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Im deutschen Reich · 1921-04-01 · Heft 4 (April 1921) · p. 126

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 4 (April 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-04-01
Page
126 (sequence 2)
Language
German
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126 Im deutschen Reich Wiedererwachter mittet* alrerlicher Aberglaube Der Jude als unterirdisches Gespenst GeschichtSphilosophie für Kinder ist, gegenseitig widersprechen und einander aufheben. Der eine Zug stammt aus dem tiefen Mittelalter, der andere ist von allermodernster Prägung. Einerseits wird der Jude hingestellt als ein wandelndes Rätsel, jeder einzelne steckt voller Geheimnisse, voll verborgener Pläne und versteckter Absichten. Andererseits ist er die leibhaftige Verkörperung des Radikalismus und Extremismus in allen seinen Abarten, des politischen, religiösen, sozialen und wirtschaftlichen äußersten linken Flügels, also einer Geistesrichtung, die nichts Nebelhaftes und Geheimnisvolles verträgt, sondern im grellen Sonnenlicht einherschreitet und ihre um* stürzlerischen Ansichten in allen Gassen mit lauter Stimme hinausschreit. Im Mittelalter war die düstere Gestalt des sagenumwobenen „ewigen Juden" das Abbild des Volkes Israel, welches sich vor jeden seiner Söhne hinstellte und ihn in der Einbildungskraft der Völker als einen Verfemten, mit furchtbarem Schicksal Beladenen erscheinen ließ, der die geheimnisvolle Bürde eines schauerlichen Verbrechens mit sich herumträgt, nicht leben und nicht sterben kann und im Diesseits zur ewigen Heimatlosigkeit, am Ende der Tage zur ewigen Höllenqual verurteilt ist. Jetzt wird in der ganzen Welt eifrig an einer neuen Judenlegende gesponnen, die jeden Juden als Mitglied eines geheimnisvollen Verschwörerbundes erscheinen läßt, der verborgenen Gesetzen gehorcht und ein doppeltes Leben führt. Einerseits wird über die „Ubiquität" der Juden geklagt: sie wären überall zu finden, drängten sich überall vor, scheuten die weiteste Oeffentlichkeit nicht — aber dieses ihr Verhalten ist nur Schein. In Wirklichkeit brütet jeder von ihnen geheimnisvolle Pläne aus, schmiedet Ränke und sinnt im stillen über die besten Mittel, die Welt zu verderben und die ganze christliche Gesellschaft Europas und Amerikas zn vertilgen. Hunderte, Tausende von Juden sieht man in den Straßen Berlins, in den Geschäften, Werkstätten, Fabriken, Banken, aus der Börse, in den Kaffeehäusern, Versammlungen, auf den Straßenbahnen hastend, drängend, gestikulierend, schreiend — lauter Schein, um der christlichen Menschheit Sand in die Augen zu streuen. Im Schädel eines jeden von ihnen lauert verborgen eine Schar unheimlicher Gedanken, daheim im stillen Kreise von Frau und Kindern, wenn die Genossen zur mitternächtlichen Stunde sich versammeln, raunen sie einander zu, was sie tagsüber ausgeheckt haben zum Verderben der „Gojim" und zur Aufrichtung der Judenherrschast über die Welt. Und in diesem Punkt berührt sich das mittelalterlich Gruselige mit dem hochmodern Gefährlichen, der jüdische Okkultismus vermählt sich mit dem Radikalismus der Juden. Die Hauptstraße nämlich, die zur Verwirklichung der Judenweltherrschast führt, ist in neuerer Zeit die Revolution. Me Revolutionen sind ein Werk der Juden. Das war immer so gewesen. Die Weltgeschichte wird nach rückwärts rekonstruiert, und man kommt dahinter, daß die „Verborgene Hand" der Juden das Räderwerk aller Umwälzungen getrieben hat. Daß es „die Juden" sind, welche die deutsche Revolution gemacht haben und von Moskau aus die Weltrevolution herbeiführen wollen, liegt so deutlich zutage, daß es jeder Blinde mit eigenen Augen sieht, und von der Gegenwart fällt ein Licht auf die Vergangenheit. „Die Unruhe der Welt" (the world’s unrest), wie die „Morning Post", das Organ der Londoner Reaktionäre, sich poetisch ausdrückt, sind die Juden. Merkwürdig, daß die deutschen Reaktionäre, die sich um die „Deutsche Zeitung", „Deutschlands Erneuerung", „Deutsche Tageszeitung", „Völkischer Beobachter" usw. gruppieren, dieselbe Lehre verkünden wie die „Morning Post", obgleich dieses Organ den unversöhnlichen Haß gegen Deutschland schürt und die unbarmherzigsten Maßregeln fordert. Auf Originalität kann diese Erklärung der geschichtlichen Welträtsel keinen Anspruch erheben. Die „Verborgene Hand"' stammt aus der Zeit

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