Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Article
- [Ohne Titel] / L. H.
- Date
- 1921-07-01
- Page
- 208 (sequence 1)
- Language
- German
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208 Im deutschen Reich In Badeorten begeistern sich gerade in diesem Sommer deutschvölkische Kreise dadurch, daß sie an jedem Tage rat Kurgarten oder in WeinwirLschaften das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" spielen lassen. Wer sich dann nicht auf das Kommando einer kleinen Minderheit erheben will, wird bedroht, zum Juden gestempelt, auch wenn er es nicht ist, geschlagen und verhöhnt. In den judenseindlichen Zeitungen wird dann regelmäßig dem Publikum das vaterlandsfeindliche Verhalten des Judentums an solchen entstellten Beispielen vor Augen geführt. Diese Dinge geben dem Vaterlandsfreund Anlaß, über den jetzt teilweise zur Herrschaft Ns-udogelangten Pseudo-Patriotismus^) zu klagen und aus Abhilfe DatiionsmusgU ^falten. Selbstverständlich wird gerade in Zeiten wie den jetzigen, da unser Vaterland ge treten undgeknechtet am Boden liegt, jeder alle A e u ß e r u n gen begrüßen, die unser S i n n e u u n d Trachten den. Ä u f b a u unserer Heimat g e n e i g t e r m a ch e n. Selbstverständlich w e r d eu ferner bei jeder Feier, die dem Gedenken unserer Hei ni a t gilt, alle ehrlich d enke n d e n Deutschen nichtn u r A n st andsgründe, sondern inneres, herzliches Gefühl veranlassen, sich zu erheben, wenn die Weise „Deutschland, Deutschland über alles" erklingt. Wie haben aber die deutschvölkischen Kreise dieses Lied geschändet, und wie suchen sie den nach jeder Richtung hin guten Klang dieses Liedes in der Oeffentlichkeit parteipolitisch auszunutzen? Es ist allgemein bekannt, daß der Verfasser dieses Liedes, der Dichter Hosfmsnn von Fallersleben, jedem Nationalismus, jedem Jude n haß, jeder Z u r ü ck s e tz u u g einzelner Volksschichten im .Herzen a b gene i g t gewesen ist. Trotzdem mußten wir es oft genug erleben, daß weinselige Brüder in irgendeiner Ecke eines Lokals das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" nur angestimmt haben, um Lärm hervorzurufen und die Anwesenden zu zwingen, entweder aufzustehen oder aber sich Schmähungen auszusetzen. Das ist keine Vaterlandsliebe mehr, sondern ein Mißbrauch berechtigter und schöner Gefühle für das Vater- *) In einigen Monaten werden wir den Nachweis veröffentlichen, daß die in den judenfeindlichen Zeitungen unter Rubriken wie „Aus unserem völkischen Beschwerdebuch" oder „Wie die Juden sich benehmen" enthaltenen Angaben zu neun Zehnteln gefälscht sind oder sich ans Persönlichkeiten beziehen, welche mit dem Judentuni nie etwas zu tun gehabt haben.