Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1921)
- Article
- Ein Baustein
- Date
- 1921-10-01
- Page
- 287 (sequence 2)
- Language
- German
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Giu Lauftein 2*7 Zusammenbruch im Gefolge, und der Boden war bereitet für den Sieg der Gewalt über den Geist, des Mißtrauens über den Glauben, des paffes über die Liebe. Wider alle Erfahrung und Lehren des Weltgeschehens wäre es da gewesen, wenn aus mittelalterlicher Folterkammer politische Schergen nicht auch unter anderem Plunder den Judenhaß hervorgezerrt und, mit einem neuen nationalen Mäntelchen bekleidet, zur Drachensaat hinausgeschickt hätten. Und so kam, was kommen mußte! Der Judenhaß ist heute eine Tatsache, nicht ein Schreckgespenst. Sein geschichtliches Werden interessiert hier nur, soweit Lehren für die Zukunft daraus gefolgert werden. Die Zukunft aber fordert geistigen Wiederaufbau. Reißt die Sch ranken nieder, die, unsichtbar, doch um so stärker, Ausgleich und Verständigung trennen, schlagt Bresche in m a u e r d i ck e n U n v e r st a n d. Pier ist die Aufgabe, die zugleich und die allein die Lösung enchält: packet Geist und Seele, und Ihr h.a b t den Men s ch e n. Der Staat straft, wenn gesellfchaftserhaltende Gebote und Verbote übertreten werden; er rächt, warnt, schreckt ab, macht unschädlich. L)b aber die Strafe bessert, ist Problem. Knebelt einem Judengegner die Zunge, überschreit ihn in Versammlungen, macht ihn zum Gespött, erwirkt preßverbote, Gefängnisstrafen, polizeierlasse und Rcgierungskundgebungen:pabtIhreine Seeledarumgewonnen? Gewiß kann die Gesellschaft der Anwendung von Machtmitteln nicht entraten; die Folge aber: Märtyrer schafft man, die nun im Kampf um vermeintliches Unrecht noch die Begeisterung und Hartnäckigkeit mit sich bringen, die der Gedanke auch an nur eingebildete Unbill stets zeugt. Irrig ist es und kurzsichtig, in jedem Iudenhasser einen bösgläubigen Finsterling, einen unbelehrbaren Wüterich, einen lllenschen mit anderen Hirnwindungen zu wittern. Gering nur und um so ungefährlicher, je bewußter sie gegen innere Ueberzeugung handeln, ist die Zahl derer, die nicht zu überzeugen sind, weil sie nicht überzeugt werden wollen. Zahllos aber sind die Fanatiker und Schwarmgeister, die Irregeleiteten und Unaufgeklärten. Pier ist Freiland für unsereAufga b e. Werdet um ihre Seelen, und Ihr habt gewonnen. Aussichtslos und zum Scheitern verurteilt, ehe er begonnen,