß sowohl die Worte als der Gesang der freie und natürliche Ausdruck der seelischen Affekten war. 4) Da Flavins Josephus die Verse der zwei Gesänge Mose's Hexameter nennt, und Trimeter, Tetrameter rc. die der Hymnen David's, und da Hieronymus (Praef. m Job.) die Verse des Buches Job für hexametrische ausgiebt: so gaben sich viele Gelehrte der Erforschung der vorausgesetzten Gesetze des biblischen Metrums und Rhythmus hin, und ersannen mannigfache Systeme, deren Nichtigkeit jedoch sehr bald zu erkennen ist. Lud. Capellus (st. 1658) in seiner Critica sacra widerlegte das System, welches Franc. Gomarus (st. 1641) in seiner hebr. Poetik Lyra Davidis begründet hatte, zufolge dem er die hebr. Verse denen der Griechen und Römer für gleichförmig achtete und die auf die Quantität der hebräischen Sylben bezüglichen Gesetze gefunden zu haben meinte. Lowth in feinem Tractat: Oe sacra poesiHebraecmiiu widerlegte das System Franc. Hare's, der den hebr. Versen das Gepräge der modernen Sprachen aufdrückte, und demgemäß nur die Sylben ohne alle Unterscheidung prosodischer Länge oder Kürze zählen zu müssen meinte. (Fortsetzung folgt.) Literarische Analeeten. Nachrichten über Efraimo Luzzatto von D. A. de Sola. Sicherlich ist es nicht uninteressant, über die Lebensumstände des bekannten Arztes aus St. Daniel im Friaul, der als Dichter und Sprachbildner unsere Aufmerksamkeit erregt, etwas Sicheres zu vernehmen. Sein Canzonier ist e;n Beleg, mit welchem Glück, die italienische Schule nicht allein die mannichfaltigen Versmaaße der Sonnette und Eanzonen aus die hebräische Poesie übergetragen, sondern noch der hebräischen Sprache die Volubilitat, die Inversion, ja selbst die Melodie der italienischen angebildet hat. Wie er, so war auch sein Bruder Isaak Luzzatto Dichter; M. Lettens in Wien ist im Besitz einer Handschrift, 73 Gedichte desselben enthaltend, von denen bisher nur ein einziges, an H. Wessely gerichtetes, gedruckt ist (s. Wessely's En?D Wenn das Unheil Reggio's begründet ist, der diese Gedichte über die Knnstprodukte aller Luzzatto's stellen soll, so wäre der Druck derselben wohl zu wünschen. Ich wendete mich mit der Bitte um Nachforschung nach E. Luzzatto's Lebensumständen und literarischer Hinterlassenschaft an A. de Sola, Prediger der portugiesischen Gemeinde in London, und erhielt folgende Antwort: „Ich habe mir alle Mühe gegeben, über die Papiere und die Persönlichkeit Di. E. Luzzatto's Notizen einzuziehen. Unter Andern habe ich mich bei allen Gliedern der Familie Men des da Costa erkundigt, mit welcher er in sehr vertrautem Verhältnisse stand und für die er bei der Verheirathung einer Lady dieser Familie mit einem Mr. Salvador das schöne Epithala-, mium (s. bm bip f. 26, 6.): ■ : pnDNi nen cva ' jwi mo? Idw gemacht hat. Das Ergebniß meiner Nachfrage war, daß von seinen handschriftlichen Gedichten hier nichts 'aufsindig gemacht werden kann, obgleich er einen ziemlichen Theil derselben hier schrieb und hinterließ. Er war Arzt an dem der hiesigen portug. Gemeinde gehörigen Hospital, und da ihm sein Amt verpflichtete, viele Stunden dort zugegen zu sein, so pflegte er sich damit zu ergötzen, daß er auf die Rückseite seiner ärztlichen Recepte oder auf ein anderes Stückchen überflüssigen Papiers kurze Gedichte oder satirische Bemerkungen schrieb über die Krankheit, den Patienten, die Directoren oder Krankenwärter des Hospitals oder irgend jemanden, der ihm in den Wurf kam. Einen Schubkasten voll solcher Papiere fand man, als er London verließ; sie wurden aber als das Hospital wegen einiger Aenderungen und Ausbesserungen nach einem andern Orte verlegt wurde, von einigen Unwissenden verbrannt. Diese betrachten, wie gewöhnlich zu geschehen pflegt, jene Schreibereien, weil sie dieselben nicht lesen konnten, als nutzlos. Außer dieser auf die glaubwürdigste Relation sich gründenden Thatsachen habe ich einige Anekdoten über Luzzatto gehört, von denen zwei eben so sichere Gewähr haben, eine aber nicht wohl von ihm glaublich ist. Wahr ist folgende. Als er einmal für einen Freund bei einer befondern Gelegenheit ein Gedicht gemacht hatte, wurde er ersucht, seinen Namen darunter zu schreiben. Dessen weigerte

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