Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Article
- Neue Juden
- Date
- 1920-05-01
- Page
- 173 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Vermischtes 173 ' ziehen verstanden hat, und noch merkwürdiger, daß die Presse dem nicht näher nachgegangen ist. So hieß es, Matthias Erzbergers Familie stamme von Salzburgschen Emigranten mb. In Salzburg mögen die Vorfahren ja wohl mal gewesen sein — aber Emigranten — ungefähr so, wie der galizische Jude auch ein Emigrant ist. Die Vorfahren hießen wohl He-rzberaer, ehe sie fromme Katholiken wurden, und noch heute heißt der nächste Vetter von Matthias Levy in Battenhausen." Rach Wilhelm II., Helfferich. nun auch .Erzberger! Aber das grünte Unglück steht noch bevor: Nach Meldungen, die uns zugegangen sind, ist es ausgefallen, daß Herr Verlagsdirektor Wulle von der „Deutschen Zeitung" ' es bei seinen zahlreichen Interessanten Vorträgen verabsäumt, seinen Zuhörern seinen Taufschein vorzüweisen. Offenbar hat er ein Interesse daran, über seine Abkunft auch Dunkel zu verbreiten. Man chat daher Grund zu der Annahme, daß Herr Wulle früher Wolfs — mit ff — hieß. Also auch er! Cm arrti?LMitischL§ Obertirchenrnt. Wir'haben in der Februar-Nummer unserer Zeitschrift über eine Auseinandersetzung Zwischen dem Vorsitzenden unserer Ortsgruppe Karlsruhe, Herrn Rechtsanwalt Dt. Jakob Marx, und dem Vorsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei in Baden/ Herrn Geheimen Oberkirchenrat Mayer, berichtet. Herr Mayer, der nach den Versammlungsberichten badischer Zeitungen in öffentlicher Versammlung behauptet haben sollte, daß die Juden Pogrome absichtlich forderten, hat Hrivatklage erhoben. In diesem Verfahren ist nachfolgender Vergleich zustande gekommen: 8 1. Der Privatkläger, Herr Geh. Oberkirchenrat Friedrich Mayer, erklärt: Ich habe aus dem Parteitag der Deutschnationalen Volkspartei weder dem Wortlaut noch dem Sinne nach gesagt, daß die Juden selbst Pogrome fordern, und hätte auch keinen Anlaß, eine solche Aeußerung zu machen, weil ich ihren Inhalt nicht für richtig.'halte. Der Beschuldigte, Herr Rechtsanwalt Dt. Jakob Marx, erklärt: Nach dieser Erklärung des Herrn PrivaMägers stehe ich nicht an, den ^Vorwurf, Herr Geheimrat Mayer habe eine nichtswürdige und gewissenlose Lüge Leichtfertig weitergegeöen, hiermit zurückzunehmen. § 3. Die GerichLskosten werden von.den Parteien je hälftig getragen. Im übrigen behält jeder Teil 'seine Kosten auf sich. Die PrivaLllage wird hiermit zurückgenommen. „Philo Verlag." Das „Jüdische Echo" beschäftigt sich iw einer der letzten Nummern mit der Tatsache, daß' wir den dem Central-Verein angegliederten Verlag „Philo Verlag" genannt, haben. Es wird in der Notiz darauf hingewiesen, daß der große jüdische Philosoph Philo „ohne Wirkung auf seine nächste Familie blieb, sein Neffe Tibertus ALeranl-er fiel sogar vom Judentum ab". Wir möchten darauf erwidern, daß die Bedeutung Philos durch diese Tatsache in keiner Weise gemindert wird. Wer sich mit jüdischer Literatur beschäftigt, wird wissen, welchen Einfluß z. B. Philo auf die jüdische Literatur gehabt hat. Wir möchten dem „Jüdischen Echo" empfehlen, in den „Jüdischen Monatsheften" den dort kürzlich veröffentlichten Artikel über dieses Thema zu lesen. Im übrigen sei auf das Beispiel der Familie Mendelssohn hingewiesen, mit deren Begründer Moses Mendelssohn sich die ganze Judenheit rühmt, zu bejjeu Ehren unzählige Stiftungen, Preisausschreiben usw. errichtet worden sind, und der dennoch „ohne Wirkung auf seine nächste Familie blieb", denn bekanntlich waren alle seine Kinder getauft.