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Der Orient · 1840-01-04 · Heft 1 (4.1.1840) · p. 7

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 1 (4.1.1840)
Article
Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1840-01-04
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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7 ßen Lesegesell schüft wird ein für unsere gesellschaftlichen Zustande sehr bezeichnender Gegenstand zur Erörterung und Abstimmung gebracht werden. Es wird nämlich nach der vorläufigen Anzeige der betreffenden Einladungskarten der Antrag gemacht werdendenjenigenArtikel der Statuten abzuschaffenwonach zur Aufnahme in die Gesellschaft ein christliches Glaubensbekenntniß seither unumgängliche Bedingung war. Mit diesem Anträge wirdwie augenfällig/ bezweckt, den israelitischen Bürgern Frankfurt den Zutritt in diesen sehr zahlreichen Cirkel anzubauen. Seither bestand zwischen ihnen und ihren christlichen Mitbürgern eine strenge Sonderung, daß die verschiedenen hier bestehenden geschlossenen Gesellschaften (sogenannten Eollegien), ja selbst die Freimaurerlogen nur aus Mitgliedern des einen oder des andern religiösen Glaubens bestanden. Die erste Abweichung von dieser Regel fand im Cassi'no statt, wo vor etwa anderthalb Zähren die Herren v. Rothschild ausgenommen wurden." iQftevf chlesien, 24. Decbr. (Eingesan dt). Es ist überhaupt etwas gar sehr in Frage zu Stellendes, ob es irgend Jemandem zustehe, einer Nation eine schlechte Eigenschaft nachzusagen, da einerseits der Beweis schwer zu führen wäre, daß diese schlechte Eigenschaft die der Gesammtheit, nicht bloß die Einzelner, den Handlungen der Nation widerstrebender Individuen sei, und da andrerseits, gesetzt dies sei bewiesen, insofern nämlich der Repräsentant eines Volkes mit diesem identisü'irt werden könnte, vielleicht mit vielem Rechte behauptet werden kann, der moralische Maßstab für Gesammtheiten sei ein andrer als der für Einzelne. Doch noch weit weniger ist es wohl zu rechtfertigen, wenn man einer Nation, die als solche gar nicht mehr existirt, einen entehrenden nur auf die Handlungen einzelner Individuen aus ihrer Mitte begründeten Vorwurf zu machen sich erlaubt. Kein Volk hat dies Schicksal so oft und so hart erfahren als das jüdische, keines hat mehr das Recht, sich darüber zu beschweren. Denn keines Name ist so gemißbraucht worden, als der unsrige. Was versteht man gemeinhin unter „Jude", wenn das Wort nämlich aus christlichem Munde kommt? Bezeichnet man damit etwa den, was es wirklich anzeigt, nämlich den Bekenner der ältesten geoffenbarten und göttlichen Religion, oder das Volk, das unter tausendjährigen Verfolgungen seiner Väter Glauben und Sitte standhaft (reu bewahrt, das sein Paladium geschirmt, mit Blut und Leben geschützt hat? Bezeichnet man etwa damit den Mann der wie ein Jagdthier über alle Erdtheile von Tyrannei, Geldgier, Intoleranz und Fanatismus gehetzt werde, und schweigend ohne Rachgier und Haß, diese Bedrückung duldet? Aber nicht das verstehen die Meisten, wenn sie „Jude" sagen, das hieße ja ein Unrecht eingestehen, es, je kürzer der Ausdruck, um so gewichtiger, drückender machen. Aber Unrecht auf Unrecht häufen, Missethat zur Sünde thun, das ist es, was mit dem Ausdruck „Jude" oft geschieht. Denn man versteht größtentheils, zur Schmach unsers aufgeklärten Zeitalters, noch heute unter einem Juden nichts als einen Betrüger, Wucherer, Geizhalz, Geldsauger rc. was entehrende Personen mehr sind. Und sollte dies nicht einen vorurtheilsfreien Mann empören, wenn des Gedemüthigten und Verfolgten Unglück noch zum Vorwurf gemacht wird? doch nicht das Alte, langst besprochene wollen wir hier nochmals auseinander setzen: es Hilst ja doch nichts; denn von denen, die uns schmälern, gilt des großen Kaisers Ausspruch: „Sie haben Nichts gelernt und Nichts vergessen." Eines aber wollen wir erwähnen, daß solche Beschimpfung um so tiefer schmerzt, um so krankender ist, aus je befreundeterem Munde sie kömmt: sie trifft unerwartet und schneidet scharf ins Herz. Und über solche Kränkung haben wir uns in neuester Zeit von einem Blatte zu beklagen, dessen liberale, fteiheitseifrige, humane Gesinnung uns eine feste Bürgschaft zu geben schien vor solcher mittelalterlicher Schmach. Es heißt nämlich in der Leipziger Allg. Zeitg. (1839 Nr. 349, Beil. S. 4054, a.) in einem Artikel aus Oberschlesien (über das Defraudiren an der Grenze) wörtlich wie folgt: „Der Jude (ich meine hiermit durchaus nicht allein den Bekenner der jüdischen Religion) der Jude verspricht für eine halbe Stunde Wagniß reichlichen Lohn u. s. w." Hier wird das Schmerzende des Ausdrucksgrades durch den mildern, seinen Beisatz nur noch schmerzlicher, indem zugleich auch das Ungerechte der Entehrung durch die vom Feinde selbst — denn als solchen müssen wir bis auf Weiteres dm Berichterstatter betrachten — gegebene Anerkennung der Nichtberechtigung noch heller ans Tageslicht gestellt wird. Auf den Gegenstand des Berichtes selbst aber und in wiefern der Vorwurf der Gesetzverletzung dre jüdischen Bewohner Oberfchlestens wirklich (reffe, davon ein ander- Mal, geehrter Hr. Redact. Für heute will ich nur noch die .Hoffnung aussprechen, die ich fest hege, daß

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