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Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 207

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
Die Arme der Götter
Date
1920-06-01
Page
207 (sequence 1)
Language
German
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201 „Die Arme der Götter" „Die ArMs der Götter." (Abwchrerfolge m Dresden.) Die im Februarheft empfohlene Idee eines fachlichen Gedankenaustausches zwischen Christen und Juden, ist in Dresden gewissermaßen zur vorgeahnten Tat geworden. Leider, mit dem Erfolge, daß der Aufklärungsabend, Zu dessen Veranstaltern auch der Justizruiurür.r sowie .mehrere Sladträte und Abgeordnete. zählten, durch ein pöbelhaftes aniffemittsches Lärmt onzert nicht unerheblich gestört wurde. Aehnlich wie in den Wer Jahren, doch roher und unverhüllter, erhebt der Antisemitismus in Sachsen, seinem alten Wetterwinkel, auch heute wieder drohend das Haupt. Dieser volksvergiftenden Verhetzung, als einer besonders schweren Gefahr für unsere Heranwachsende Jugend, konnte au? die Dauer weder der Ceutralverein noch jbex die Not der Zeit erfassende und zugleich auf einer gewissen Kulturhöhe stehende Teil der christlichen Mitbürger untätig gegenüberstehen. Der erste den Boden vorbereitende Schritt war eine Versammlung des Centralvereins, in der nach einem Vortrag von I) r. Gold mann und zustimmenden Worten des Stadtrats Beck eine Entschließung angenommen wurde, in der es am Schlüsse heißt: „Die Versammlung erwartet, daß auch gerecht denkende Männer und Frauen nicht israelitischen Bekenntnisses, besonders solche, die berufen sind, das Gewissen zu wecken und die Seelen' zu leiten, aus Gerechtigkeitsgefühl und aus Liebe zum -deutschen Vaterlande vor der Öffentlichkeit das antisemitische Treiben verurteilen." Dieser in den Zeitungen veröffentlichte A p p e l l ö l i e b nicht un - gehört; schon wenige Wochen danach erging von christlicher Seite der Ruf nach einem Aufklürungsabend, die Stimmen mehrten sich, 'und schließlich waren. es mehr als 50 angesehene christliche Männer und Frauen aller Parteirrchtungen, die mit den flammenden Worten: „Lasset uns die Seelen unserer Kinder nicht mit Vorurteil und Haß, sondern mit dem Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit erfüllen!" dem verheerenden Gift entgegenzuwirken suchten und „Alle, die hierbei mithelsen wollen", zu einer großen,, öffentlichen Versamm- Iuna am 3. Februar einluden. Das äußere Bild des Abends ist oben gezeichnet. „Eine Kulturschande" überschreibt eines der maßgebenden Blätter, die sämtlich — natürlich mit mehr oder weniger Zurückhaltung — diese rüpelhaften Störungsversuche, zumal durch mißleitete Jugendliche, verurteilen, seinen Bericht, den es mit den treffenden Worten beginnt: „Man muß als Deutscher und als Christ viel Scham empfinden, um von dem Verlauf dieses Abends zu sprechen." Im Gefühl ihrer geistigen Ohnmacht hatten die Gegner, die fich mit Gewalt den Eintritt verschafften und von den 3000 Besuchern sicher das Uebergewicht bildeten, weder Menschenmaffen noch Lärminstrumente gespart. Ihre Sprengversuche scheiterten an dem geschloffenen Willen aller Gutgesinnten, der Rest war das bittere Gefühl zertretener Menschenwürde, das solche Pöbeltaktik auslöste. Gleich die ausgezeichneten christlichen Redner, der freigeistige Pastor Mensing, der sozialdemokratische Redakteur Grätsch, bekamen die ganze Wucht der gegnerischen Angriffe zu spüren, vermochten es aber, unter dem naturgemäß sich steigernden Beifall ihrer Getreuen, in geschickter Art einigekräftige Wahrheiten der lärmenden Menge ins Gesicht zu schleudern. Ungeheuer aber war der Sturm der

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