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Im deutschen Reich · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. 290

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 9 (September 1920)
Article
Vereinigung deutscher Juden [Nachricht]
Date
1920-09-01
Page
290 (sequence 1)
Language
German
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290 Im deutschen Reich b) Nachrichten aus dem jüdischen Leben. Anfang April hat sich in Nürnberg, wie uns initgeteilt wirb, eine „Vereimgrmg deutscher Juden" gebildet. Dieser neue Jugendverein, der die Tendenz der K a m e r a d e n v e r e i u e angensmmen hat, züHlt bereits 40 Mitglieder. Personalia. Der in H a l b e r st a d t v e r st o r b e n e Dr. Abraham Hirschwar ein treues Mitglied unseres Vereins. Sein ganzes Leben lang hat er sich dem Wahren, Guten und Schönen im Judentum gewidmet. Me, dre das Judentum lieben uüb für es arbeiten, werden sein Andenken stets , in Ehren halten. Die israelitische Gemeinde-Butzbach hat durch den unerwarteten Tod ihres Lehrers, Herrn Emil Spiro, einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene war auch «jvn rühriges Mitglied des Central- Pdreins, der ihm ein ehrendes Andenken bewahren wird. Zu Ehrenmitgliedern des C e n t r a l - V e r e i n s wurden ernannt Professor Schneider, Berlin-Friedenau/ Geheimmt Wiesenthal und Juftizrat Loevinson, Berlin. Weitere Ehrenmitglieder sind:. Justizrst Dorn-Berlin, Geheimmt Fachs-Berlin. Stadrat Kalisch-iBerlin und Geheimrar Reich- Preslau. Bücherschau. Am Tage des Gerichts. Erzählung von B i n \ c ui i n Segel. Verlag 2smS> Lamm, Berlin. Preis 6,-- M. mit Sortim.-Zuschl. Das Büchlein enthält eine Erzählung von ungewöhnlicher Darstellungskraft, die an Dostojewski erinnert. Das Problem enthält einige'Verwandtschaft mit Rnskolntkow. Nur liegt es in einer anderen Sphäre. Wir sind in einer andern Welt. Wir empfinden all die Erregungen und Seelenstimmungen, die den frommen Juden am Versöhnungstage.erfüllen. Simon Berg hat von einem Christen ein Gefälligkeitsdarlehen zurückerhalien, der Mann aber hat ihm statt 10 Hunderter 10 Taufender gegeben. Eine starke Unruhe zieht damit in Simon Berg ein. Er betäubt sie in rastloser Arbeit. Erft am Verföhnungstage im Gotteshause erwachen die Gewissensbisse. Hier ringt Simon Berg mit dem Bösen in seinem Innern und befreit sich schließlich selbst, indem er das Geld, noch bevor der Versöhnungstag zu Ende ist, zum Eigentümer hintrügt. Und doch ist der heimlich Beraubte eine unsympathische Figur, ein steinreicher Lüstling. Alle Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellen, überwindet Simon Berg. Er mutz den Sabbat der Sabbate entweihen, um die Banknoten hervorzuholen, ein Glaubensgenosse, die Verkörperung der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, beweist ihm, daß die Todsünde der Sabbatschändung nie wieder gutzumachen wäre, um so mehrmals der Geschädigte kein Glaubensgenosse sei. In Simon Berg kämpfen zwei Weltanschauungen, die formal ritualisttsche und die rein ethische. Doch er überwindet in heißem Ringen die finsteren Mächte in seinem Innern. Es ist ein hoher Genuß, das Büchlein zu lesen. Israel Hildesheimers hundertjähriger Geburtstag. Zu den jüdischen Führern, die wohl eine ausgeprägte Parteistellung eingenommen haben, die aber trotzdem durch die Lauterkeit des Willens und die Macht ihrer Persönlichkeit in allen Kreisen des Judentums Verehrung -genießen, gehört der verewigte Gründer des Berliner Rabbinerseminars, Dr. Israel (Esriek) Hildesheimer, zu dessen Ehren anläßlich der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages am 16. Mai 1920 eine Gedenkfeier veranstaltet wurde. Die bei dieser Gelegenheit von Rektor Prof. Dr. Hofsmann, Dozent Dr. S. Grünberg, Dozent ALr. Kaplan und Dr. Meier Hildesheimer gehaltenen inhaltsreichen Reden zeichnen das Lebensbild Hildesheimers mit markanten Strichen und zeigen seine Bedeutung für das Judentum in gusgezeichneter Weise. Erfreulich ist esdarum, daß sie gedruckt im Verlage des „Jvschurun" (Berlin bk 24) -erschienen sind. Unser Leserkreis sei auf diese Schrift um so mehr hingewiesen, als der Erlös der „Israel - Hildesheimer - Jubiläums -Spende" (Berlin bk 24, Linienstr. 147, Postscheckkonto: Georg Tietz, Nr. 73 275, Berlin NW 7) zugute kommt. Der Minde st preis, den man -durch Postscheck an obige Nummer einsenden wolle, beträgt 1,75 Mark.

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