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Der Orient · 1840-01-04 · Heft 1 (4.1.1840) · p. 4

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 1 (4.1.1840)
Article
Aden [Nachricht]
Date
1840-01-04
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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4 die Bom bmy Times, -und nach denselben viele andere Blatter mitth-eilten, wird dem Leser gewiß nicht unangenehm sein. Die Einwohner von Aden sind Juden, Araber, Banjanen und Samelis. Die ersteren (Juden) verdienen in Betracht ihrer Anzahl und der Stetigkeit ihres Aufenthaltes zuerst -erwähnt zu werden. Sie sind vom Stamme Juda (eine Behauptung, die gewiß falsch ist, obgleich wir die Quelle des christlichen Correspondenten nicht kennen); ihre Hauptbeschäftigung ist die Verfertigung verschiedener Wollzeuge zum eigenen Gebrauche und zum Verkaufe. Diese Zeuge sind entweder roch oder blau, mit buntfarbigem Rand. Ein fleißiger Arbeiter verfertigt in drei bis vier Tagen ein Stück, welches mit 1—1£ Dollar bezahlt wird. Das weibliche Geschlecht ist sehr wohlgesinnt. Der Hausanzug der Frauen und Mädchen besteht blos in einem Hemde. Außer dem Hause sind sie verschleiert, doch so/ daß ihr Gesicht nur halb verhüllt ist, welches sie bei all ihrer Sittlichkeit gern zur Schau tragen. In der Regel schmücken sie sich mit Ohrringen, Hals- und Armbändern. Letztere sind inwendig mit einem hebräischen Spruche versehen. Trotz ihrer natürlich schonen Hautfarbe halten sie doch ein gelbes Gesicht für das anziehendste, und sie färben es daher gewöhnlich mit Cureume (Karkom), um, wie sie sich ausdrücken, ihr Gesicht zu vergolden. Die Männer sind in der Regel sehr gewinnsüchtig. Sie haben in'der Stadt eine Schute, in der die Knaben nach der indischen Methode unterrichtet werden. Der Schüler sitzt auf dem Boden und muß seine Lection laut wiederholen (so war die Unterrichtweise auch früher bei den Juden). Ihr ganzer Bücherschatz besteht in wenigen gedruckten Bibelauszügen (wahrscheinlich in einigen Th eilen der Bibel). Die Zahl ihrer Schüler belauft sich auf 35—*40. Die Mädchen bleiben nach der Landessi'tte vom Schulunterricht entfernt, um den Arabern keinen Anstoß zu geben. Die jüdische Bevölkerung betragt ungefähr 300 Familien. Seitdem Aden im Besitze der Engländer ist, haben die Juden Kaufläden auf dem Bazar eröffnet, während sie früher als Silberarbeiter, Kupferschmiede, Steinhauer u. s. w. nur auf ihr Handwerk beschränkt waren." Die Juden sind also durch die Engländer emancipirt worden; denn jede ungesetzliche Beschränkung der geistigen und materiellen Kräfte, , sie sei in Abwehrung von Handwerken, wie in vielen Gebietstheilen Europa's, oder .in Versagung des Handels und der staatlichen Verwendung der -geistigen Kräfte, ist eine unnatürliche Beschränkung, .eine -Mancipation. Algier, 14. Dec. Oie dem jüdischen Volke so eigenthümliche unvergängliche Lebenskraft, die sich in seiner ganzen Existenz unter so mannigfachen Schicksalen bekundet, hat sich von jeher besonders darin manifestirt und zugleich daraus Nahrung gesogen, daß die Juden den Institutionen und der Civilisation ihrer Aufenthaltslander sich ohne Darangabe ihrer nationalen Besonderheiten anzuschmiegen verstanden haben. Was wir in Arabien und spater in Spanien gesehen haben, das Aneignen aller wiffenschaftlichen und socialen Bestrebungen ihrer Umgebungen, was inDeutschland so herrliche Früchte getragen, und die deutschen Juden der Neuzeit auf einen Standpunkt der Bildung gestellt hat, der sie wenn einerseits die vollständige Emancipation um so lebhafter wünschen laßt, doch andrerseits sie ln den Stand setzt, dieselbe zu entbehren und ruhig abzuwarten, dasselbe Element hat auch hier sich geltend gemacht, und hat sich in That und Wort schon mannigfach geoffenbart. Kein Theil der eingebornen Bevölkerung hat so rasch die aus Frankreich herübergebrachte bessere Gestaltung der Dinge anerkannt und sich ihr so ganz zu eigen gegeben, als die jüdischen Bewohner Algiers. Und nicht etwa blos die Rücksicht auf-die äußern, materiellen Vortheile, war der Beweggrund zu dieser Anerkennung, sondern es ist wirklich die gewonnene Einsicht von dem Besseren, Erfreulicheren, Freien und Gesetzmäßigen der französischen Institutionen, die alle unsere hiesigen Glaubensgenossen so schnell zu warmen Anhängern der neuen Regierung gemacht hat. Daß dem wirklich so sei, davon zeigt ein Vorfall, der neuerdings sich ereignete. Als nämlich Abd-el-Kader den Krieg gegen Frankreich von Neuem aufnahm, da traten 150 junge Leute jüdischen Glaubens, alle noch unter dem Alter der Confcriptionspflichtigkeit, zusammen und baten den Gouverneur Marschall Vale uw die Erlaubnis, eine Compagnie Freiwilliger bilden zu dürfen. Dies ist wohl der schönste Beweis, wie werth und lieb unfern hiesigen Glaubensgenossen die französische Sache geworden ist; denn um äußerer Vortheile willen hätten die jungen Leute den Schritt nicht zu thun brauchen, da bei der völligen Einführung der französischen Gesetze sie allen andern Einwohnern völlig gleich stehen. Noch schöner aber als die jungen Leute benahm sich Marschall Vale. .Dieser

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