Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Article
- Hauptvorstandssitzung des Centralvereins am 24. Oktober 1920
- Date
- 1920-11-01
- Page
- 351 (sequence 2)
- Language
- German
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Geistlichkeit und Antisemitismus 351 in immer weitere Kreise dringt und damit auch die Opserbereitschaft steigt, muß die Finanzlage immer mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet werden, da wir einen Kampf gegenüber einem Gegner führen, der in der Lage ist, rücksichtslos alle Finanzquellen zu eröffnen. Es wurde hier eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die für die zukünftige Gestaltung unserer Finanzwirtschaft grundlegend sein werden. Natürlich ist die Durchführung dieser Beschlüsse nur dann möglich, wenn die Opferwilligkeit unserer Freunde nicht erlahmt. Allseitig wurde betont, daß eine wesentliche Erhöhung der Beiträge eine unerläßliche und unbedingt zu erfüllende Voraussetzung für die Fortführung unserer Arbeit sei. Mit dem Palästinaproblem befaßte man sich in längerer Aussprache, die wichtige Richtlinien für die zukünftige Stellungnahme des.Centralvereins ergab. Die Verhandlungen wandten sich dann der Erörterung der Problems der Jugendbewegung zu. Man muß sich darüber klar fein, daß heute mehr denn je die Jugendbewegung ein integrierender Bestandteil unseres Lebens ist. Bestimmte Strömungen in der Jugend lassen eine sehr eingehende Orientierung aller Aeltercn über diese Probleme wünschenswert erscheinen. Es darf gesagt werden, daß über die Stellung des Centralvereins Zu den verschiedenen ihm nahestehenden Jugendorganisationen eine zweifellos alle befriedigende Klärung herbeigeführt wurde. Den stark - aufstrebenden studentischen Ortsgruppen des Vereins wurde überdies ihr Wunsch, auf Schaffung einer besonderen Zusammenfassung innerhalb der Organisation erfüllt. Eine arbeitsreiche Tagung liegt hinter uns. Nicht nur geschäftliche, sondern auch prinzipielle Fragen wurden erörtert und geklärt. Wir hoffen, daß die Beschlüsse den Weg zu weiterer erfolgverheißender Arbeit eröffnen. a. Geistlichkeit und AntiseMitisrrms. Der Verband Groß-Berlin er Ortsgruppen des Centralvereins hatte seine Mitglieder am Montag, den 18. Oktober, nach der Philharmonie geladen, wo Geistliche der drei Konfessionen zum Antisemitismus Stellung nehmen sollten. Lange vor Beginn war der Saal überfüllt, so daß eine Parallelversammlung im Hause der „Gesellschaft der Freunde" abgehalten werden mußte. Ueber den glänzenden Verlauf der Versammlungen lassen wir die Berichte einiger Berliner Tageszeitungen folgen. Die „V o s s i s ch e Z e i t u n g" vom Dienstag abend "schildert den Verlauf folgendermaßen: „Der Andrang war so groß, daß eine Parallelversammlung veranstaltet werden mußte. Pfarrer i)r. Diettrich betonte, daß er den Antisemitismus aus Gründen der Logik, der Mora! und der Religion verurteilen müsse. Asoziale Elemente, Schieber. Drückeberger und Kriegsgewinnler gebe es in allen Lagern. Die am lautesten gegen die „jüdischen Schieber" "schreien, wollten nur die Aufmerksamkeit von'.ihrem eigenen Tun ab-