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Im deutschen Reich · 1921-04-01 · Heft 4 (April 1921) · p. 128

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 4 (April 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-04-01
Page
128 (sequence 4)
Language
German
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128 8® deutschen Reich Mangel an Juden „Juden, Prötesrauren und Freimaurer^ des ersten Kaiserreichs die wiedererlangte Macht zu mißbrauchen fortsuhr und so den Widerstand der Volker ömi neuem weckte. Bemerkenswert ist indessen, daß die ba malige Legende noch die Juden nicht keimt. Philosophen, Freimaurer und Jlluminaten — unter den Philosophen, d. h. den französischen Aufklärern des 18. Jahrhunderts, deren Ideen in der Tat, übrigens, wie bekannt, durchaus nicht geheim, die Revolution vorbereiteten, war kein einziger Jude, keiner von ihnen nahm sich der Juden im besonderen an, kaum daß Montesquieu sich einmal über die Verbrennung eines Marannen aufregte. In den Freimaurerlogen befanden sich dazumal ebenfalls keine "Juden^ auf die man die ganze Verantwortung für die Tätigkeit diejer Körperschaften hätte abladen können. Ebensowenig hatten bte Juden etwas mit den Jlluminaten zu tun. So blieben die Juden in der Epoche der Großen Revolution völlig aus dem Spiel. Indes haben die wirtschaftlichen und kulturellen Umwälzungen der ersten Hälfte des IO. Jahrhunderts, mehr noch als die politischen, die Emanzipation der Juden immer mehr zur unabweislichen Notwendigkeit -gemacht, der sich die reaktionärsten Staatengeöilde nur mit Mühe entziehen konnten. Die Juden nahmen den Kampf für ihre Gleichberechtigung mit großer Energie auf, — und das j echste Jahrzehnt des verflossenen Jahrhunderts beseitigte nach und nach die alte Rechtlosigkeit, die sogar in dem auwkratisch regierten Rußland unter Alexander II. mildere Formen anncchm und auch dort bald verschwinden Zu sollen schien. Die Revolutionen von 1830 und 1848, obwohl sie einen ausgesprochen bürgerlichen Charakter trugen und nicht einwar antimonarchisch waren, ließen trotzdem die alte Legende von der „Verborgenen Hand" wieder ausleben. Auch diesmal war es eine Trias von Umstürzlern, die das Unheil über die Welt gebracht hatte; aber die Stelle der Philosophen und Jlluminaten nahmen die Juden und die Protestanten ein. Also Freimaurer, Juden und Protestanten, gesührl vom Großmeister Palmerston, hatten diese Leiden Revolutionen angezettelt. Die ganze englische Nation stand dahinter, nicht nur weil sie protestantisch ist, sondern weil sie „bekanntlich" von den 10 verlorenen Stämmen Israels ihre Herkunft ableitet. Sehr ausführlich begründete diese These GougenoL des Mousseaux in seinem 1869 erschienenen Werke: „I-s Juli, le Judaisme, et la Judaisation des peuples chretiens". Dieser heute fast ganz vergessene Schmöker ist ein wunderlicher Mischmasch von abgeschmackter Phantastik, kindischer Politik und krankhaftem Judenhaß. Danach ist die ganze lebende Staats- und Wirtschaftsauffaffung eine Schöpfung der Juden, die sich in den Kopf gesetzt haben, die ganze Welt zu judaisieren. Je mehr die Forderungen nach dem Rechtsstaat, nach Konstitution, Teilung der Gewalten, Parlamentarismus, Ministerverantwortlichkeit, Geschworenengerichte, sozialen Reformen, allgemeinem Stimmrecht usw. verwirklicht werden, desto mehr nähert sich die christliche Welt der Verjudung, und wenn alle diese Ideale einmal verwirklicht sein werden, dann werde das Christentum in Europa abgedankt und oas Judentum den Thron bestiegen haben. Die Anschauungen des wackeren vorsintflutlichen Ritters fanden in gewissen, ganz obskuren katholischen Kreisen einigen Anklang, von den denkenden Katholiken aller Länder wurden sie jedoch schroff und höhnisch abgelehnt, in de? richtigen Erwägung, daß der Autor ihrer Religion den schlechtesten Dienst erwies, indem er sie als den Todfeind aller Völkerfreihe'tt und allen politischen Fortschrittes hinstellte. Die beste Antwort gab darauf ein Menschenalter später Leo XIII., als er den französischen Katholiken die aufrichtige Aussöhnung mit der Republik empfahl und in der Enzyklika Rerum Novarum sogar gewisse Forde-

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