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Im deutschen Reich · 1920-10-01 · Heft 10 (Oktober 1920) · p. 326

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 10 (Oktober 1920)
Article
Arthur Wolfgang Cohn
Date
1920-10-01
Page
326 (sequence 2)
Language
German
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826 Im deutschen Reich Leopold Cohn war sein Vater, Professor M. Lazarus sein Groß« onkel, höchste Blüten gezeitigt hatten, wuchs er auf und erkannte früh, welche starken, sittlichen Kräfte im jüdischen Familienleben wurzeln: Aber in eben solchem Maße vermittelte sein Elternhaus ihm die Liebe zum Deutschtum. In den Jünglingsjahren stand er daher der deutschen Jugendbewegung nahe. Bach, Mozart und Gerhard Haupimann fanden in ihm einen begeisterten Interpreten. Nachdem er sich eine feste wissenschaftliche und ethische Grundlage geschaffen hatte, war er gern bereit, diese der Allgemeinheit zu vermitteln. Dies war auch sein Streben als Vorsitzender der Jugendgruppe des Centralvereins zu' Breslau, die er von ihrer Gründung bis zum Herbst 1919 führte. Durch die Reinheit seines Strebens schien er der berufene Führer der Jugend zu sein. Kurz vor seinem Tode hob er mir gegenüber hervor, welch' großen Schritt vorwärts aus dem Wege zum tätigen Erleben von Deutschtum und Judentum die jüdische Kameradenbewegung bedeute. Für die, die ihn nicht kannten, ist sein Vortrag: „Sind die Juden eine Nation?"*) das beste Bekenntnis seiner Stellung zum Judentum. Wer diese Ausführungen genau liest, der wird erkennen, welche Fülle von Wissen und welche festgeformte Weltanschauung hier ihren Ausdruck findet. Nicht schöner könnte man eines Arthur Wolfgang Cohn gedenken, als daß die Jugend versuchen würde, seinen Weg nachzugehen. Th. M. Am 26. August d. I. beging Herr Stadtrat Louis Schneider, Schneidemühl, erster Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Schneidemühl, und Vorsitzender der Ortsgruppe des Centralvereins, die Feier seines 70. Geburtstages. Er hat seine reichen Erfahrungen und seine unermüdliche Schaffenskraft stets in selbstlosester Weife in den Dienst der Interessen des Judentums gestellt. Wir hoffen, daß Herrn Schneider noch ein langer, segensreicher Lebensabend vergönnt ist. Am 10. August starb zu Charlottenburg der Geheime LegaLrorrsrat z. D. Dr. Wilhelm Cahn in seinem 52. Lebensjahre. Dem Dahingeschiedenen rvar es durch seine hervorragende Befähigung und durch seine unermüdliche Arbeit ermöglicht worden, im Auswärtigen Amt, obwohl er Jude blieb, zu der Stellung eines Geheimen Legationsrares zu gelangen. In den Kriegsjahren 1870-71 war er in Paris der einzige Vertreter Deutschlands, und er hat damals mit außerordentlicher Hingebung die Interessen seiner Landsleute in patriotischster Weise vertreten. Befreundet mit Laster und Twesten hat er durch Veröffentlichung des Briefwechsels derselben sich für die Literatur der neuesten Geschichte bleibendes Verdienst erworben. . E. Fr. Frau Fennh Besas geh. Leffer-Berlin, ein Mitglied unseres Central-Vereins, hat uns ein Legat von 2000 Mark ausgesetzt. Wir werden rsiesen Betrag im Sinne der Verstorbenen für den Kampf um die Rechte der deutschen Juden verwerten. VÄcherscha«. Dämmerung? Von Richard Elb (Dresden). ..... Und das Licht scheinet in der Finsternis! — Wäre der Ausfall der letzten Wahlen, die der Rechten zweifellos einen starken, wenn auch nicht den erwarteten zahlenmäßigen Gewinn gebracht haben, der wahre Spiegel der Volktzmeinung, so müßte, sich ein ziemlicher Pessimismus empfindsamer Gemüter bemächtigen. Aber es gibt Lichtpunkte an dem grau verhangenen Firmament unseres politischen Himmels, und als solche Vorboten einer sich durchsetzenden Vernunft sind dieStimmen überzeugter Re chtsparteiler zu betrachten,die —unabhängig voneinander — just zur selben Stunde gegen die ausgesprochen judenfeindlichen Tendenzen ihrer Partei Front zu wachen sich gedrängt fühlten. Der bekannte Rechtslehrer v. G i e r l c , im allgemeinen. natürlich noch ganz in den einseitigen Verblendungen seiner alten Partei befangen, hat seinen Austritt erklärt, indem er sein Absageschreiben schließt: „Die Flugschriften, mit denen der Rassenantisemitismus uns überschwemmt, offenbaren ein erstaunliches Maß von Unbildung, Ge» sühlsroheit, Geschichtsunkenutnis und praktischer Unvernunft. Sie erinnern an *) Abgedruckt in den „Mitteilungen des Syndikus des Centralvereins", Jahrg. I, Nr. 4.

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