Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · p. 228

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Article
Die "Deutschvölkischen Blätter" (Hamburg)
Date
1921-07-01
Page
228 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316912-2316918-2358686--32104-2358791
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

228 Im deutschen Reich Vorbehalt, daß sie räumen müßten, wenn ein Einheimischer sich für die Räume fände/' Diese Feststellungen zeigen, daß die ostjüdischen Flüchtlinge sich mit den Räumen begnügen, für welche „trotz der größten Mühe" deutsche Mieter nicht zu finden sind! Man sollte sich also hüten, von einer Verdrängung Deutscher durch jüdische Ausländer zu reden; wahr ist vielmehr, daß eben diese für eine Belegung, für eine Nutzbarmachung vorhandener, aber nicht gut gelegener Räume unentbehrlich sind, denn, wie der amtliche Bericht von den deutschen Wohnnngsuchenden sagt: „Trotz der Wohnungsnot ist man wählerisch!" Antisemiten. Im Oktoberheft v. I. wiesen wir darauf hin, daß der Buchhändler A. Frerichs, Norderney, nichts mit Juden zu tun haben wolle. Wie uns jetzt mitgeteilt wird, ist die F r e r L ch s s ch e Buchhandlung in den Besitz eines Herrn Opitz üöergegangen, der W e r t auf jüdische Kundschaft legt und sich auch eine Auswahl jüdischer Literatur zugelegt hat. Die Firma Kracklauer $ Darrnler, Nürnberg, Kalendersaörik und Buchdruckerei, lehnt es ab, Juden anzustellen, da sie „ein rein christliches Geschäft mit durchweg christlichen Arbeitern und Angestellten hat". Wie der „Hammer" Nr. 453 mitteilt, hat sich in Leipzig eine Film-Aktiengesellschaft (Burgstr. 26) gebildet, die sich „als rein deutsches Unternehmen deutscher Tat" bezeichnet. * Der Direktor und alleinige Gesellschafter Czandner der Sächsischen Klebstoffwerke Pirna a. E. hat sein Automobil mit einem Hakenkreuz „schmücken lassen". Die Kundschaft der sächsischen Klebstoffwerks, die vielfach aus jüdischen Schuhfabriken besteht, sei auf diese Tatsache hingewiesen. Die Firma F. Friedmann öl Co< (Betten- und Bettsedernhandlungj in Augsburg, Oberer Graben 6 337, hatte dem Vertreter der Herol'ö- Plakat-Gesellschaft, Berlin 27^7 23, Lessingstr. 40, einen Auftrag unter dor Bedingung erteilt, daß die von ihm vertretene Firma sich in ch r i st - lichen Händen befände. Aüf - die bejahende Auskunft erhielt er auch den Auftrag. Nach Kenntnis des Sachverhaltes har jedoch der Inhaber der Herold-Plakat-Gefellschaft der Firma Friedmann öl Co. mitgeteilt, daß er Jude sei und den Auftrag gestrichen habe. Schloß Vorormtzky. Im Oktoberheft 1920 brachten wir eine Notiz über die antisemitische Tendenz des Buches „Schloß Borowitzky" von Olga Wohlbrück. Wie uns mitgeteilt wird, bedauert Frau Wohlbrück außerordentlich, daß durch dieses Buch der Anschein erweckt würde, als ob sie antisemitischen Anschauungen huldigt. Dies sei um so mehr ausgeschlossen, als ihr erster Gatte Jude gewesen und ihre Tochter gleichfalls Jüdin sei. Das Buch sei vor 23 Jahren als Jugendarbeit entstanden und damals zur Seite gelegt worden. Auf eine Anfrage eines Verlags nach Jugendwerken, die billig zu haben seien, habe sie mit anderen Manuskripten zusammen auch den Text dieses Romans abgegeben, ohne sich des Inhalts genau zu erinnern. Auf alle Fälle läge ihr j ed e Absicht zu antisemitischer Betätigung vollkommen fern. Deutscher Wehrverein. Im August 1920 empfahlen wir unseren Mitgliedern, einer etwaigen Aufforderung zum Eintritt in den Wehrverein Folge zu leisten, weil dieser Verein ausdrücklich durch den Mund seines Vorsitzenden und einiger hervorragender Mitglieder gegen das Dirken der Antisemiten Stellung genommen hatte. Diese Auffassung'hat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.