Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Article
- Ricarda Huch [Rezension]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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46 Im. deutschen Reich Diese einseitige und lieblose ilmbcutung von Tatsachen darf nicht unwidersprochen bleiben, soviel köstlich Erbauendes auch sonst in dem Buche steckt. Kaltblütig fällt die Verfasserin ihr Todesurteil über Millionen lebender Menschen, die den starken Willen 311111 Sein in sich tragen und jeden Tag aufs neue glühender bekunden. Auch sie, glaube ich, würde sich zur Wehr setzen, wenn einer zu ihr spräche: „Du, Ricarda Huch, hast in deinen Werken über die Romantik, über Luther, über das Risorgimento der Welt das Höchste geboten, was du zu verschenken hast. Dein Fall Deruga ist Zeugnis unfruchtbarster Erstarrung. Geh' und opfere dich in liebender Hingabe'. Stirb'. Schon hast du den rechten Zeitpunkt versäumt'." Auch gar manches andere mag man bestreiten, manche Folgerung nicht ziehen und Forderung nicht anerkennen wollen — so viel ist sicher: Etwas, das uns im Wirrsal einer berstenden Welt bitter not tut, fester Grund und tragende Stütze, nach der wir sehnend Umschau halben, wird uns hier: geboten. Neubelebung der Religiosität in schlichter, miver Innerlichkeit,' wie sie aus den ewigen Klängen des Bibelwortes dem ergriffen Lauschenden zuteil wird. Mit der umfassenden Fülle ihres Wissens um Weltgeschichte und Weltliteratur, mit der ihr eigenen Einsühlnngskrast in Geister und Herzen der lebenden Menschen gestaltet die Dichterin in knappen, markig gefügten Sätzen aus den — oft unscheinbarsten — Sprüchen des Alten und Neuen Testaments einen Wegweiser für unser verirrtes Geschlecht. Sie will zeigen, daß die Bibel uns nicht fernliegt als ein Buch voll alter Mythen, wndern daß sie heute und immer aus alle Menschen angewendet werden kann und soll. Für sie ist die Bibel erfüllt von höchster Vernunft, und -die Befolgung ihrer Vorschriften führt nicht zu Zwiespalt zwischen Leben, und Denken, sondern zur innigsten Einheit. Der immer wiederkehrende Grundgedanke ist, daß ein gesundes Gleichgewicht herrschen muß zwischen dem Gottes bewußtsein im Menschen und seinem Selbstbewußtsein. Gottesbewußtsein: Unterwerfung des Geistes unter Gott und seine Forderung, wie sie von den Propheten, von Mo;e bis Christus, aus immer erneuter Offenbarung heraus uns gekündet ward; Selbstbewußtsein: das selbstherrliche Sich-Verschließen vor dem heiligen Rufe, das eitle und doch Bcfeligenbe Verstocktsein, das das. Ich zum Mittelpunkt macht. Viel Erkenntnis menschlicher Beschränktheit, viel Verzicht und gläubige Ergebung ist in diesem Buch, aber auch viel Kvaft, beruhigende Sicherheit, besänftigende Weisheit. Kein Haß spricht, sondern — wenn' auch manchmal mißdeutetes — Gerechtigkeitsstreben und Verstehenwollen gegenüber dem vermeintlich Verkehrten und Gottgeist-Abgewandten. Und man fürchte auch nicht, salbadernde, moralinsaure Vlaustrumpfweisheit vorgekaut zu erhalten; fesselnd, geistvoll und doch wieder schlicht, höchst aktuell und doch wieder von Dauerwert sind die kurzen Betrachtungen, die an die scheinbar willkürlich aneinandergereihten Sprüche sich schließen. Dr. Erwin Seligmann - Frankfurt a, M. Im Strahlenglanze der Menorah. Chanukkahöuch von E. Flanter Verlag von Louis Lamm, Berlin. Zum ersten Male ist damit einem lang bestehenden Bedürfnis Abhilfe geschaffen worden, denn aus diesem kleinen Werkchen weht ein jugendlicher frischer echter Makkabäergeist. Gedichte von Morris Rosenfeld, Leopold Kompert, Lehmann u. a. verhelfen zur Chanukkahstimmung. Märchen, Erzählungen, Skizzen von volkstümlicher Kraft ergänzen mit einem Festspiel oes Herausgebers das sehr zu empfehlende Bändchen. „Aber wir Menschen sind verpflichtet, unsere Schuldigkeit zu tun, dann ist unser Gottvertrauen die beste Hilfe," ruft Vettina von Gutseld aus imb zeigt damit der heutiger»