Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Article
- Eine Unterlassungsklage
- Date
- 1921-04-01
- Page
- 136 (sequence 1)
- Language
- German
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Jo> deutscken Reich ISL BermischLes. A) Zuderrferndliches nnb Arrderrf^eN?Td!iches. Eine UrrterlassuuZsklLM mit politischem Hintergrund wurde dieser Tage vor dem Landgericht München I verhandelt. Unter dem Titel „K /eines A n sch r i f t e n b u ch von München als täglicher Begleiter für aüe Einkäufe bei deutschen Firmen mit einer Zusammenstellung deutscher AeWzte und Rechtsanwälte" hatte die D e u t s ch v ö l t i s ch e B e r l a g s g e n o s s e n s ch a f t m. b. H. ein Verzeichnis herausgegeberp, das laut Angabe im Vorwort jene Firmen angeben sollte, die „wirtlich deutsch, d. h. vollständig ohne jüdischen Einfluß find". Das Verzeichnis war aber so wenig gründlich hergesteül^ daß es eine ganze Anzahl jüdischer Firmen und Aerzte enthielt. Diese fühlten sich dadurch gekränkt und in ihren Berufsinteressen beeinträchtigt, daß ihre Namen in dem mit dem Hakenkreuz geschmückten und offensichtlich antisemitischen Zwecken dienenden Buch mitaufgeführt waren, als üb sie ihre Zugehörigkeit zum Judentum verheimlichen wollten, und stellten gegen den Verlag Klage auf Unterlassung weiterer Verbreitung des Buches, solange ihre Namen darin aufgeführt sind. Antragsgemäß erließ das Gericht zunächst eitle e i n st u> e i l i g e Verfügung, durch die dem Verlag unter Strafandrohung verboten wurde, das Buch weiterzuverbreiten, solange darin die Namen der jüdischen Kläger nicht unkenntlich gemacht würden. Im nachfolgenden Haupttzerfahren unterwarf sich dann der beklagte Verlag dem Klageanspruch im vollen Umfang, verpflichtete sich bei Vertragsstrafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung das Verzeichnis mir den jüdischen Na me nnicht mehr zu verbreiten und die Prozeß ko st en zu tragen. Der Mißerfolg dieses Boykottverfuches dürfte all denen zu denken geben, die es in unserer Zeit innerer Zerrissenheit für gut finden, politische Streitpunkte ins Erwerbsleben hineinzutragen. „E§Zs mh PsLuZ'ft In Nr. 6 der landwirtschaftlichen Zeitschrift „Egge und P f l u g", Verlag Egge und Pflug, Isernhagen-Hannover, finden wir folgenden antisemitischen Erguß: „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein! Einen herzerquickenden Gruß, der voll und ganz unseren Beifall findet, sendet der „Miesbacher Anzeiger" unseren Berliner Ostjuden, die sich so gern als Berliner Preußen aufspielen, insbesondere Herrn Tucholsky, dem ehemaligen Leiter des Ber!iner „Ulk". Wir wollen und können unseren Lesern die erfreuliche Epistel nicht vorenthalten; man höre also: „Reisende, meidet Bayern! Das ist die Aufschrift von einem Schmotzes, was geschrieben hat der Chaim Wrobel, alias Teiteles Tucholsky, alias Jsak Ächseldufin der „Weltbühne" in der Spreestadt Berlin. Er ist, wie alle Neu-Berliner aus Krotoschin in Galizien, wo mau mit der linken Hand den Hintern kratzt und mit der rechten Hand in der Nos bohrt. Der Wrobel beschwört die Mischpoche vom Kurfürstendamm, daß sie nix mehr nach Bayern fahrt. Er haißt uns eine Partikularistenblase. Nämlich mir sennen Preißenhasser und der Teiteles ist a Preist, sagt er, und er vertritt den Standpunkt von em Preißen. Haißte Preist! Wie noch regiert hat der Friedrich der Grauste, nicht der Ebertleben, da sennen diese Preußen, noch in de galizischen Mistgruöen gelebt und ans die Bäume gewohnt.