Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- Die Antisemiten machen Schule
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 Im deutschen Reich jüdischen Glaubens beschränkt, sondern auf alle deutschen AerzLe gemünzt. In dem Briefe heißt es: „Einer der angesehensten AerzLe des Ostens (Amerikas) warnt junge Kollegen davor, zu ihrer weiteren Ausbildung künftig nach Deutschland zu gehen, da dort Patienten nicht als Menschen, sondern nur als M a L e r i a l b e h a n d e IL w ü r - d e ix."’ Was sagt dazu die „Münchener Medizinische Wochenschrift", die in demselben genannten urgermanischen Verlage von Lehmann in München erscheint? Sieht so „Deutschlands Erneuerung" asts? Sind die Lehmann und Liek Deutschlands Erneuerer oder nicht vielmehr seine — Totengräber? Die unabhängige Sozialdemokratie gegen hm Antisemitismus. Du vom Parteitag der 11. S. P. D. angenommene Resolution gegen den Antisemitismus hat folgenden Wortlaut: „Der Parteitag stellt fest, daß der Antisemitismus, die Hetze gegen die Juden als Juden, auch in Deutschland die Waffe der monarchistischen Reaktion geworden ist, wie er als steter Begleiter der internationalen Reaktion darauf ausgeht, die Solidarität des Proletariats Zu zerstören, den Charakter des Klassenkampses zu verdunkeln und die revolutionären Kräfte zu lähmen. Der Parteitag fordert das klassenbewußte revolutionäre Proletariat Deutschlands auf, alle Formen dieser Hetze im Bewußtsein ihres internationalen reaktionären Charakters auf das entschiedenste Zu bekämpfen. Der Versuch'der Konterrevolution, das Gift dieser Hetze in die Betriebe zu tragen und durch Treibereien gegen die eingewanderten jüdischen klassenbewußten.'Proletarier die internationale Solidarität der revolutionären Arbeiterschaft zu zerstören, wird an dem entschlossenen Widerstand des deutschen revolutionären Proletariats scheitern." Der Zentrumsparteitag gegen den Antisemitismus. Auf dem kürzlich in Berlin stattgehabten Zentrumsparteitag hat der Anioersitätsproftssor Dr. Schreiber folgende bedeutsame Erklärung gegenüber dem Antisemitismus abgegeben: „Die Politik' des Zentrums gegenüber den Israeliten hat nicht bloß ihre Grundsätze, sondern auch ihre geschichtlichen Grundlagen. Die Partei hat stets in der Geschichte die Gefährlichkeit der antisemitischen Bewegung gekannt. WindLhorst hat die antisemitische Haltung von Stöcker, Ahlwardt und deren.Epigonen nicht mitgemacht. Er wollte keine Ausnahmegesetze für die Juden, weil er genau wußte, wie schwer die Katholiken selbst an den Ausnahmegesetzen des Kulturkampfes zu tragen hatten. Die Katholiken haben am eigenen Leibe erfahren, was Unparität und Zurücksetzung in Beamtenstellungen und im öffentlichen Leben bedeuteten. Was die Katholiken nicht wollen, das ihnen selbst geschieht, dürfen sie den Juden nicht Zumuten. Als WindLhorst seinerzeit für die Rabbiner in militärrechtlichen Fragen eintrat, brachte der „Kladderadatsch" höhnend ein Bild, wie ein jüdischer Posten vor ihm das Gewehr präsentierte. WindLhorst war stolz auf diese Zeichnung. Es lag ein tief symbolischer Sinn darin, daß man Minoritätskonfessionen nicht vergewaltigen wollte. Ebenso hat der verstorbene Abg. Gröber für das Judentum mehr als einmal sich eingesetzt. Weiterhin hat die Zentrumssraktion des Preußischen ALgeordnetenhauses mit allem Nachdruck beim Volksschulunterhaltungsgesetz den berechtigten Forderungen des Judentums Rechnung getragen: das ist auch ein Ehrentitel für die Partei, und weiter: In Cöln haben sich zwischen