Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Article
- Revision des jüdischen Nationalismus [Rezension]
- Date
- 1920-05-01
- Page
- 174 (sequence 1)
- Language
- German
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174 Im deutschen Reich VLHerfchLM» Revision des jüdischen Nationalismus. Von Dr. Ignaz Zollschan. R. Löwit Verlag, Wien-Berlin 1919. Diese Schrift ist eine ernste Auseinandersetzung mit dem Programm des Zionismus, und diese Auseinandersetzung ist um so wertvoller, da sie von einem Zionisten herrührt. Sachlich, wissenschaftlich, ohne sich auf irgendeine kleinliche Polemik einzulassen, werden die Probleme untersucht, auf denen sich das Programm der Zionisten aufbaut. Nichtzionisten werden gewiß nicht in allen Einzelheiten dem Verfasser dieser Untersuchung zustimmen, aber anerkannt muß werden, daß hier ein kenntnisreicher Schriftsteller das Wort nimmt, um die zionistischen Bestrebungen an den realen Möglichkeiten der Politik unserer Tage.zu prüfen, und um das politisch Utopische und das politisch Gefahrvolle zionistischer Bestrebungen für das Judentum an der nüchternen Realität der Welt- Verhältnisse zu messen. Das Ergebnis dieser Untersuchungen läßt sich in wenigen Worten Zusammenfassen. Für Palästina ist im wesentlichen das alte zionistische Programm ausrechtzuerhalten. Palästina, das Land, auf dessen Boden das Judentum in seiner geistigen Größe entstanden ist, und das den politisch e n Untergang des Judentums erlebt hat, soll nach Dr. Zollschan jener Zukunft entgegengeführt werden, wie sie dem Zionismus immer vor- Abwehrspeude. Wir bitten unsere Freunde, davon Kenntnis nehmen zu wollen, daß wir aus Sparsamkeitsrücksichten davon absehenmüssen,den Empfang kleinererBeiträgefürdenWahlfo nds und die Abwehrspende in Zukunft schriftlich zu bestätigen. geschwebt hat. Dagegen sollen die Juden in der Diaspora, sich neu orientieren. Dr. Zollschan weist mit sehr guten Gründen auf die politischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten hin, welche die außerhalb. Palästinas lebenden Juden zwingen, sich vorbehaltlos und mit Hingebung jenen Staaten anzuschließen, in denen ihre ^Vorfahren in vielen Generationen gelebt haben, in denen die Nachfahren noch heute leben und in denen, wie die Verhältnisse sich immer entwickeln mögen, auch künftige jüdische Generationen bei der Enge Palästinas jedenfalls leben werden. Natürlich besteht eine Brücke zwischen den Juden innerhalb und außerhalb Palästinas. Sie sind verbunden durch die Religion, durch die Tradition von Jahrtausenden, und die einen in ökonomisch fortgLschritteneren Verhältnissen sind verpflichtet, den anderen, die geistig und materiell in ärmlichen Zuständen sich befinden, zu helfen. Welchen Anklang ein solches Programm in den Kreisen des Zionismus finden wird, das muß zunächst abgewartet werden. Würde die Gedankenwelt des Herrn Dr. Zollschan sich innerhalb des Zionismus durchzusetzen vermögen, so würde damit ein sehr wesentlicher Schritt vorwärts getan sein, um die heutige Zerrissenheit innerhalb des Judentums zu beseitigen, und um eine Plattform zu gewinnen, auf der durch sachliche Aussprache herüber und hinüber das Judentum wieder zu einer Einheit auch im politischen Streben zusammengeführt werden könnte. Eine bedeutsame, eine große Perspektive! Gewiß löst auch das Programm des Herrn Dr. Zollschan nicht alle Schwierigkeiten, aber wobl gewährt dieses Programm die Möglichkeit einer fruchtbringenden Diskussion innerhalb der jüdischen Gesamtheit, welcher Richtung die einzelnen in ihr auch angehören mögen. Das Buch von Dr. Zollschan ist ernster Diskussion wert, und wir empfehlen daher unfern Lesern das Studium dieser inhaltsvollen Schrift. —n. Zu beziehen durch deu PHUo Verlag, Berlin EW 68, Lirrdeustr. 13.