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Im deutschen Reich · 1920-03-01 · Heft 3 (März 1920) · p. 104

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 3 (März 1920)
Article
Judentum und Internationalismus in der deutschen Frauenbewegung
Date
1920-03-01
Page
104 (sequence 2)
Language
German
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104 Zm deuLschen Reich Unkenntnis und Unsachlichkeit Zeugnis ab, daß es sich sicherlich nicht lohnte, sich mit E. Witte als Persönlichkeit auseinanderzusetzen?'Nur der Inhalt verdient tiefer gehängt zu werden, damit der°Frauensache, der jüdischen Frauenjache, gedient werde. Wenn der Verfasser dieses verhetzenden Schmähartikels nur einen Hauch des Geistes verspürte, der im Judentum atmet, so würde er den Hochmut ablegen, die Leichtfertigkeit, mit der er über Dinge urteilt, die er zusammerchanglos herausreißt, die er durcheinanderhechelt, daß sie wie Staubatorne schließlich auseinanderwirbeln, wenn man sie einer ernsthaften Betrachtung unterwirft. Anknüpfend an den Ausspruch einer Dänin (schon immer ein Zeichen von Oberflächlichkeit, ein Zitat arrzuführen, ohne den Namen zu nennen), „die Frauen sind es, die morgen die Zukunft entscheiden", dieser Ausspruch, so wird resultiert, kennzeichnet heute die politischen Verhältnisse eines größeren Teils der europäischen Staaten. Dieses „Prophetenwort" hat es dem Schreiber des Artikels angetan. Mit einem Ausfall gegen die „Instinktlosigkeit der Bevölkerung im neuen Deutschland" wird denen eine Verbeugung gemacht, die der Hoffnung aus eine deutsche Wiedergeburt'noch nicht entsagt haben. Dann 'geht el geistreich weiter, das „Tempo" und-der „Starkegrad" einer solchen Entwicklung (meine Schülerinnen würde ich unterbrechen und fragen: welcher Entwicklung?) „hängen in nicht geringem Maße von der Art der weiblichen Leitung ab; immer folgt die Herde dem Hirten". Wirklich? Bei den Deutschnationalen. mag es so sein! Bei uns deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens, die ja doch die Spitze treffen soll, ist das lange nicht immer der Fall; wir bucken um uns, über uns, unter uns und bilden uns unser Urteil selbst und folgen nur den: Führer, wenn er Führergualitäten besitzt und wenn er wirklich dem Zeitgeschehen den Stempel seines Geistes ausprägt. Der Herr Verfasser konstruiert „den echten, deutschen Geist" als Gegenüberstellung des „fremden Geistes" wieder mit einem Scheinwerfer auf uns deutsche Staatsbürgerinnen jüdischen Glaubens. „Der. freitfee Geist" hat dann die Führerzügel „an sich gerissen", und dieses Ansichreißen „ist nur ein Ausschnitt aus dem großen Kapitel der deutschen Gtzgenwartsgeschichte, das uns das tragische Bild eines unter die Gewalt eines fremden Geistes geratenen Volkeszeigt". -Daß ich nicht lache, Herr Verfasser! Nun werden £>ie-elegisch — und dazu reicht Ihre Kraft nicht aus! Und Ihre BeLrachtung — E. Sitte — der deutschen Frauenbewegung, die nun folgt, ist wirklich von keiner Sachkenntnis' getrübt! Sie teilen sie fein säuberlich ein in eine „gemäßigte" und in eine „radikale". Ach, wie bequem! Oder Sie machen es^sich in den folgenden Zeilen' noch bequemer; denn Ihr Treffpunkt sollen ja die jüdischen Frauen sein; Sie schematisieren ab ab —- „die deutsche 'Frauenbewegung" und „die Frauenbewegung der Fremden — der Internationalen". Endlich, E. Witte, stehen Sie nun, auf der Höhe des Berges, den Sie mühsam erklommen — und nun strömt der Regen — zucken die Blitze — grollet der Donner. Nämlich der Bund der deutschen Frauenvereine ist vollständig — „ver-

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