Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- Gefallene jüdische Offiziere im Kriege
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 80 (sequence 2)
- Language
- German
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80 Im deutschen Reich fache erklärt, daß es in der ersten Zeit des Krieges, in der notorisch die Verluste an Offizieren infolge der noch nicht durchgeführten Passung an die neuartigen Kampfnotwendigkeiten unvergleichlich höher waren als nachher, noch fast keine jüdischen Offiziere gab. Eine Ausnahme bildeten die 70 jüdischen Reserveoffiziere, die die bayerische Armee beim Kriegsausbruch hatte; und dem entspricht auch ihr die anderen Kontingente erheblich übersteigender Prozentsatz der Gefallenen. Von dieser Ausnahme abgesehen konnten sich die Juden erst in der längeren Dauer des Krieges den Offiziersrang — in wahrstem Sinne — erkämpfen, zu dem sie überwiegend aus dem Nnterossiziersrang der Gedienten, wo nicht vom ungedienten Kriegsfreiwilligen an avancierten; soweit festgestellt, waren von den Gezählten (außer Bayern) nur 19 bei Kriegsausbruch gleich Ofsizierstellvertreter. Die spätere Beförderung zu Offizieren erklärt also die niedrigere Prozentzisfer der Gefallenen unter ihnen. Bei Truppen, wo die besondere Gefährdung der Offiziere auch in der späteren Kriegführung sich nicht minderte, ist auch unter den jüdischen Offizieren l)er Prozentsatz der Gefallenen ein hoher — von den 22 jüdischen Fliegeroffizieren sind 13 gefallen. Die deutsche An einig! eit. In einem Artikel „D i e d e u L s ch e lt n - einigkei t", von Prof. T r o e lL s ch im „KunstwarL", Heft 5, finden sich folgende höchst bemerkenswerte Sätze: „Aber daß die alte Schicht für Liesen Kampf die alten Gegensätze der Vorkriegs- und der Kriegszeit vor allem galvanisiert und heute noch mit der Parole „energische Helden gegen matte und verräterische Defaitisten'' kämpft, das ist ein Wahnsinn. Auch ist es unverkennbar, daß Ludendorff in diesen Kämpfen immer noch seine Hand mit im Spiele hat und seine Politische Auffassung der damaligen Situation vertreten läßt, auch in eigenen Memoiren das seine zur Fortführung des alten Streites tut. Ueberall tauchen die alten Schlagworte wieder auf. Eben teilt die „Germania" mit, daß ein Student in einer Zuschrift an die „Breisgauer Zeitung" sich gegen Jesus als den ersten Defaitisten wendet! Gleichzeitig schreibt ein Pastor im „Reichsboten", daß Albert Ballin im Einverständnis mit den fremden jüdischen Bankiers sich in das Vertrauen des Kaisers eingeschlichen habe, um den rettenden. U-Bootkrieg zu verschieben, und schließlich, als ec sah, was er angerichtet, Selbstmord begangen habe. Dummheit und Gemeinheit! Das sind extreme Beispiele, aber etwas gemäßigter ist diese Denkweise, die der alten Herreuschichten und ihres Kampfes gegen das neue System. Einige der früheren Heerführer treten immer wieder für Versühnung und Anerkennung gemachter Fehler ein. Aber sie verlieren dann, wie der Admiral Scheer, Ruhm und Kredit. Der Eindruck auf das Ausland ist erschreckend." . Die MonatsbläLLer Nr. 11 des Sport-Club „Frankfurt 1880 e. V." vorn November v. I. betrauern den Tod zweier jüdischer Mitglieder, Otto Gut he im und Max Heß, „beide schlicht und einfach nach deutscher Art erzogen in echt patriarchalischem jüdischen Bürgersinn". GuLheim war Sieger in der deutschen Wasserbaumeifterschast, Heß ein hervorragender Rugbyspieler. Es wird uns mitgereilt, daß dem Hotel Gerth in Friedrichroda jeder anständige Gast, ob Ehrist oder Jude, willkommen ist. Das Gerücht, daß jüdische Gäste dort unerwünscht sind, beruht auf einer Verwechselung mit einem anderen Hotel. Die in. unserer antisemitischen Bäderliste aufgeführte Villa Bergfriede in Hahnenklee ist vor einiger Zeit in andere Hände übergegaugeu. Die Inhaber, Geschwister Vogel, legen Werl auf die Feftsteltuug, .d a ß sie jüdische G ä ft e sehr gerne a u f n e h m e n.