Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Article
- Judenstatistik im Roten Kreuz
- Date
- 1920-11-01
- Page
- 360 (sequence 2)
- Language
- German
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360 Im deutschen Reich uns reklamiert worden. So dürfte es auch bei den anderen Vereinen gewesen sein, zumal da nicht diese, sondern die Territorialdelegierten (Oberpräsidenten. Polizeipräsident von Berlin) über die Einstellung in die freiwillige Krankenpflege entschieden haben. Ob in einzelnen Lazaretten das-jüdische Personal überwog, entzieht sich unserer Kenntnis. In unserm Verbände betrug am 1. November 1918 die Zahl der jüdischen Mitglieder 440 bei einer Gesamtzahl von 4315. Diese Zahlen wurden in dem gedruckten Tätigkeitsbericht des Berliner Verbandes, Dezember, 1918, auch veröffentlicht. Sollte diese Zahl verhältnismäßig hoch sein, so erklärt sie sich zur Genüge daraus, daß die Juden für den Heeresdienst im allgemeinen körperlich wenig geeignet sind. Es ist eine unverzeihliche Leichtfertigkeit, zu behaupten, daß das Rote Kreuz eine Aufnahmestation für Drückeberger gewesen sei. Es wird Zeit, dieser Legende einmal enlgegenzutreten. Bei dem großen Bedarf an Krankenpflegepersonal wurden in den letzten Jahren alle, die sich noch ausbilden ließen, in die Etappe geschickt, wo sie es recht schwer hatten. Es waren dies ausschließlich a.-v.- und g.-v.-Leute, die, wenn sie in den Militärdienst eingetreten wären, zumeist in der Heimat geblieben sein würden. Wenn vereinzelt Mißbräuche vorgekommen sind, so war dies nur unter Mitwirkung militärischer. Dienststellen möglich." „Der Türmer". Wir sind genötigt, unsere Mitglieder erneut auf die bekannte Monatsschrift „Der Türmer" hrnzuweisen, die nach längerer Ruhepause in letzter Zeit wieder sehr stark dem Antisemitismus ihre Spalten öffnet. „Deutsches Wochenblatt". - In letzter Zeit sind uns Beschwerden darüber zugegangen, daß die Verkäufer des „Deutschen Wochenblattes" auf dem Potsdamer Platz und in anderen belebten Straßen das Blatt unter den gemeinsten Schmähreden gegen die Juden anpreisen. In einer Beschwerde hat uns der Polizeipräsident mitgeteilt, daß die Beamten einem derartigen Treiben der Verkäufer energisch entgegentreten werden. Wir bitten unsere Berliner Mitglieder, auf das Verhalten der Verkäufer zu achten und uns antisemitische Ausschreitungen beim Verkauf deH „Deutschen Wochenblattes" sofort mitzuteilen. b) Nachrichten ans feem xLdrschen Leben. Am 26. September d. I. veranstaltete der Breslauer Bund jüdischer Frontsoldaten auf dem Ehrenfriedhofe der Synago'gen-Gemeinde. in Breslau-Cosel, wo 134 jüdische Kameraden beerdigt sind, eine erhebende Gedenkfeier zu Ehren der Gefallenen. Sämtliche Behörden hatten dazu Vertreter entsandt. Unter anderen waren der Kommandeur der Befehlsstelle 6, Generalmajor Höfer, und der Oberpräsident der Provinz Schlesien erschienen. Unsere Ortsgruppe war durch eine Deputation von vier Vorstandsmitgliedern vertreten. -Eine vieltausendköpfige Menge umgab den Platz. Nach dem Vortrag des Largo von Händel, einem Gebet des Rabbiners Or. Saenger (früheren Feldrabbiners) und einem vom Oberregisseur Arnfeld wirkungsvoll vorgetragenen Prolog hielt der Bundesvorsitzende, Leutnant der Res. Ür. Fränkel, eine ergreifende Ansprache. Mit dem vom Rabbiner gesprochenen, von der tausendköpfigen Gemeinde respondierten Kaddisch des Rabbiners schloß die in allen Teilen äußerst eindrucksvolle Feier. Der Bund jüdischer Frontsoldaten m Chemnitz veranstaltete am 10. Oktober eine gleiche Gedenkfeier, auf welcher der ehemalige Feldrabbiner Dr. Klein eine tiefempfundene Gedächtnisrede hielt. Chorgesang und. Ansprachen von Dr. Werner vom Bundesvorstand Berlin und "Kommerzienrat L a d e w i g - Chemnitz beendeten die erhebende Feier.