Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Article
- Deutscher Wehrverein
- Date
- 1921-07-01
- Page
- 229 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes - •229 sich leider vollkommen geändert. Gegen die Stimmen des Vorstandes wurde aus der Hauptversammlung am 11. 11. 1920 beschlossen-, die bisherigen Satzungen dahin zu fassen, daß als eines der Ziele „Abwehr aller unser Volkstum zersetzenden fremdrassigen Einflüsse" ausgestellt wurde. Demgemäß wurde in § 3 die Bestimmung ausgenommen: „Mitglied kann jeder deutsche Mann und jede deutsche Frau nach Vollendung des 18. Lebensjahres werden." Eingehende Besprechungen ergaben, daß das Wort „Deutsch" in dem Sinne der Antisemiten gedacht ist, die nicht anerkennen wollen, daß der deutschgeborene Jude das deutsche Vaterland nicht weniger liebt wie der deutsche Christ. Ein Verein, der einen Teil des Volkes ohne gerechte Veranlassung unter Nichtachtung hervorragender Leistungen deutscher Juden für das gemeinsame Vaterland ans seinen Bestrebungen ausschalten will, darf selbstverständlich von keinem Juden gefördert werden. UWissend oder unehrlich? Der Lau brat von Hertzüerg zitiert, um seine antisemitischen Genossen zu Geldopfern aufzureizen, ein Wort H i l l e l s wie folgt: „Wenn ich nicht für mich bin, wer soll denn für mich sein?" Und hurtig erklären die d e u t s ch v o l k i s ch e n Blätter diesen Spruch als einen „eigendienerischen jüdischen Weisheitsspruch"! Jeder dieser antisemitischen Schreiber verschweigt aber, daß Hillel fortfährt: „11 n d b i n ich nur für mich, w as^b i n i ch -dann?" Daß Hillel vor der Ueberspannung des „heiligen Egoismus" warnt, das sollten sich, gerade A n t i j e m i t en führer in e r f c n l NEseMMsche Badeorte. Gemäß früheren Berichten mußten wir das „Haus Raabenberg" ln Oberhof, Thrg., in unsere antisemitische Bäderliste einreihen. Inzwischen ist die Pension in andere Hände übergegangen, und der neue Besitzer, Herr Paul Urban, legt Wert auf die Bekanntmachung, daß ihm j ü d i s ch e Gäste sehr a n g e n e h m s l n d. Herr Max O h r e n st e i n , Inhaber des Hotels „Herzog Ernst August" in Harzburg, bittet uns mitzuteilen, daß er in diesem,Jahre das Hotel „Herzog Ernst August", das unter seinem Vorgänger ca. zwei Jahre in antisemitischem Sinne geführt wurde, übernommen hat und I u d ef e h r gerne a u f n i nt ::i t. b) Nachrichten er res dem Mdrscherr Leben. Der Neichsverband deurscher Studierender jüdischen Glaubens wurde auf einem BerLretertage der studentischen Ortsgruppen des C.-V. am 16. und 17. Mai in Berlin gegründet. Die Besonderheit unserer Arbeit auf akademischem Gebiete hatte eine straffe Zusammenfassung der studentischen Ortsgruppen unter einheitlicher Leitung als notwendig erscheinen lassen. Ter neu gegründete Reichsverband gab sich vorbehaltlich der Genehmigung des Hauptvorstandes Bundessatzungen und wühlte seinen Vorstand. — Wir wünschen dem Reichsveröande erfolgreiche Tätigkeit im Interesse der deutsch-jüdischen Jungakademiker und des ganzen deutschen Judentums. Der Kriegswaisen so n ds des „Agudas Jisroel versendet einen Aufruf, in dem um Mittel für die Waisen der Ukrainep o g r o m o p f e r gebeten wird. In diesem besonderen Fall .sehen wir von unserem Prinzip, unsere Zeitschrift den Ausrufen von Wohl- LätigkeiLsvereinen nicht zur Verfügung zu stellen, ab und weisen daraus hin, daß Spenden für diese bedauernswerten Kinder von der Direktion der Disconto-Gesellschaft, Berlin, für Kriegswaise n f o n d s (Ukraine-Hilfe), Postscheckkonto Berlin 1270 entgegengenommen werden.