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Im deutschen Reich · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. 9

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Article
Zwei "kräftige Irrtümer" im Antisemitismus und Alldeutschtum
Date
1921-01-01
Page
9 (sequence 9)
Language
German
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Zwei „kräftige JrrLümer - im Antisemitismus und Alldeutschtum 9 griechischen- Denkens, erst viel später, in der pseudo-aristotelischen Schrift^,,Vonder Welt", zum Bewußtsein und zur Darstellürig^>. ' Doch blicken wir jetzt endlich auf die inne r li ch ste Seite an der Kultur! Haben da die Serniten nichts geleistet? -('Nun^züm Geriete-der Kultur'.gehört auch die Religian. . ' Und hat nun bei der Ausgestaltung der allein befriedigenden, m der Religion gipfelnden Weltanschauung der semitische Menschheitsstamm nicht eine F ü h r e r r o l i e verwalten dürfen? Er hat'es nicht als Ganzes, aber in einem seiner Zweige, dem Volke der Hebräer, getan. Man bedenke doch nur erstens, daß in dieser einzigen Natioü innerhalb der antiken Völkerwelt der Monotheismus zur allgemeinen Bolksreligion geworden ist, während er in Griechenland nur von einzelnen erlesenen Geistern (z. B. Xenophanes, Athenagoras, Sokrates) erschaut wurde und diese dafür der Irreligiosität angeklagt wurden! Man bedenke zweitens, daß die israelitische Nation allein inmitten aller umwohnenden Völker den Grundsatz zum Siege gebracht hat, daß die Gottesbilder dem erhabenen -Geistwesen Gottes widersprechen! Man bedenke ferner drittens nur wenigstens auch noch dies, daß in Israels Geistesgeschichte ein r e l i g i ö s o r i e n L i e r t e s Grün dg es e tz verkündet wurde, zu dem auch nicht einmal die-Babylonier ein Seitenstück Beft^en14), daß in dieser Geistesgeschichte religio s e Sprecher von außerordentlichem H o ch f l u g d e r I d e a I e (ebenda, S. 84 f., 88, Ulf.) ausgetreten sind, und daß ihre Zukunftsbilder in der christlichen Religion zur organischen Verwirklichung gelangt finbl Also wäre, es eine Verkennung und Vergewaltigung der Geschichtstatsachen, wenn geleugnet werden sollte, daß durch die Vermittlung des hebräischen Volkes dem geistigsten Teile am Kulturgebiete eine Reihe von wichtigsten Fermenten zugeführt worden ist. So meine ich aber, in aller Kürze hinreichend deutlich aufgezeigt zu haben, wie das richtige S ch l u ß u r t e i l ü b e r d i e B e z i e h u n g v o n R a s s e u n d K u l L u r zu lauten hat: Erstens haben alle Menschheitszweige als Mitgift für ihr geschichtliches Dasein die Befähigung bekommen, die Kultur als deren Frucht zu erstreben, nur sind die einen durch die Gunst ihres Standortes und den Einfluß ihrer geschichtlichen Berührungen frühzeitiger als die anderen zur Ausbildung dieser Frucht gelangt. Zweitens aber sind die Menschheitszweige, die an der aktiven Förde fix it g des Kulturfortschrittes der Menschheit sich beteiligt haben, nicht so wenige an Zahl> wie neuerdings von manchen mit partikularistischer Engherzigkeit und.geschichtswidrigem Eigendünkel gemeint wird. ^) ________________ . . iH tzldalb. Merr in den Verhandlungen des XIII. Internationalen Orientalisten-Kongresses (1904), S. 1958 s. ... : : 1;4) Den Beweis kann man in meinem Schrift'chen „Friedrich Delitzsch, ,Me grüße Täuschung kritisch beleuchtet" (1920), S. 29 s. finden. ^) Ein zweiter diesen ergänzenden Artikel wird folgen.

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