Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Article
- S. M. Dubnow: Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes [Rezension]
- Date
- 1921-09-01
- Page
- 275 (sequence 2)
- Language
- German
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Büch er sch au 275 Die weitere Gliederung der ersten Hauptepoche kann Wohl für die Geschichte der deutschen Juden, gelten, nicht aver für die der Iudenbeit der Welt. So fällt z. B. in die erste Emanzipationszeit die Schaffung der AnsiedlungsrayonS und die DerfSärfung der Sonderstcucr-Gesctzgevung in Rußland: in die erste Reaktionszeit oie Aa,Hebung des „Sckrnachvollen Edists" von 1808 und damit die restlose Durchführung der Emanzipation in Frankreich. Dnbnow ist Zionist. Ganz natürlich darum, daß die gesamte Darstellung im Lichte der nationaljüdischen Idee steht. Es muß aber dankbar anerkannt werden, daß der Verfasser stets bestrebt ist, die bistorische Objektivität zu wahren und auch dem Gegner gerecht zu werden. So ist ihm die Assimilation nicht nur „das formelle Berzicktleisten des Juden auf seine von der Religiosität als solcher unabhängige -rationale Eigenart", sondern auch „daS naturnotwendige Lerfchlungenrcrdcn dcS Juden von der Kultur der herrschenden Umgebung". Andererseits cckcr ist es auch verständlich, daß bei der Darstellung einer Epoche, in der die entscheidenden Wendungen zu den Konflilten und Problemen der Gegenwart bin erfclgt, der Darsteller dem Einfluß der ihn beherrschenden Ideen erliegt, so daß der C'OlittTcr den Historiker in entscheidenden Momenten mitunter in den Hintergrund drängt. So z. B. bei der Beurteilung der Voraussetzungen und Bedingungen für Emanzipation und ihrer Folgen. Hier scheiden sich die Wege des Zionisten und Mcktzionisten. So wird der letztere z. B. in den zeitweilig besonders stark austretenden Absalltendenzen nicht etwa ein Argument gegen die Emanzipation erblicken, sondern nur eine jener ganz natürlichen Krisen, wie ste jede Umlagerung einer Bevöllcrungsschicht im politischen, sozialen und kulturellen Leben mit sich bringt. Es braucht wobl kaum bervorgeboöen zu werden, daß die offen nationaljüdische Einstellung des Verfassers seinem 'Werke nichts von der ihm eingangs naÄgerübm^en Bedeutung nimmt. Es gibt auch dem „deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" gar vieles, was er gerade jetzt sehr gut gebrauchen kann: cs zeigt uns wieder einmal die Grundlagen unserer Gegenwartskämpse im hellsten Licht: es zeigt uns ferner, daß wir neben vielen Enttäuschungen doch auch gewaltige Fortschritte buchen dürfen, und zuletzt lesen wir aus dem Werle des Zionisten T. die trostreiche Erkenntnis heraus, daß die mit Mendelssohn einsetzende, über Gabriel Riesser zu Fuchs und Horwitz führende Entwicklung doch die richtige war — weil sie eben als die geschichtlich vorgezeichnete die einzig mögliche war. H. Stern. Kattowitz. Ein Kampf um Gott. Roman von Isaac Breuer. Verlag von Sänger und Friedberg, Frankfurt a. Main. 1920. Breis M. 24,- . Ein eigentümliches Buch hat uns Breuer beschert. Vom künstlerischen Standrunkte ans ist es — rund deraus gesagt — schlecht, der Held des Buches. Heinrich Tborning. der ständig Teudenzreden hält oder sie sich basten läßt, ist eine unbeholfen naive Figur ohne Leben, ohne Saft, und der Ausgang der Erzählung — Tborning fällt nach berühmtem, aber keineswegs gutem Muster in der Schlacht — wirkt theatralisch und banal. Von Peter Eamenzind bis zu Götz Krafft baden die modernen biographischen Romane Bäte gestanden und die schönsten von ihren Gaben sind es leider nicht, die sie dem Kinde niit auf den Weg gegeben haben.?lber Breuer geizt bestimmt nickt nack literarischem Ruhm. Der Roman ist ibm nur v ine Form, um seine Gedanken über das moderne Judentum auszudrücken. Zn diesen Gedanken liegt des Buches Bedeutung, und so gewertet, verdient es Beachtung und Lob. Mit scharfer Beobachtungsgabe prüft der Verfasser die Fäden, die dom objektiven religiösen Judentum zu den Seelen der Juden hinüdergehen: er zeigt, wie dünn, wie spärlich sie sind, und in grelle Beleuchtung rückt er die Surrogate, die des bistorischen Judentums Stelle einnebmen. Das Rationaljudonrum, das Trotzjudentum, der Liberalismus der Männer, für die das Judentum sich in Verwaltungsausgaben auflöst, alle diese Anschauungen werden einer schonungslosen Beleuchtung unterworfen, und manches Wort berechtigter Kritik erklingt. Freilich kann sie — es sei dies auf eine Anfrage Hans Goslars "Tt mich ausdrücklich hervorgeboben — nicht verletzen, da sie in der Form wie im Inhalt — abgesehen von einem sehr taltlosen Urteil über Heinrich Grätz — verrät daß nur heiße Li:be zum Judentum sie bervorrief. Man wird zwar außerhalb lies engsten Kreises der Freunde Breuers seine streng orthodoxen Anschauungen vom Wesen der Gotteslebre nickt teilen, die Richtigkeit seiner Grundforderung haß wahres Judentum nur Religion, unbeirrter Glaube an den Gott Israels und die daraus sich ergebende Tat. sein kann, ist offenbar. Das Buch ist eine Kampfansage gegen alles relative Judentum von des Antisemitismus Gnaden, wie auch immer es sich nenne. Und darum sei ibm von Herzen ein empfänglicher. idealgesinnter Leserkreis gewünscht. Dr. F. G. Vorstehende Bücher sind zu beziehen durch VhUo Verlag und Brrchhaudlrmn ttz. m. d. H., ©erlitt SW 68, Liudeustratze 18. Redaktionsschluh: 6. September 1921. jerantt». f. Red., Verlag u. Inserat;: Syndikus Oe. LÜdwigHollLnder. Berlin «8. Rotationsdruck: Möller LBorek Berlin 3W SS.