Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Article
- Deutschvölkische Literaturgeschichte
- Date
- 1921-07-01
- Page
- 220 (sequence 1)
- Language
- German
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220. Im deutschen Reich DeuLschvSMsche Literaturgeschichte. Auch ein Beitrag zur Psychologie der Zeit. Von Mittelschullehrer H. Stern, K a t to w i tz. Herr Professor Adolf Barteln in Weimar ist uns längst kein Unbekannter mehr. Als literarischer Sachverständiger von absoluter Unfehlbarkeit für den bewußt arischen Teil des deutschen Volkes ist sein Ruf bei Freund und Feind seit Jahr und Tag gesichert, wobei jedoch zu bemerken wäre, daß dieser Ruf nur quantitativ auf beiden Seiten unbestritten ist, während sich über die Qualität bemerkenswerte Divergenzen ergeben haben. Bartels hat sich auch produktiv versucht, als Lyriker und Dramatiker, allerdings ohne besonderen Erfolg, wie er sich denn selbst gerade nicht für einen „geborenen Dramatiker" hält. Dagegen hat er als Literarhistoriker außerordentliches Glück gehabt; aber hier muß doch wahrheitsgemäß gesagt werden, daß seine fast „jüdisch" anmutende Befähigung für Selbstreklame nicht unwesentlich nachgeholfen hat. Trotz alledem ist es ihm doch nicht gelungen, nach Erich Schmidts Tode den Lehrstuhl für Literaturgeschichte an der Universität Berlin zu erlangen, obwohl er in ben Augen seiner Freunde und nicht zuletzt in seinen eigenen als der gegebene Nachfolger des feinsinnigen Gelehrten galt. Seinen verschiedentlichen literarhistorischen Werken kann auch der schärfste Gegner Originalität nicht absprechen; böse Zungen behaupten allerdings, dies sei ihre einzige positive Eigenschaft. Ihrem Wesen nach besteht diese Originalität darin, daß die gesamte Literatur vom antisemitischen Standpunkt aus betrachtet und behandelt wird. Sonderbarerweise konnte Herr Bartels aber einmal aus seiner Haut heraus, als er nämlich für den Verlag Reelam seine „Weltliteratur" schrieb; in diesem Werk findet sich, so unglaublich es klingt, kein einziger antisemitischer Ausfall. Um "so freier bewegt "sich Bartels wieder in seinem neuesten Werke „Die Jüngsten" (Verlag H. Haessel, Leipzig, 1921), einem Sonderdruck der letzten Kapitel seiner „Deutschen Dichtung der Gegenwart". Hier entwickelt sich die Eigenart deutschvölkischer Wissenschaft, und die des Herrn Bartels im besonderen, so prachtvoll, daß es sich lohnt, ihre duftigsten Blüten zu einem Sträußchen zusammenzustellen. Ausgabe der neuen „Literaturgeschichte" des Herrn Professor Bartels ist es nach seinen eigenen Worten, im Anschluß an Goldsterns bekannten „Kunstwart"-Artikel von 1912 „eine genauere Darstellung der ,Judenherrschast' zu geben, sich dabei aber Wissenschaftlich' aus Tatsachen zu beschränken". — Die „Wissenschaftlichkeit" sieht in ihren Höhepunkterr nun so aus: Walter Harlan . . . steht mit einem? im Semi-Kürschner (S. 59); Karl Hans Strobl . . . ist den Spuren H. H. Ewers gefolgt und auch dem „Berliner Tageblatt" öfter nähergekommen. Ich traue ihm nicht recht (S. 103) . . . Ich habe mir sein Bild in den Staakmannschen Gedenkblättern von 1919 angesehen und bin darüber noch skeptischer geworden (S. 131).