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Im deutschen Reich · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. 252

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Article
Eine Niederlage Dinters
Date
1920-07-01
Page
252 (sequence 2)
Language
German
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•252 deutschen Reich batte, antworten wollte, sprach bis 10 Uhr 50 Minuten und loste das sowohl von ihm selbst, wie von dem Vorsitzenden Herrn Dr. Lange gegebene Wort» Liesen an der freien Aussprache Leilnehmen zu lassen, nicht ein, so daß Herr Dr. Lange mit einem großen Teil der Versammelten, die gleich ihm das Verhalten des Redners mißbilligten, den Saal verließ. Was. aber den Unwillen aller anständig Denkenden hervorrief, war der .Terrorismus, der in dieser Versammlung dadurch geübt wurde, daß die unter Anführung ihres Lehrers als Schutztruppen Dr. Dinters erschienenen Schüler jeden noch so harmlosen Zwischenruser, indem sie sich in großen Mengen auf ihn stürzten, aus dem Saal entfernten. Herr Eisenbahn-Gütervorsteher E. Nolte sowohl wie das in Kassel anwesende Mitglied des Beirates im Reichsministerium des Innern, Abteilung für Elsaß-Lothringen, Gadomski, haben in offenen Briefen an das „Casseler Tageblatt" vom Sonntag, den- 23. Mai erklärt, daß man annehmen muß, Dinier habe nur deswegen so lange gesprochen, weil er die Aussprache mit Dt, Lange fürchtete, daß er also vor aller Öffentlichkeit zu beschuldigen sei, sein Wort gebrochen zu haben und daß er und Lehrer Heins, der Vorsitzende, ihre aus Schuljungen bestehende Knüppelaarde zum gewalttätigen Vorgehen gegen Zwischenrufer veranlaßt haben. Auch sei Dinter keineswegs aus den Kern , des Vortrages des Herrn Dr. Lange vom 17. Februar eingegangen. Herr Gadomski, der selbst Elsässer ist und über die Persönlichkeit Dinters gut orientiert zu sein scheint, hielt ihm außerdem vor, daß er in.seinem elsässischen Schauspiele „Die Schmuggler" die deutschen Beamten im Elsaß lächerlich gemacht und verunglimpft habe und daß die Deutsch-Elsässer, die ihrer deutschen Gesinnung wegen von den Franzosen ausgewiesen wurden, für Dr. Dinter, der sich durch seinen Vortrag in Kassel außerhalb ihrer Gemeinschaft gestellt habe, nichts anderes übrig haben könnten, als das Gefühl eines Zerstörers ihres guten Rufes. Vor allem aber habe Dinter selbst in Mühlhausen von Juden die größte Förderung erfahren, und oamals habe der Redner ganz anders über die Juden gesprochen. Herr Di. Bruno Lange zeigte nun eine öffentliche Versammlung für Sonnabend, den 22. Mai an, und zwar als Abrechnung mit Dr. Dinter, -zu der diejsev ausdrücklichst elngeladeni wurde. Die Versammlung nahm einen glänzenden Verlaus für Dr. Lange, lieber einstimmend bringen, die drei Kasseler Zeitungen ,Kasseler Neueste Nachrichten", „Casseler Volksblatt" und „Casseler Tageblatt" die Nachricht, daß im Gegensatz zu der von Dinter veranstalteten Radauversammlung der von Herrn Dr. Lange anberaumte Abend einen durchaus würdigen Verlauf nahm, da in objektivster Weise jeder, der zu sprechen hatte, zu Wort kam. Alle Angriffe Dr. Dinters wurden von Dr. Lange widerlegt. Dr. Dinter hatte 35 Minuten Zeit für seine Entgegnung, was ihm, der trotz seines gegebenen Wortes Herrn Dr. Lange überhaupt nicht hatte zu Wort kommen lassen, nicht genug war. Bis aus einige Schutz- und Trutzbündler, die natürlich in die Fußtapsen ihres Hetzapostels' traten, waren sich alle übrigen Diskussionsredner einig in der Verurteilung Muters, gegen den sie die schärfsten Vorwürfe in moralischer Beziehung erhoben. Obgleich die Stimmung der Versammlung sehr erregt war^ und sich in Zwischenrufen gegen Dr. Dinter des öfteren Luft wachte, so gelang es, die Versammlung zu einem würdigen Schluß zu führen. Der Eindruck jedenfalls war ein solcher, daß er auf der ganzen Linie zu einem Siege unserer guten Sache führte und Dr. Dinter wohl für lange Zeit hinaus in Kassel gerichtet sein dürste. Er und seine Anhänger gehören, wie eine der Kasseler Zeitungen sagt, zu einem Teile jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

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