Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1920)
- Article
- A. Frerichs in Norderney
- Date
- 1920-10-01
- Page
- 324 (sequence 1)
- Language
- German
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824 Im deutschen Reich Der Buchhändler A. Frerichs in Norderney, Poststraße, hat sich vor einiger Zeit dahin geäußert, daß er mit Juden nichts zu Lun haben wolle. Wir geben unseren Mitgliedern und Freunden hiervon Kenntnis, möchten jedoch nicht versäumen, hervorzuheben, daß dies der einzige Fall ist, der uns bezüglich antisemitischer Aeußerungen eines Geschäftsmannes in Norderney bekanntgeworden ist. Im Verlag der „Wiking - Büche r", Hugo Wille-Leipzig, ist ein Roman von Olg.a Wohlbrück erschienen: „Schloß Vorowitzky", der Zwar literarisch sehr mäßig ist, dafür aber durch einen stark antisemitischen Ton sich - auszaichnet. Auf dieses Machwerk seien unsere Leser besonders hingewiesen. Der in Magdeburg erscheinende ,Mitteldeutsche Kurier", Nr. 22 vom 29. Mai 1920, bringt folgendes Feuilleton: „In der israelitischen'Leichenhalle. Eine ansehnliche Trauerversammlung, Angehörige aller Konfessionen, die einem an seinen Kriegswunden verschiedenen jüdischen Offiziersstellvertreter die letzte Ehre erweisen wollem Auch eine Abordnung Reichswehr mit Musikkapelle ist zugegen. Alles blickt nach dem Sarge, den eine reiche Blumenfülle vollständig verdeckt. -- Tod und Frieden in der Halle, Trauer und Versöhnung. Er war nicht der erste beste, dieser einst so kraftstrotzende Mann, dessen irdische Hülle sie in die Erde gebettet haben. Er konnte in die Etappe, in -die Heimat, er wollte nicht., „Was soll der einfache Soldat sagen, wenn wir mit schlechtem Beispiel vorangehen, und was soll dann aus Deutschland werden?" Seine Worte. Dieser Mann war ein Soldat mit Leib und Seele. Schon Anfangs der Vierzig, als er ins Feld zog, seit kurzem verheiratet, Vater'^ines Reinen Kindes. Wie mag er mit sich gekämpft haben, als auch das zweite Kind geboren wurde und er seinen Leib noch immer den todbringenden Geschossen Hinhalten mußte? Doch das Pflichtgefühl siegte, das Gefühl der Pflicht gegen sein Vaterland. „Ungefähr dort, wo wir den ersten jüdischen Kriegsfreiwilligen unserer Gemeinde zur Ruhe bestattet haben, da hat auch ihn die Kugel getroffen, die es nicht gut mit ihm gemeint, sondern deren Gewalt ihn erst noch an ein zweijähriges grausames Krankenlager ge- Kifelt hat, bis der Tod den Qualen ein Ende machte." So ungefähr sagte r jüdische Geistliche, der den Feldzug selbst als Feldgeistlicher mitgemacht hat, vom Anfang bis zum Ende. „Ich halt' einen Kameraden . . Mit diesen Klängen wurde der Sarg der Erde anvertraut. Ja, dieser Mann war ein guter Kamerad, ein guter Deutscher, ein guter Jä>e. Nun ist er so vielen jüdischen Soldaten, um die Mütter und Frauen trauern, in ein besseres Jenseits gefolgt. Tod und Frieden in der Halle, Trauer und Versöhnung . . . Und draußen? Auch d i e s e r S a r g ist eine Anklage gegen den Glaubens¬ und Rassenhaß. Hört ihr's, Mitmenschen in dem Kulturstaate Deutschland?" b) Nachrichten aus dem jüdischen Leben. Gedenkfeier des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hielt am Sonntag, den 26. September 1920, auf dem Ehrenfelde des Friedhofes der Berliner Jüdischen Gemeinde - in Weißensee eine Feier zu Ehren der gefallenen Kameraden ab. Eine mehr- Lausendköpfige Menge hatte sich eingefunden. Vertreter des Reichswehrministeriums, des Chefs der Heeresleitung, der Reichswehr^,. der staatlichen und städtischen Behörden und der jüdischen Organisationen nahmen an der ergreifenden Feier teil. Ansprachen des1 Vorsitzenden des Bundes, des §auvtmann Löwenstein, des Herrn Rabbiner Or. Baeck und des Herrn usnzrat vr. Chodziesner füllten die Stunde aus. Der toten Kameraden, der gefallenen Söhne, Männer und Brüder, die für die Ehre ihres deut-