Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- Carl Reich-Beslau [Nachricht]
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 85 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Vücherschau 85 Geheimer SanitLLsrat Or. Sari J^irü-Bresrarr, der überaus verdiente Isrtg* jährige Vorsitzende unserer Ortsgruppe Breslau, Ehrenmitglied des CenLral-Verems, Mitglied des Zauptvorstandes, ist aus diesem Leben abgerufen worden. Reich war dem Central-Verein ein warmer Freund, ein kundiger Leiter, ein überzeugter Führer. Mit ihm ist ein guter Jude und ein prachtvoller Mensch von uns genommen. Wir werden ihn nie vergessen. Mit Der Ortsgruppe Liegnitz beklagen auch wir das Hinscheidsn eines unserer besten Mitglieder, des Herrn Fabrikbesitzers Max Schneider. Für die Verfolgung unserer Ziele ist er stets mir Mut und Entschlossenheit erngerreten. In dsrn uns aufgsdrungsnen Kampfe stand er stets in vorderster Reihe. Allen, die ihn kannten und neben ihm kämpften, wird er ein anspornendcs Beispiel sein. Sern Leben und Wirten sichern ihm in unfern Reihen ein Andenken über das Grab hinaus. Das Mitglied unseres HauptvOrstanbes, Emil BosepÄthal in Nürnberg, ist zum Geheimen Justizrat und der ftellvertretenLe Vorsitzende der Ortsgruppe München, Dr. ArUrrrS HeiLüronner, ist zum Justizrat ernannt worden. Wir sprechen beiden bewährten Freunden auch auf diesem Wege unsere Herzlichsten Glückwünsche aus. Seirrs JÄdm. Der neue dt o man b o n Rudolf Hans Barts ch. Sraackmann, Leipzig, Preis 26.— M. Es ist über ein Jahrzehnt her, seit der §. und k. Hauptmann Rudolf Hans Bartsch zürn österreichischen Dichter avancierte. Daß dieses Avancement von der „jüdischen" Kritik Wiens nicht unwesentlich gefördert wurde, daß sich ein „jüdisches" Blatt wie die „Neue freie Presse" bereit fand, die Patenschaft seines Ruhmes zu übernehmen und den Erstlingsroman „Zwölf aus der Steiermark" abzudrucken, hat er seither offenbar vergessen. Was niemand wundernehmen wird, der die raschen Wandlungen beobachtete, die Herr Bartsch durchmachte: Er vertauschte die Rolle des Heimatdichters eilig mit der Tätigkeit eines emsigen, erfolggierigen Romanproduzenten, der Jahr für Jahr sein neues Buch auf den Markt warf, Jahr für Jahr höhere Auflageziffern erreichte und bald dort hielt, daß die Verbreitung seiner Werke in umgekehrtem Verhältnis zu ihrem künstlerischen Wert stand. And da Erfolg stets das Talent und meist auch den Charakter schädigt, hält er nunmehr bereits dort, den Mangel an Einfall durch um so schärfere Witterung für Aktualität zu ersehen, seine Feder ganz in den Dienst der ZeiLk'onjunkLur zu stellen und mit fühlbarer Hintanstellung von Wissen und Ueöerzeugung Dinge und Erscheinungen zu behandeln, von denen ihm sein Verleger gewiß schmunzelnd bestätigt, daß „sie ziehen". Heute, da wir leider eine Renaissance des lautesten und dümmsten Antrsemitismus erleben, stellt Herr Bartsch flugs die Segel seines etwas brüchig gewordenen Schiffleins auf diesen Wind ein und schreibt einen antisemitischen Roman. Ich höre hier seinen entrüsteten Protest. Er wird sich gegen diese Beschuldigung heftig verwahren und erklären, in dem Buche „Seine Jüdin" nur ein durchaus literaturfähiges, rassenpsychologisches Problem, nämlich das der Mischehe, behandelt zu haben. Nun, ein gewisses literarisches Niveau sei ihm zugsstanden, schon damit ihn niemand mit den Herren Dinier, Kühn und Konsorten in einen schmutzigen Topf wirft. Allein die Art, wie er dieses Problem aufstellt und erörtert, ist nicht nur gehässig, sondern bewußt falsch und seinem eigenen Wissen und Erleben Zuwiderlaufend. Deshalb, nur deshalb ist dieser Roman eine offenkundige Spekulation auf latente Empfindungen breiter, denkfauler, unbelehrbarer Massen, eine Anbiederung an das übelste Gelichter des antisemitischen Parteipsuhls, eine literarische Brunnenvergiftung. Es spielt in Wien. Im'selben Wien, in dem Herr Bartsch als Hauptmann lebte und von dem er weiß, daß es einen gesellschaftlichen Ännsemitismus niemals kannte, so oft es auch von politischem Anti-