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Im deutschen Reich · 1920-10-01 · Heft 10 (Oktober 1920) · p. 327

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 10 (Oktober 1920)
Article
Dämmerung? [Rezension]
Date
1920-10-01
Page
327 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschau 327 Uhlwardt u. Gen." Adam Röder wieder, sin von jeher konservativer Jsurnaltst, rückt in feiner Schrift: „Der deutsche Konservativismus und die Revolution" aus anderen Gründen vom Antisemitismus ab. Er sagt: „Es geht-wirklich nicht an, in einer Periode, in. der die schamlose Ausbeutung aller durch alle geradezu als Grundsatz betrieben wird, die Juden im besonderen der Ausbeutung zu bezichtigen. . . . Nur Unkenntnis oder bewußte lügnerische Agitationsmethode kann von einer besonderen Schuld der Juden sprechen. . . Einen Sündenbock herauszustellen, M beguem, aber unzulässig." - Am vernehmlichsren aber klingt die Absage aus dem Munde des als Feuilletonift und feinsinniges Ueberfetzen bekannten Fr. von Oppeln-Bronilow skr. Indem er über seine. S ch r i s t „Antisemitismus? eine un« parteiische Prüfung des Problems", die sie wirklich ist, (Deutsche Verlagsges. f. Politik u. Geschichte) das alte Huttenwort „ich hab's gewagt!" als unsichtbares Motto setzt, ist er sich bewußt, bei denjenigen seiner Freunde Lauben Ohren zu predigen oder -sich ihrer AechLung auszusetzen, die Kampf bis zur Vernichtung des Judentums zu predigen für ihre vornehmste vaterländische Pflicht halten. Wenn Fr. v. Oppeln-Bronikowski den sich als besondere „Richtung" gebärdenden Antisemitismus als einen großen Unsinn, eine Sackgasse brandmarkt, aus der nur ein entschiedenes Zurück die Hineingeratenen vor Len schLimmsten Torheiten zu bewahren vermag, oder den ganzen Raffenfauatismus damit richtet, daß bei der übrigen Bevölkerung Deutschlands am wenigsten von einer einheitlichen Raffe gesprochen werden könne, oder den angeblichen Internationalismus der Juden als . nicht vorhanden nachweift, indem der im Grunde seines Wesens durchaus konservativ gerichtete Jude Ln allen Lagern zu finden sei und auch auf der Rechten zu finden wäre, wenn er nicht von dort systematisch ferngehalten würde — eine Taktik, die überhaupt den von vielen geforderten Verschmelzungsprozeß der Juden erschwere, oder bei Ausschaltung der jüdischen Intelligenz als eines produktiven Faktors eine völlige Verarmung Deutschlands in Handel, Kunst und Wissenschaft prophezeit, oder seinen Freunden sonftwelche nützliche, in vorbildlich vornehmem Ton gehaltene Lektion erteilt, so gibt er damit einen Mutöeweis, der seinen Wert nicht nur in sich trägt, sondern ihn in besonderem Grade von der ihm zugrunde liegenden Ehrlichkeit der Gesinnung und wissenstiefen Reise der Erfahrung empfängt. Auch dem nachdenklichen Juden hat die ganz auf Verständigung gerichtete Schrift, deren Tendenz es ist, die uns aus Dummheit oder Böswilligkeit bisher verrammelte Tür nach rechts zu erschließen, mancherlei zu sagen. Vielem, was ihr bekannter Verfaffer von der Höhe seines weltweiten Aniversalismus — und nur ein solcher sollte über ein so vielfach verästeltes Problem wie den Antisemitismus mitsprechen dürfen — verkündet, wird man unbedenklich zuftimmeu: Zionismus, Ostjudenfrage, um nur zwei der die Welt am meisten bewegenden Kapitel herauszugreifen, werden mit einer für einen Nichtjuden ausfallenden Objektivität behandelt, die wohltuend berührt. Daneben steht anderes, der Berbefferung oder Ergänzung Bedürftiges. Herr v. Oppelu-Bronikowski weist einmal, und zwar wiederum in der besten Absicht, auf die große geschichtliche Bedeutung des Judentums hin, die Achtung verdiene, vorausgesetzt,- daß die Juden auch die Historischen Denkmäler „deutscher" Größe respektierten l l Mit Verlaub: wozu dieser künstlich aufgeSauschte Widerspruch? Die Juden sind, um ein kürzlich gehörtes treffendes Wort zu gebrauchen, ein „posthistorisches" Volk. Die Zeiten ihrer geschichtlich - beglaubigten völkischen Vergangenheit liegen hinter ihnen, der einzige Zusammenhalt besteht noch in ihrem gemeinsamen Glauben, darüber hinaus fühlen sich die seit Jahrhunderten in Kulturländern ansässigen. Juden durchaus mit ihren Rationen und deren Besonderheiten derschmolsen — und sie haben ein Recht dazu l Der Vernunft eine Gaffe! Zum lauten Frohlocken über diese sich mehrenden Stimmen von rechts, von denen der Oppeln-Bronikowskischen das Verdienst zufällt, die Sinnlosigkeit des Antisemitismus auf Gefühls- und Verftaudeswsgen psychologisch, ethisch, historisch beleuchtet zu haben, sehe ich für uns Juden keinen Grund vorläufig. Wohl aber darf es uns mit einer stillen Genugtuung erfüllen, daß uns Waffen von einer Seite geschmiedet werden, von der wir ste am wenigsten erwartet hcttten. Jede einzelne dieser VernunsLftimmen wiegt so und so« diele gegen uns, in Wahrheit gegen die Kultur, gerichtete Pfeile aus; die NeSer» zerrgung, die in ihnen als einer zumindest auffälligen Erscheinung die Morgenröte einer s nch ankündigenden Entgiftung wittert, rann auch Lurch täglich neue Machenschaften, wie sie selbst aus „intellekLuellen" Kreisen — und hier meine ich besonders unsere akademische Jugend — wider uns in Szene gehen, nicht ins Wanken gebracht werden. Vorstehendes Buch ist zu beziehe« durch Phils Verlag «ud Buchhandlmrg nu h. H», Berlin SW 68, Liuoenstraste 1$.

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