Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Article
- Nachschrift
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 31 (sequence 2)
- Language
- German
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81 „Vom natioHarbeutfdjien Juden" sich erschließt. Wer nach dieser Richtung hm zu zweifeln vorgibt, erweist dem Judentum einen recht schlechten Dienst und den Antisemiten einen vortrefflichen. Und wer den Anschein erregt, daß solches Bekenntnis des Centralvereins zwar vorliegen möge, aber augenscheinlich bedeutungslos sei, da es ja noch immer Antisemiten gebe — der ist um seine politische Naivität zu beneiden oder vielleicht ist seine Naivität auch zu beklagen. Er sieht nicht, daß der Antisemitismus eine Waffe der Reaktion ist, die diese nicht ableaen kann, ohne sich selbst preiszugeben; es ist seine letzte, seine wirkungsvollste Waffe, weil sie geschmiedet ist aus jahrtausendalten, ererbten Vorurteilen, die erst in Jahrzehnten und Jahrzehnten unter der Einwirkung einer neuen Weltbelrachtung und neuer Weltverhältnisse gänzlich stumpf werden wird. Und auch die nutzlosen Ausführungen von Herrn Dr. N. werden diese Entwicklung nicht beschleunigen. Endlich die Frage der Ostjuden! Was verlangt denn Herr Br. N.i Er scheint nicht zu wissen, daß die deutschen Grenzen gegen Osten gesperrt sind, und zwar seit sehr langer Zeit, und er scheint nicht zu wissen, daß gegen diese Sperre der Grenzen niemals seitens des Centralvereins ein Einspruch bei der Regierung erhoben worden ist. Würde er über die Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Eentralverein sich unterrichtet haben, so könnte er aus diesen Tatsachen einen Vorwurf nicht ableiten. So bleibt noch übrig, sieh darüber zu verständigen, wie jene O-stjuden oder auch östlichen Einwanderer behandelt werden sollen, die sich aus der Zeit vor der Grenzsperre in Deutschland befanden. Da ist zu unterscheiden. Sollen jene cmsgewiesen werden, die lange vor dem Kriege in Deutschland sich unter Zustimmung der Polizei und der oberen Behörden befunden haben? Sollen jene ausgewiesen werden, die Hmdenburg und Ludendorsf aus Oberost, aus Litauen, zum Teil gewaltsam oder doch mit sanftem Zwange nach Deutschland transportieren ließen, um besonders in unseren Munitionsfabriken die Verteidigung Deutschlands zu fördern und zu stärken? Auch im Völkerleben ist der Anstand nicht nur anständig, sondern auch klug; vor allem für ein Volk, das fast entwaffnet ist, wie das deutsche, und dessen letzte Waffe die Pflege menschlich-vornehmer Gesinnung überall in der Welt sein muß: natürlich um ihrer selbst willen, dann aber auch als allerletzten Schub des eigenen Daseins. Es sieht — vom antisemitischen Standpunkt betrachtet — sehr patriotisch aus, zu empfehlen: Heraus mit den 'Ostjuden, die bereits hier sind in Deutschland; und solche Forderung ist doch nur politisch gänzlich kurzsichtig. Deutschland ist heute aus die Sympathie der anständigen Menschen überall in der Welt zu seinem Schutze angewiesen. Die antisemitische Roheit, Schutzlose zu vertreiben, wird die Sympathie für Deutschland nicht erhöhen. Und wohin mit ihnen? Und welche Kurzsichtigkeit ist solche Ausweisung —- von aller Humanitär abgesehen — aus politischen Gründen? Wir wissen nicht, wie viele Deutsche — Christen und Juden — infolge des Krieges auszuwandern gezwungen sein werden. Wir wissen aber, oder wenigstens jene wissen es, deren Beziehungen zum