Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Article
- Gabriel Rießer, ein deutscher Mann jüdischen Glaubens [Rezension]
- Date
- 1921-07-01
- Page
- 235 (sequence 1)
- Language
- German
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Bücherschan 235 Bücherschan. J a coL Seifensieder: Gabriel Metzer, Eirr deutscher Wlam jüdischen Glsrck-LAs. Verlag I. Kaufmann, Frankfurt a. M. Preis M. 17,50. Jacob Seifensieder will uns ein Bild des Lebens und Wirkens Gabriel Rreßers geben, Rießers, dessen Name noch immer ein Programm darstellt für unsere deutsch-jüdische 'Bewegung. Der Verfasser felbjt tritt in seiner Schilderung völlig zurück, überläßt vielmehr das Wort meist Rießer, wie er in seinen Reden und Schriften zu uns spricht, oder seinen Zeitgenossen, die den unmittelbaren Eindruck seiner Persönlichkeit schildern. Und gerade dadurch, daß Seifensieder sozusagen in direkter Rede schildert, entledigt er sich seiner Ausgabe am glücklichstem Denn so erhalten wir den ungebrochensten Einblick nicht nur in die Persönlichkeit Rießers, sondern auch in eine Periode der jüdischen Entwicklung in Deutschland, mit der wir heute leider nur zu viele Vergleiche Ziehen können. Der Kampf, den Rießer führen mußte, ist um nichts weniger heftig geworden: nur konnte e r noch hoffen, daß' es nur ein Kampf gegen eine rückschrittliche Regierung und Verwaltung sei, während wir trauernd erlebt haben, daß auch im freien Deutschland dem deutschen Juden das Recht an seinem Vaterland bestritten wird. Vielleicht liegt es an dieser Frontänderung — damals der Kampf gegen eine judenfeindlche Regierung, heute gegen verhetzte Massen und ihre Verhetzer —, daß wir gerade bei der Betrachtung von Richers Lebensbild eine innere Entwicklung über ihn hinaus feststellen. Er führte den Kampf als der stolze, nach höchster individueller Freiheit strebende deutsche Bürger, der es nicht .vertrug, wegen seines Judeseins in seinen Rechten verkümmert zu sein; seine Bindung an das Judentum empfand er auch rein aus seiner geistigen Persönlichkeit heraus, aus seinem Mannesstolz und seinem religiösen Empfinden. Noch heute sind unser Leitstern seine glühenden Morte, in denen er seine Zugehörigkeit zur deutschen Nation bekennt und den Gedanken des' jüdischen Voltes ab lehnt: aber wissen wir auch — und gerade die 100 Jahre Abwehrkampf seit der Emanzipation Hatzen unsere Selbsterkenntnis geschärft daß unsere Gemeinschaft eine breitere ist als die einer bloßen Religionsgemeinschaft und daß sie uns auch außerhalb des Religiösen mehr vereinen muß als zu bloßer Abwehr. Gerade weil das Rießerbuch uns so zum Nachdenken bringt, deshalb muß es gelesen werden. Es ist nicht erwähnt worden, wie lehrreich eine Betrachtung des deutschen Nationalversammlungsatzgeordneten und Kaiserdeputierten Rießer für jeden nationalen und wahrhaft demokratischen Politiker ist, wie wahr — nur zu wahr! —etwa seine Sorte über Schleswig und Elsaß-Lothringen. Nur eine Bemerkung noch: S. gruppiert seine Biographie — anscheinend ganz selbstverständlich — nach den Abschnitten: „Rießer der Jude" und „Rießer der Deutsche". Ist wirklich eine solche Teilung berechtigt bei einem Menschen, dessen Wirken als Jude und als Deutscher nur aus seiner höchst einheitlichen freien Persönlichkeit erwuchs?' The Jewisla Bogey by Lueien Wolf, London, Board o£ Beputies 1020. — The Hisfory of a Lie9 study by Hermen Bernstein* New York Ogilvie Publishing Company 192L Die Philologen weisen die riesigen Wanderungen nach, die in früheren Zeiten einzelne Stoffe der Literatur zurückgelegt haben. Indische Legenden lassen sich auf ihrem Wege durch Asien bis in das nördliche Europa verfolgen. Im vorliegenden Falle tritt mit aller Deutlichkeit., zutage, wie ein Roman die Unterlage für „Protokolle" Metet, die alsdann durch Europa: und die Neue Welt sich verbreitend tzu einem politischen Pamphlet verwendet worbei: sind. '