Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- Der Blutbeweis
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 288 (sequence 2)
- Language
- German
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288 Im deutschen Reich fusionen., Bei einem von elf Fällen, der einen anormalen Verlaus nahm, stellte Frl. Br. L. in einer Fußnote fest, daß hier -die Transfusionen vom Blute einer reinrassigen Jüdin ans eine Patientin germanischen Ursprungs stattgesunden haben. Nach Jahresfrist erst begann die antisemitische Presse diesen Fall als „Blutbeweis" für die Unverträglichkeit deutschen und jüdischen Blutes auszuschlachten. Der „Völkische Beobachter", München, brachte in seiner Nummer vom 11. Juni die Darstellung dieses Falles in der „Deutschen Zeitung" durch einen Herrn Br. Falb, einem Sohn des Wetterpropheten. Nach einer von Br. F. im Feuilleton veröffentlichten Darstellung erschien in der nächsten Nummer der „D. Z." eine Entgegnung des Frl. Br. L., die die Angelegenheit sachlich richtigstellte. Dr. Falb konnte sich nicht enthalten, in einem Nachwort die wissenschaftliche Evidenz seiner Behauptung Zu betonen. Demgegenüber sei besonders hin gewiesen auf den Bericht des Prof. Umber vom Charlottenburger Krankenhaus auf dem Chirurgischen Kongreß im April id. I., wo die Resultate von 68 Transfusionen mitgeteilt werden, von denen 19 dasselbe Ergebnis hatten wie der ,^Veweisfall" des Br. Falb. Aus den Mitteilungen Hervorragender Autoritäten, die uns zugingen, sei noch hervorgehoben, daß sogar Transfussionen von Verwandtenblut des öfteren anormalere Reaktionen gezeitigt haben als solche von völlig fremden Personen. Eine Rassenphysiologie gäbe es nicht, sondern nur individuelle „konstitutionelle" Eigentümlichkeiten. — Wissenschaft gibt es für jene Herrschaften nur immer in ihrem Sinne. „Ich LrmlchZ Zement." „Das Grundeigentum", Organ des Bundes der Berliner Grundbesitzer e. V., besaß die Geschmacklosigkeit, unter der Marke „Ich brauche Zement" einen Artikel zu veröffentlichen, der glaub- Lar machen will, man müsse galizifcher Jude mit Kaftan, Talmud und ,Heisaken" sein, wenn man Zement in Deutschland erhalten wolle. Ausdrucksweise und Inhalt des Artikels stehen auf der Höhe des Radau- Antisemitismus. Der allgemeinen Empörung über solche Verhetzung hat Herr Stadtverordneter Büssing in Gegenwart und auch im Aufträge des Herrn Stadtverordneten Ladendorff, dem 'Vorsitzenden des Bundes der. Grundbesitzer, in öffentlicher Versammlung Ausdruck gegebene Der verantwortliche Redakteur, ein Herr Br. Seyffarth, hat den schon durch die Aufnahme der Artikels bekundeten Geschmack aufs neue dadurch bestätigL, daß er alle diesseitigem Anfragen um Aufklärung unbeantwortet gelassen hat. Hoffentlich sorgt Herr Ladendorff dafür, daß die jüdischen Grundbesitzer sich nicht veranlaßt sehen, aus einem Verein aus- Zuscheiden, der nicht die Kraft hat, antisemitische Hetzereien aus seiner Zeitschrift und tzetzantisemiten aus seiner Redaktion fernzuhalten. VirrZsr Schlagsahne. Prof. Römer-Greifswald hat gemeint, im „Greissw. Tagebl." vom 14. Juli 1920 (163) die Arbeiterschaft der Stadt auf Auswüchse des Badelebens in dem benachbarten Binz Hinweisen zu müssen, wobei er, nach durchaus berechtigten Hinweisen stark antisemitisch entgleiste. „Feisten Weibern, meist jüdischer Rasse" gab er den Hauptanteil an Schlemmereien in Schlagsahne, während Tausende von Kindern sterben und verderben müßten. Wir sandten darauf eine Entgegnung an die Greisswalder Presse, in der wir den Ausfall Prof. R.s scharf zurückwiesen unter Hinweis auf die den Binzer durchaus entsprechenden Verhältnisse in Zinnowitz, dem durchaus antisemitischen Badeorte. Wir deuteten auch an, daß sich die doch sicherlich rein arischen Produzenten von Milch und Sahne mindestens ebenso am Volkswohl vergingen wie der Verbraucher der Leckereien,, und daß es Pflicht aller anständigen Deutschen wäre, sich gegen Auswüchse zu wenden, nicht aber den Kampf gegen diese mit Verallgemeinerungen zu beginnen, die breite Volkskreise verletzen müßten. ...